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Husumer Nachrichten

22. September 2017 | 19:13 Uhr

Friedrichstadt : Raddampfer für den Alten Hafen

vom

Bislang hat der Raddampfer "Diessen" den Ammersee befahren, schon bald wird er die Eider durchpflügen. Das Schiff soll im Sommer nach Tönning fahren, im Winter als Kneipe dienen.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2009 | 07:58 Uhr

Friedrichstadt | Noch sind die letzten Bestimmungen für das Konjunkturpaket II der Bundesregierung nicht gänzlich festgezurrt, aber es sieht so aus, dass auch die touristische Infrastruktur davon profitieren könnte. Und da Friedrichstadt hauptsächlich von Tagesgästen abhängig ist, haben Bürgermeister Peter Hofmann und der Fremdenverkehrsverein für Friedrichstadt und Umgebung Kontakt mit der Bayerischen Seenschifffahrt GmbH aufgenommen. Der Grund: Die Gesellschaft gehört der bayerischen Staatsregierung, und diese benötigt Kapital, um die Finanzen der maroden Landesbank zu ordnen.

Daher verkauft sie gegenwärtig viel "Tafelsilber". Unter anderem stehen auch einige historische Dampfschiffe auf der Transferliste. Friedrichstadt interessiert sich besonders für den Raddampfer "Diessen", der gegenwärtig noch seine Runden auf dem Ammersee bei München zieht. Marcus Weisbecker, Prokurist der Seenschifffahrt GmbH, bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass für die "Diessen" ein sehr attraktives Angebot aus Norddeutschland vorliegt. Er betont, dass seine Gesellschaft durch den Verkauf nicht nur Kapital einnehme, welches zwar an die Staatsregierung abgeführt werden müsse, sondern auch die Betriebskosten generell erheblich gesenkt werden könnten.
Blickfang in der Stadt

Einen Liegeplatz für den immerhin 49,80 Meter langen Raddampfer hat die Stadt Friedrichstadt bereits, der Alte Hafen. Dort soll aus Mitteln des Konjunkturprogramms die historische Hafenmauer saniert werden, was bereits seit Jahren auf der Wunschliste steht. Mit Schiff und Hafenanlage hätte die Stadt nach Überzeugung des Bürgermeisters nicht nur einen echten Hingucker für die Tagesgäste, der 400 Fahrgäste fassende Dampfer würde sich auch als Versammlungslokal mit ganz besonderem maritimen Flair eignen. Trotz seiner Breite von 12,80 Metern dürfte es im Einfahrtbereich des Sportboothafens keine Probleme geben, denn das Schiff hat einen Tiefgang von lediglich 1,35 Metern. Daher kann es auch unmittelbar an der Kaimauer vertäut werden.

Der Raddampfer "Diessen" wurde 1908 in Dienst gestellt. Gebaut wurde er bei der Münchner Firma J. A. Maffei und kostete damals 129.000 Reichsmark. Das Schiff hat seit der Indienststellung eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Es sollte nach der Übernahme der Schifffahrt durch den bayerischen Staat im Jahr 1906 diese wieder rentabler machen. Maffei hatte die Werftanlagen, den Schiffspark und alle Gebäude nach Ablauf seiner Konzession im Jahr 1906 für eine Ablösesumme von 110.000 Gulden an den Staat verkauft, weil die Schifffahrt offensichtlich nicht mehr gewinnbringend zu betreiben war.
Linienfahrten auf der Eider?

Der bayerische Staat übertrug die Betriebsführung für die Schifffahrt der königlich bayerischen Staatseisenbahn bzw. deren Rechtsnachfolgern. Ab 1959 betrieb die Schlösserverwaltung München die Schifffahrt. 1984 wurde sie mit den Schifffahrten Königssee, Tegernsee und Starnberger See im Staatsbetrieb "Staatliche Seenschifffahrt" zusammengefasst. Seit 1. Januar 1997 ist die Schifffahrt Ammersee ein Betriebsteil der neugegründeten Bayerischen Seenschifffahrt GmbH. In der Winterpause 1974/75 wurde die alte Dampfmaschine der "Diessen" aus wirtschaftlichen Gründen durch einen dieselhydraulischen Antrieb ersetzt. Nach Abschluss der Generalsanierung nahm der Raddampfer am 3. Juli 2006 wieder den Dienst auf.

Noch ist nicht entschieden, ob der Dampfer der immerhin rund 13 Knoten läuft, auch für Fahrten auf der Eider eingesetzt werden soll. Denkbar wäre nämlich auch ein sommerlicher Liniendienst nach Tönning, beziehungsweise nach Rendsburg. Vermutlich schon in der Sommersaison kann die "Diessen" ihren neuen Liegeplatz in Friedrichstadt beziehen, wenn die den die Arbeiten an der alten Hafenmauer rechtzeitig zum Abschluss kommen.

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