Figurentheater : Puppenspieler sind in der Stadt

Entfachte im Rittersaal des Schlosses ein puppenspielerisches Feuerwerk: Heike Klockmeier mit ihrer „Genoveva“-Inszenierung. Foto: uta
Entfachte im Rittersaal des Schlosses ein puppenspielerisches Feuerwerk: Heike Klockmeier mit ihrer „Genoveva“-Inszenierung. Foto: uta

Zum 25. Mal ist Husum in diesem Jahr Schauplatz der Pole-Poppenspäler-Tage. Für ihren "unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz" bekamen die Organisatoren zum Auftakt viel Lob.

Avatar_shz von
19. September 2008, 07:29 Uhr

Husum | Ja, so ändern sich die Zeiten. Es ist noch gar nicht lange her, da bestimmten Vorurteile das Figurentheater und jene, die es betrieben. Motto: "Nehmt die Wäsche von der Leine - Puppenspieler sind in der Stadt." Inzwischen ist die kleine Schwester des so genannten großen Theaters "nicht nur salonfähig geworden, sondern auch im Fernsehen zu sehen". Mit diesen Worten eröffnete Birgit Empen vom Arbeitskreis Pole Poppenspäler das 25. Internationale Figurentheater-Festival im Schloss vor Husum.

Zuvor hatte sich Gisela Sobeczko auf dem Weg zum Auftaktspiel erinnerungsvoll die Augen gerieben: "Weißt du noch, wie das hier vor 25 Jahren aussah", flüsterte die "Poppenspälerin der ersten Stunde" einer frühen Mitstreiterin zu. Ein Blick hinunter ins Foyer machte den Unterschied deutlich: Waren es damals einige wenige Puppenspiel-Enthusiasten, die in drei, vier "Festival"-Vorstellungen kamen, so reisen heute mehrere tausend Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet zum größten Figurentheater-Festival des Nordens an. Und das hat inzwischen nicht nur künstlerisch einen festen Platz im kulturellen Leben des Landes eingenommen, es ist ein echter Wirtschaftsfaktor geworden - auf ehrenamtlicher Basis.
Figurentheater ist in Husum Herzenssache

Diesen Punkt mochten Dieter Harrsen und Lothar Pletowski in ihren Grußworten denn auch gar nicht hoch genug bewerten. Für beide war es das Poppenspäler-Debüt. Doch Birgit Empen hatte den Landrat und Husums stellvertretenden Bürgermeister für alle Fälle gewarnt: "Sie werden Lust aufs Figurentheater bekommen. Und diese Lust wird Sie nicht mehr loslassen." Husum könne sich glücklich schätzen, dass die "unermüdliche Arbeit des Förderkreises uns Jahr für Jahr ein so hervorragendes Festival beschert", spielte Pletowski den Ball zurück. Und Harrsen verwies auf die offizielle Würdigung durch das Land, wonach sich die Poppenspäler-Tage "zu einem Festival auf internationalem Niveau entwickelt haben".

"Was mussten das für nette Leute sein, diese Puppenspieler", zitierte Pletowski schließlich aus jener Novelle Theodor Storms, die dem Ganzen vor einem Vierteljahrhundert seinen Namen gab. Das galt und gilt auch für die Organisatoren und das Publikum. Nicht nur Puppenspiel-Ikonen wie Neville Tranter oder Pavel Möller-Lück kommen immer wieder gern nach Husum, weil "Figurentheater hier noch eine echte Herzensangelegenheit ist".

Wie sehr sich das Genre inzwischen gewandelt hat, aber dass selbst ein unverbesserlicher Holzkopf wie Kasper noch lange nicht ausgespielt hat, das stellte eine grandios aufspielende Heike Klockmeier in ihrem lustvollen Rückblick auf 180 Jahre sächsisches Marionettentheater unter Beweis: "Heute, Genoveva". Ein packender Auftakt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen