zur Navigation springen

Bald ein Schmuckstück : Reetdach der Superlative

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Witzwort wird ein 1.000 Quadratmeter großes Dach eines ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens mit Reet eingedeckt. Fördermittel der Aktiv-Region Südliches Nordfriesland helfen, historisch wertvolle Gebäude in der Region zu erhalten.

Es ist eine beeindruckende Baustelle, die derzeit in Witzwort im Ortsteil Reimersbude zu bewundern ist. Doch wenn das Gebäude sprechen könnte, würde es aus seiner fast 150-jährigen Geschichte erzählen. Es gibt heute nur noch wenige historische Gebäude in der Region Eiderstedt und Strapelholm, die auf eine so lange Geschichte zurück blicken können. Das Witzworter Haus wurde ursprünglich als landwirtschaftliches Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichtet. Doch der Strukturwandel in der Landwirtschaft, verbunden mit sozialen und ökonomischen Veränderungen, der Bevölkerungsrückgang im ländlichen Raum sowie die hohen Kosten zur Erhaltung der traditionellen Bauwerke bedrohten den Fortbestand dieses wertvollen und geschichtsträchtigen Gebäudes.

Nachdem der ehemalige Bauernhof von der damaligen Eigentümer Familie St. Johann aufgegeben wurde, stand das Gebäude einige Jahre leer. „Wie vielen anderen alten landwirtschaftlichen Gebäuden drohte auch diesem Hof das Aus“, berichteten die neuen Eigentümer Thomas Daußmann und Achim Schmacks. Sie erwarben das Anwesen vor gut vier Jahren. „Doch schnell stellten wir fest, dass das Gebäude komplett saniert werden musste, um gerettet zu werden“, so Daußmann. Unterstützung bekamen sie dabei vom Projekt „Erhalt der Baukultur in den Landschaften Eiderstedt und Stapelholm“ unter Federführung des Amtes Eiderstedt und mit Beratung des Büros Region Nord. In Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Landschaft Stapelholm, dem Heimatbund der Landschaft Eiderstedt und der Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland, wirkt das Förderprogramm beispielsweise in den Bereichen Erhaltung, Nutzung und Beratung sowie finanzielle Förderung.

Im vergangenen Jahr wurde dieses Projekt als landesweites Leuchtturmprojekt der Aktiv-Region Südliches Nordfriesland ausgezeichnet. Damit verbunden sind Fördermittelzusagen in Höhe von 750 000 Euro für gut drei Jahre“, erläuterte Projektmanager Mathias Günther vom Büro für Regionalentwicklung RegionNord. „Davon profitieren knapp 70 private Eigentümer landschaftsprägender Gebäude im Gebiet der Ämter Nordsee-Treene, Kropp-Stapelholm und Eiderstedt, die Maßnahmen zum Erhalt ihrer Gebäude vornehmen möchten.“ Ziel sei es, die Vielfalt der Bauwerke in der Region zu erhalten, ergänzte Elisabeth Mewaldt von der Denkmalschutzbehörde des Kreises Nordfriesland. „Wir wollen auch das Bewusstsein für den Wert dieser Gebäude als prägende Elemente einer einzigartigen Kulturlandlandschaft erhöhen.“

Für die stolzen Besitzer des Witzworter Hauses war und ist die Sanierung eine enorme Herausforderung. „Unser Ziel ist es, ein einzigartiges und altes Gebäude zu erhalten“, erklärte Schnacks. „Wir wollen ein altes Gebäude und kein Museum.“ Aber auch für Reetdachdeckermeister Reimer Dau aus Tönning war dieser Auftrag ungewöhnlich. Er erläutert die aufwändige Arbeit auf mehr als 1000 Quadratmeter Dachfläche. „Wir verwenden nur einheimisches Reet aus eigener Ernte und mit Hinzukauf aus der Region.“ Dabei ging er auch auf den möglichen Milbenbefall ein. „Mit dem einheimischen Reet haben wir damit noch nie ein Problem gehabt.“ Schon der Zeitpunkt der Ernte sei mitunter ausschlaggebend für die Qualität des Materials. Beim Rundgang durch das Wohngebäude wurden auch die energetischen Maßnahmen erläutert. Im angrenzenden Stallgebäude wird der Künstler Achim Schmacks sein Atelier einrichten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen