Landesweite Statistik : Rad-Unfälle: Nordfriesland auf Platz eins

Die Polizei ist über die Zunahme von Fahrradunfällen besorgt.
Die Polizei ist über die Zunahme von Fahrradunfällen besorgt.

25 Fahrrad-Unfälle: Damit landet der Kreis Nordfriesland in der landesweiten Negativ-Statistik für 2017 auf Platz eins.

shz.de von
18. Juni 2018, 14:00 Uhr

Im Kreis Nordfriesland passieren überdurchschnittlich viele Fahrradunfälle. Das geht aus der entsprechenden Statistik für 2017 hervor, die das Landespolizeiamt jetzt veröffentlicht hat. Danach nimmt der nördlichste Landkreis, was die Zahl der verunglückten Radfahrer pro 10.000 Einwohner angeht, den negativen Spitzenplatz in Schleswig-Holstein ein. Hinter Nordfriesland (25 Unfälle) liegen die Städte Lübeck (23), Neumünster (18), Pinneberg und Kiel (jeweils 17) sowie Flensburg (15).

Im Land zwischen den Meeren gibt es große Unterschiede in der Unfallstatistik. Vergleicht man die Zahl der Fahrradunfälle in den Kreisen und kreisfreien Städten im vergangenen Jahr, so überrascht es wenig, dass die eingangs genannten Städte weit oben auf dieser Negativ-Rangliste stehen. Denn die allermeisten Fahrrad-Unfälle ereignen sich nun einmal innerorts – also dort, wo viel dichter Verkehr herrscht.

Doch warum fällt da der Kreis Nordfriesland so aus der Reihe? Eine mögliche Erklärung: In der Region liegen beliebte Urlaubsziele, wie etwa die Insel Sylt. Wo viele Touristen mit dem Drahtesel unterwegs sind, können potenziell auch viele Radfahrer verunglücken. Auf Nachfrage von shz.de bestätigte ein Polizeisprecher diese Vermutung: „Die hohen Unfallzahlen in Nordfriesland lassen sich tatsächlich auf eine hohe Anzahl der Urlauber zurückführen, die mit ihren Rädern verunglücken.“

Die Tourist-Informationen in Bredstedt und Dagebüll konnten dies allerdings nicht bestätigen. „Uns liegen keine Beschwerden von Touristen vor, die im Urlaub mit dem Fahrrad verunglückt sind“, sagte eine Mitarbeiterin der Tourist-Information Bredstedt. Auch der Inhaber eines Fahrradgeschäftes und -verleihs in Husum erklärte auf Anfrage, ihm sei nicht aufgefallen, dass besonders Touristen kaputte Räder zurückbrächten: „Die Fahrräder, die wir reparieren, sind von Einheimischen, und die, die wir verleihen, kommen alle heil zurück“, berichtet der Geschäftsmann.

Anders sieht es auf Sylt aus: In der vergangenen Saison registrierten die Beamten des Polizeireviers Sylt bis Ende September 115 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern – das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent. Bei den meisten Radunfällen (44 Prozent) handelte es sich um sogenannte Alleinunfälle: Die Zahl der Stürze vom Rad ohne Fremdeinwirkung kletterte von 34 auf 49.

Am deutlichsten stieg jedoch die Häufigkeit von Unglücken mit E-Bikes. 2016 wurden fünf Unfälle mit den batteriebetriebenen Zweirädern registriert, in der Saison 2017 waren es schon 14. Oft stürzen die Radler am Bordstein – und durch die höhere Geschwindigkeit steigt auch das Verletzungsrisiko.

Die Sylter Polizei habe an Fahrrad-Vermieter appelliert, ihre Kunden ausreichend in die Bedienung der E-Bikes einzuweisen und ihnen Fahrradhelme zu empfehlen, berichtet der stellvertretende Revierleiter Jörg Franck. Eine Sekunde Unachtsamkeit auf dem schnellen E-Bike könne schlimme Folgen haben – bei einem Sturz zöge man sich schnell eine Handverletzung oder einen Schlüsselbeinbruch zu.

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