Langenhorn : Radfahrer haben keine Vorfahrt mehr

Der Bürgersteig ist künftig vornehmlich für die Fußgänger da. Die Beschilderung wurde jetzt entsprechend geändert.  Foto: Stephan Bülck
Der Bürgersteig ist künftig vornehmlich für die Fußgänger da. Die Beschilderung wurde jetzt entsprechend geändert. Foto: Stephan Bülck

Wer in Langenhorn künftig mit seinem Drahtesel auf dem Bürgersteig unterwegs ist, muss auf seine Vorfahrts-Rechte verzichten. Rechtlich gesehen ist der Radfahrer nämlich dort ein Fußgänger.

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31. August 2008, 07:31 Uhr

Langenhorn | Bürgermeister Horst Petersen wunderte sich zunächst nur und dann staunte er: In Langenhorn veränderte die Straßenmeisterei Bredstedt am Freitagmorgen die Beschilderung des Rad-Fußwegs. In Zukunft gibt es hier nur noch den Bürgersteig, den Radfahrer allerdings mitbenutzen dürfen. "Damit verändert sich die Rechtslage", sagt Petersen und macht sich Sorgen um die Schul anfänger und um alle seine Bürger, die diese Veränderung vielleicht übersehen könnten.
Mehr Sicherheit für Radfahrer
"Die Rechtslage ändert sich keineswegs", klärt dagegen Polizeihauptkommissar Gerd Weber auf, "wir haben nur die Beschilderung der bestehenden Rechtslage angepasst." Diese besagt, dass ein kombinierter Rad-Fußweg mindestens drei Meter breit sein muss. Seiner Meinung nach wird die Sicherheit der Radfahrer dadurch eher erhöht. Denn nun dürfen sie die Straße benutzen, dass heißt, dass ihre Position im Straßenverkehr eindeutiger ist. "Viele Radfahrer, die ein bisschen schneller unterwegs sind, wollen sowieso lieber auf der Straße fahren." Außerdem, so hofft er, hört dann das gefährliche Gegenverkehrverhalten der Radfahrer auf dem Fußweg auf: Immer wieder komme es zu Unfällen, wenn sie auf der falschen Seite unterwegs sind und dann von den Autofahrern übersehen werden.

Der Pressesprecher des Kreises Nordfriesland, Hans-Martin Slopianka, bestätigt dies: "Die Straßenverkehrsordnung geht davon aus, dass Radfahrer auf den Straßen besser aufgehoben sind." Bei einer Regelung, wie sie jetzt in Langenhorn angeboten wird, können die Radler selbst entscheiden, wo sie fahren möchten.
"Wer steht, lebt länger."
Nach der neuen Beschilderung sind die Radfahrer auf dem Fußweg Gäste, sie haben Rücksicht zu nehmen, nicht nur auf die Fußgänger, sondern auch auf den einmündenden Verkehr. Mehr noch: Sie sind rechtlich sogar Fußgänger. Entsprechend gibt es für sie auch keinen Vorfahrts anspruch mehr: Sie müssen warten, bis die Straße frei ist. Die Rücksicht gebietet ihnen Schrittgeschwindigkeit. "Als Fußgänger muss man grundsätzlich die Augen offen halten", mahnt Weber. Es handelt sich bei der Neubeschilderung um eine kreisweite Veränderung, die in diesem Fall in Zusammenarbeit mit der Straßenmeisterei Bredstedt besprochen und vollzogen wurde, die den Landes betrieb für Straßenbau und Verkehr vertritt. Den Schulanfängern rät er: "Wer steht, lebt länger." Die Kleinen müssen darauf achten, Sichtkontakt zu den Autofahrern herzustellen, bevor sie einen Weg überqueren.
"Damit hat der Bürgermeister nichts zu tun."
Bürgermeister Horst Petersen geht es um die Sicherheit seiner Bürger. "Wenn auf einmal ein Schild verändert wird, das merkt man doch so schnell gar nicht", sagt er. Er wäre als Bürgermeister gerne von dieser Veränderung informiert worden. Aber da sind die Aussagen Webers eindeutig: "Es ist eine Landesstraße, damit hat der Bürgermeister gar nichts zu tun." Es handele sich ja hier um keinen Sonderfall, sondern um eine Standard-Verkehrsmaßnahme. "Der Bürger sieht das ja, wenn da ein anderes Schild steht." Der Kreis dagegen lenkte ein: "Normalerweise sind die Bürgermeister zu den Verkehrsschauen eingeladen, bei denen solche Fragen entschieden werden ", sagt Slopianka. "Das ist hier versehentlich nicht passiert."

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