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Nordfriesland : Reeder wollen nicht abkassieren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Streit um Einzug von Kurabgaben für Tagesgäste: Schiffsbetreiber boykottieren Einladung nach Kiel – und vielleicht auch bald mal Hallig Hooge.

Auf großes Unverständnis stößt bei den Reedern an der Westküste eine Einladung des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministeriums für morgen nach Kiel. Dabei geht es um eine von den Inseln und Halligen gewünschte Änderung des Kommunalabgabengesetzes (KAG) hinsichtlich der Einziehung von Kurabgaben für Tagesgäste. In der Einladung heißt es, die Reeder sollten beschreiben, unter welchen Voraussetzungen sie sich eine Mitwirkungspflicht vorstellen könnten.

„Allein der Termin ist eine Frechheit“, beschwert sich Bernd Diedrichsen, Kapitän des Fahrgast-Motorschiffs „Hauke Haien“ seiner gleichnamigen Hallig-Reederei. Mit dieser Meinung steht er nicht allein. Die Fahrpläne laufen bis Ende Oktober, die Skipper können und wollen den Termin nicht wahrnehmen, sind sich auch Heinrich von Holdt (MS „Seeadler“), Uwe Petersen (MS „Rungholt“) und Bandix Tadsen (MS „Eilun“) einig. Sie alle können sich die finanziellen Einbußen durch einen verlorenen Tag nicht erlauben. Lediglich Sven Paulsen, Chef der Reederei Adler-Schiffe, sowie der Geschäftsführer der Neuen Pellwormer Dampfschiffahrts GmbH (NPDG), Sven Frener, wollen sich anhören, welche Vorschläge aus Kiel kommen.

Hintergrund des Ganzen ist, da sind sich die Reeder einig, die Einführung des „Hallig-Talers“ auf Hooge 2011. Schon damals versuchte Hallig-Bürgermeister Matthias Piepgras, die Skipper in die Pflicht zu nehmen, den Taler an Bord einzusammeln – und scheiterte (wir berichteten). Noch wird der Taler am Anleger auf Hooge kassiert. Lediglich Reisegruppen bezahlen den Obolus im Zusammenhang mit ihren Fahrkarten.

„Wir wollen unsere Bedenken in Kiel deutlich machen, sind aber für Gespräche offen“, so Frener. „Wir sprechen uns vehement gegen die Pflicht zur Erhebung der Kurabgabe für Tagesgäste durch die Reedereien aus“, betont Paulsen. Zwar erkennt er an, dass auch Tagestouristen einen angemessenen Beitrag zum Erhalt der Infrastruktur in den Urlaubsorten des Landes leisten sollten, das beabsichtigte Prozedere mit dem Kassieren an Bord der Schiffe aber hält er nicht für praktikabel. „Das gewünschte Vorgehen wird allein auf die Besonderheit der Inseln und Halligen zurückgeführt, die die kommunale Gebietskörperschaft nutzt, um einen sehr bequem erscheinenden Weg zur Erhebung der Tageskurabgabe zu gehen“, glaubt der Adler-Chef. Und weiter: „Es kann nicht die Aufgabe eines privaten Unternehmens sein, Info- und Aufklärungsarbeit über öffentliche Abgaben zu leisten und gegebenenfalls durch unsere Mitarbeiter rechtsverbindliche Aussagen zu treffen.“ Es sollte ein kundenorientierter Ansatz gefunden werden, der vom Gast nicht als „Wegezoll“ empfunden wird. Und: „Den Aufwand können wir nicht treiben“, sagt Axel Meynköhn, Geschäftsführer der Wyker Dampfschiffsreederei (WDR).

„Der Termin ist so gelegt, dass wir als Reeder mit nur einem Schiff gar nicht teilnehmen können“, vermutet Diedrichsen eine mögliche Entscheidung nach „Aktenlage“. Aus organisatorischen Gründen sei ein Kassieren des Talers an Bord nicht möglich. „Wenn die Pläne aus Kiel umgesetzt werden, müsste ich ein Kassenhäuschen am Hafen Schlüttsiel besetzen, das Kassieren an Bord ist bei meiner Personalstärke nicht zu leisten“, macht auch Heinrich von Holdt seinem Unmut Luft.

„Ich lass’ mir das nicht aufzwingen, unter Umständen laufe ich Hooge für einige Wochen nicht an“, erklärt Tadsen. Der Kapitän der Amrumer „Eilun“ beschwert sich darüber, dass er auch schon Abrechnungen von der Hallig für Tage bekommen habe, an denen er mit seinem Schiff gar nicht dort war. Mit ihren Forderungen als teuerste Anlegestelle aller Halligen (Brückengeld) manövriere sich Hooge immer weiter ins Abseits.

Uwe Petersen läuft Hooge schon seit einigen Wochen nur noch an, wenn Reisegruppen diesen Wunsch äußern, ansonsten ist sein bevorzugtes Reiseziel die Nachbar-Hallig Langeneß. „Ich kann meinen Gästen nicht klarmachen, dass sie auf Hooge auch noch für Kutschfahrten und neben dem ,Hallig-Taler‘ künftig auch noch einen Euro für den Besuch der Kirche („Johannistaler“) berappen sollen. Er zahle schon genug, sagt der Kapitän und erinnert an die Erhöhung des Brückengeldes vor einigen Jahren.

Mal abgesehen von den organisatorischen Problemen, möchten die Skipper ihren Gästen nicht immer mehr abverlangen. „Wenn das so weitergeht, wollen künftig alle Halligen abkassieren“, vermutet Petersen. Wenn die Gesetzesänderung kommt, soll die Hallig Hooge einige Zeit boykottiert werden – darin sind sich alle Reeder einig.

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