Prozess um Fahrrad-Diebstahl in Husum : Rad weg - wer saß im Sattel?

Nächste Instanz:

Avatar_shz von
15. Februar 2011, 12:12 Uhr

Husum | Ein hinsichtlich der Tatumstände recht ungewöhnlicher Diebstahl eines Fahrrades im Wert von 150 Euro wird trotz eines Urteils am Amtsgericht Husum die Justiz auch weiterhin beschäftigen: Unmittelbar nach dem Freispruch des Angeklagten kündigte der Staatsanwalt Berufung an.

Der 22 Jahre alte Angeklagte aus dem Kreis Nordfriesland war seiner Aussage zufolge im Juni vergangenen Jahres wie an jedem Werktag mit seinem eigenen Fahrrad von zu Hause aus zur Arbeit und abends mit diesem Rad zurück nach Hause gefahren. Unstrittig war zudem, dass einem 49 Jahre alten Malermeister, der im selben Haus wie der Angeklagte wohnt, am Tattag sein Fahrrad gestohlen worden war - bis heute blieb es verschwunden.
Im Zweifel für den Angeklagten

Unklar blieb allerdings auch nach dem Gerichtsverfahren, wer der Dieb war: Der Malermeister sagte aus, er sei am Tattag frühmorgens durch laute Musik aus der Wohnung des Angeklagten aufgewacht, sei aufgestanden und habe von seinem Fenster aus in nur zwei, drei Meter Entfernung zweifelsfrei den Angeklagten mit seinem - des Malermeisters - Rad davonfahren sehen. Auf Nachfrage des Staatsanwaltes wäre er sogar bereit gewesen, diese Aussage zu beeiden. Der Angeklagte dagegen bestritt den Tatvorwurf und verwies auf eine abendliche Veranstaltung in einem gegenüberliegenden Restaurant. Möglicherweise habe einer der Restaurant-Gäste am frühen Morgen das Rad entwendet. Selbst als der Staatsanwalt signalisierte, das Verfahren sei "vom Tisch", wenn der Angeklagte dem Malermeister die 150 Euro für dessen Fahrrad erstatte, blieb der Angeklagte bei seiner Version: Da er das Fahrrad nicht gestohlen habe, könne er eine solche Tat auch nicht zugeben.

Gemäß des Rechtsgrundsatzes "Im Zweifel für den Angeklagten" sprach die Richterin den Angeklagten frei, betonte allerdings ausdrücklich, damit zweifle sie nicht die Glaubwürdigkeit des bestohlenen Malermeisters an, der sich jedoch frühmorgens, durch Lärm aus dem Schlaf gerissen, möglicherweise bezüglich der Person des Diebes geirrt haben könnte.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen