zur Navigation springen

Anlehnen statt Klemmen : Radler machen einen Bogen um Felgenkiller

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Noch zu viele der gefürchteten Vorderrad-Klemmen sind in Husum verbreitet. Interessenvertreter werben nun für die Umrüstung auf Anlehnbügel. Das Rathaus ist schon einmal mit gutem Beispiel voran gegangen.

von
erstellt am 29.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Unter Radfahrern sind sie verpönt – und werden tunlichst gemieden. Das in diesen Kreisen weit verbreitete Synonym „Felgenkiller“ kommt denn auch nicht von ungefähr: Vorderrad-Klemmen – so die offizielle Hersteller-Bezeichnung – gewährleisten nämlich zunächst einmal wenig Standsicherheit. Kräftigere Windböen, an der Westküste ja keine Seltenheit, haben vergleichsweise leichtes Spiel und lassen nebeneinander aufgereihte Räder schon mal wie Dominosteine umfallen.

Nicht der einzige Nachteil der „Felgenkiller“. Daran, so Barbara Ganter und Edith Wienhues von der Arbeitsgemeinschaft (AG) Innovative Verkehrskonzepte in einem Pressegespräch, ließen sich Räder nämlich auch „sehr schlecht bis gar nicht anschließen“. Dabei spielten die Option, es Dieben nicht gar zu einfach zu machen, und besagter Aspekt der Standhaftigkeit in Zeiten von zunehmend hochwertigeren Rädern eine immer bedeutendere Rolle. Überhaupt steht und fällt die Attraktivität des Verkehrsmittels Fahrrad mit den Abstellmöglichkeiten an Start- und Zielpunkt einer Fahrt.

Was das angeht, so lässt die Situation in der Stadt und im Gewerbegebiet Ost derzeit doch arg zu wünschen übrig. Das hat eine Fahrradtour gezeigt, die Ganter und Wienhues im vergangenen Sommer unternommen haben. Dabei wurden die Fahrradständer von großen Einzelhändlern mit ebensolchen Parkplätzen angesteuert und fotografiert – insgesamt 23 Standorte (zwölf davon im Industriegebiet). Ergebnis: 21 (elf) Betriebe halten für ihre Rad fahrenden Kunden „Felgenkiller“ vor, lediglich acht (drei) davon sind überdacht. Mit Anlehnbügeln, der von Nutzern dieser Art von Verkehrsmitteln bevorzugten Alternative, können lediglich der Sky-Lebensmittelmarkt in der Bredstedter Straße und der mittlerweile leer stehende Max-Bahr-Baumarkt im Osten der Stadt dienen.

Ganter, Wienhues und ihre AG-Mitstreiterin Stephanie Mayer haben das Resultat der Erhebung, die Bestandteil des 2010 aufgelegten Radverkehrs-Konzeptes ist, jüngst in einer Vorstands-Sitzung der Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Ost (IGO) vorgestellt. „Dabei haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Bereitschaft zum Umdenken durchaus vorhanden ist“, sagt Ganter. Den Einzelhändlern wurde ans Herz gelegt, bei Neuanschaffungen auf Anlehnbügel oder andere geeignete Modelle zurückzugreifen, vorhandene Vorderrad-Klemmen mittelfristig zu ersetzen und bei Planungen die Möglichkeit der Überdachung zu prüfen.

„Die Stadt hat das Problem längst erkannt und macht es vor“, stellen Ganter und Wienhues anerkennend fest. Als beispielhafte Standorte, an denen der Umstieg von „Felgenkillern“ auf Anlehnbügel bereits vollzogen wurde, nennen sie das Rathaus, die Postfiliale in der Großstraße und die Schiffbrücke. Auch an so mancher Schule habe es schon einen entsprechenden Austausch gegeben.

Für die schrittweise Umsetzung des Radverkehrskonzeptes, die von der AG aktiv begleitet wird, stehen im städtischen Haushalt jährlich 30 000 Euro zur Verfügung. Eine Summe, die nicht gerade viel Handlungsspielraum lässt. „Man muss einen langen Atem haben und ständig am Ball bleiben“, sagen Ganter und Wienhues. Und machen dabei nicht den Eindruck, dass sie sich dabei vom Weg abbringen lassen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen