Angst vor dem Feuerwerk : Regen schützt die Reetdachhäuser

In Seeth stehen die Reetdachhäuser dicht an dicht, auch an der Hauptdurchgangsstraße, der B 202.
In Seeth stehen die Reetdachhäuser dicht an dicht, auch an der Hauptdurchgangsstraße, der B 202.

Das Silvester-Feuerwerk bereitet dem Seether Bürgermeister diesmal nicht ganz so viele Sorgen wie in den Vorjahren, denn der Regen hält die vielen Reetdachhäuser in seiner 600-Seelen-Gemeinde feucht.

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31. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Durchschnitten wird das Dorf Seeth von der B 202, die von der Ostsee zur Nordseeküste führt. Immer wieder stockt der Verkehr gerade in der touristischen Hochsaison, es geht ganz langsam durch den Ort, denn in Seeth reiht sich nahezu ein Reetdachhaus an das andere. Es gibt für Ortsfremde viel zu gucken. Bürgermeister Peter-Wilhelm Dirks betont, dass es die Gemeinde mit den meisten Weichdachhäusern im Amt Nordsee-Treene ist – und dort leben immerhin 25.500 Menschen in 27 Gemeinden. Kein Wunder also, dass Dirks der Silvesternacht immer mit gemischten Gefühlen entgegenblickt. In diesem Jahr allerdings macht er sich deutlich weniger Sorgen, denn das Wetter spielt mit, auch für den heutigen Silvesterabend ist durchaus mit leichtem Nieselregen zu rechnen.

„Wenn es so feucht ist wie in diesem Jahr, dann verringert sich die Brandgefahr eines Reetdaches durch eine fehlgeleitete Rakete ganz erheblich“, sagt der Bürgermeister, der selbst seit 47 Jahren in der örtlichen Feuerwehr aktiv ist. Auf dem nassen Naturbaustoff müsste sie eigentlich verlöschen. Anders sehe es aber bei einem direkten Treffer aus, wenn der Raketenkopf im Reet explodiert. „Dann“, so der Gemeinde-Chef, „besteht große Gefahr und dann heißt es: raus aus dem Haus!“

Allerdings werde die Gefahr eines Treffers in seiner 600-Seelen-Gemeinde und auch im Nachbardorf Drage, wo es ebenfalls sehr viele Reethäuser gebe, nicht so groß eingeschätzt, dass die Freiwilligen Feuerwehren in den beiden Ortschaften in Bereitschaft stehen würden. Er selbst werde den Silvesterabend in dem Reetdachhaus seiner Tochter in Drage verbringen, „und da passe ich schon ordentlich auf“.

„Wir appellieren eigentlich nur an die Vernunft der Menschen“, sagt dazu Claus Röhe, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Nordsee-Treene. „Um auf die Gefahren hinzuweisen, haben wir nochmals in unserem Amtsblatt auf die besondere Gesetzeslage hingewiesen. Dort heißt es unter den amtlichen Bekanntmachungen unter anderem: „Es wird angeordnet, dass am 31. Dezember und am 1. Januar pyrotechnische Gegenstände der Klasse II (Kleinfeuerwerk, wie zum Beispiel Raketen, Schwärmer, Doppelschläge) in einem Umkreis von 180 Metern von reetgedeckten Gebäuden nicht abgebrannt werden dürfen.“

Problematisch werde es in jedem Jahr mit dem Feuerwerk auch in Mildstedt. Dort, mitten im Dorf, liege die Gastwirtschaft. Und rund um den gemeindeeigenen Kirchspielskrug stünden fünf Reetdachhäuser. Also dürfe dort auf dem Parkplatz nicht geknallt werden, beziehungsweise keine Raketen in den Himmel geschossen werden. „Daher appellieren wir an die Betreiber, darauf zu achten“, sagt Röhe. Dabei weiß er ganz genau und räumt auch ein, dass dies eigentlich unmöglich sei.

Da Verstöße gegen das Knallverbot mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden können, könnte eigentlich am Silvesterabend eine ordentlich sprudelnde Geldquelle für die Amtskasse erschlossen werden, doch die möchte der Verwaltungschef nicht nutzen. Da müsste ja jeder Mitarbeiter von einem Polizisten begleitet werden, stellt er fest.

Das Knallverbot in der Nähe von Reetdachhäusern gilt auch für die Stadt Friedrichstadt. „Da wir aber keine solchen Häuser haben“, sagt Bürgermeister Eggert Vogt, „gibt es bei uns auch keinerlei Probleme.“ Und in der dicht bebauten Altstadt des Holländerstädtchens wurde nach seinen Worten seit jeher ordentlich Feuerwerk abgebrannt. „Da ist bisher noch nie etwas passiert, ich hoffe es wird auch diesmal alles glatt gehen.“

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