Schule in Mildstedt : Rasierschaum, Nudeln und Konfetti: Abschluss-Schüler hinterlassen Chaos

Der Anblick der Innenräume  schockte die Lehrer, stundenlanges Aufräumen war angesagt.
Der Anblick der Innenräume schockte die Lehrer, stundenlanges Aufräumen war angesagt.

Eine Abschlussfeier artet aus. Schüler suhlen sich im Dreck. Lehrer werden zu Putzkräften. Die Chaos-Geschichte.

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07. Juli 2015, 07:00 Uhr

Das hatten sich die Lehrer der Mildstedter Grund- und Gemeinschaftsschule eigentlich ganz anders vorgestellt. Am Montag sollte es eine nette Abschlussveranstaltung für die Abgangsklassen der Stufen neun und zehn in der Turnhalle geben, doch es kam alles anders. Denn der Arbeitstag der Pädagogen entwickelte sich unerwartet, den größten Teil des Vormittags verbrachten sie damit, die Schule wieder auf Vordermann zu bringen. Lediglich im Grundschulbereich konnte „normaler“ Unterricht erteilt werden.

Schulleiter Stefan Knoll: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Rasierschaum bedeckte teilweise die Räume und Gänge knöchelhoch, Glasflächen waren mit fettigem Lippenstift beschmiert. In die Toiletten wurden Spiralnudeln geworfen, dazu kam Rasierschaum und reichlich Konfetti. In einigen Gängen war kein Durchkommen mehr, Stühle mit Schaum und Papier „verziert“ blockierten sie.

Kurzfristig musste eine Lösung gefunden werden, denn obwohl nicht alle Abschlussschüler so heftig mitmachen wollten, artete es immer mehr aus. Schließlich hat sich Knoll dazu entschieden, die Schule zu schließen, nur der Grundschulteil war nicht betroffen. Dort staunten die „Kleinen“ dann allerdings nicht schlecht, wie die „Großen“ aussahen und wie die sich aufführten. Von der Teilschließung der Grund- und Gemeinschaftsschule waren 250 Kinder- und Jugendliche betroffen. Das Problem allerdings, viele von ihnen sind Fahrschüler. Also wurden wenn möglich Angehörige informiert, ein Teil der Schüler auch abgeholt. Doch längst nicht jedes Elternteil hat auch am Vormittag Zeit, die Sprösslinge vorzeitig aus der Schule zu holen. Also stellte Schulhausmeister Jörg Magnussen einen Gartenschlauch bereit, der zum Waschen vor dem Schulgebäude diente. Doch Farbe, Schaum, Lippenstift und Papier gaben eine Mischung, die sich nicht leicht entfernen ließ. Und in die Turnhalle wollte Knoll die Jugendlichen so auf keinen Fall lassen. Auch der Aufenthalt in einigen Bereichen des Schulgebäudes war gefährlich, denn Rasierschaum auf Fliesen ergibt eine sehr rutschige Oberfläche.

Mit vereinten Kräften wurde versucht, den gröbsten Schmutz zu beseitigen, zumindest die gefährlichen Stellen zu neutralisieren. Für die Jugendlichen selbst wurde ein Extra-Klassenraum geöffnet, in dem sie bereits am Sonntag zusammengesessen hatten.

Ein Großteil des Schulreinigungspersonals konnte nach telefonischer Anfrage seinen Dienst wesentlich früher als üblich beginnen, so dass die Lehrer Unterstützung erhielten. Glück allerdings, die weißen Tapeten in den Schulfluren sind nicht bemalt worden.

Einen Abschlussstreich mit Rasierschaum und Konfetti hält auch Schulleiter Stefan Knoll für „normal“, doch das ging seiner Einschätzung nach schon über das Übliche hinaus, zumal sich auch einige Schüler regelrecht im Dreck suhlten. Heute jedenfalls werden die Schüler der Grund- und Gemeinschaftsschule Mildstedt von dem Chaostag nichts mehr sehen, auch auf dem Schulgelände wurde der Müll zusammengetragen.

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