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Innovative Pläne in Husum : Pumpen, Solarstrom und Fernwärme

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für das geplante Wohnquartier Hockensbüll basteln die Husumer Stadtwerke an einer zukunftsweisenden Energieversorgung, die auch die umliegenden Häuser mit einbezieht.

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erstellt am 23.Sep.2014 | 13:00 Uhr

Reichlich Energie stecken die Stadtwerke zurzeit in die Antwort auf die Frage, wie das Neubaugebiet Hockensbüll künftig versorgt werden soll. Die entsprechenden Pläne für die ehemalige Gewoba-Siedlung an der Schobüller Straße sind schon recht weit fortgeschritten. Das machten Stadtwerke-Geschäftsführer Benn Olaf Kretschmann, sein Geschäftskunden-Berater Bendix Thomsen und Peter Bielenberg von der mit der Konzeption beauftragten Planungsgemeinschaft IPP – EMN – wortmann-energie in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses deutlich. Dabei ging es im Rathaus nicht nur darum, die favorisierte technische Anbindung der noch entstehenden Gebäude darzulegen, sondern auch um die Möglichkeiten, die energetische Sanierung der Stadt in diesem Zuge über Neu- und Bestandsbauten von Hockensbüll auszudehnen.

„Wir haben den Radius größer gezogen“, sagte Kretschmann dazu: „Und das aus gutem Grund!“ Welcher das ist, erklärte Bielenberg dem unter Vorsitz von Ulf von Hielmcrone tagenden Gremium: „Nachdem wir die Anlagen und Verbrauchsdaten der bestehenden Häuser im Sanierungsgebiet ausgewertet und den prognostizierten Verbrauch der Neubauten analysiert hatten, haben wir uns die energetischen Umstände im weiteren Umfeld noch einmal genau angesehen.“ Ergebnis: Man habe dort eine Situation vorgefunden, in der sich eine umfassendere Lösung anbiete als zunächst angedacht – eine, die weit über Hockensbüll hinausgehe, so dass die Stadt und mehr Bewohner davon profitieren könnten.

Zunächst einmal sieht das Stadtwerke-Konzept vor, die Neubauten in besagtem Quartier mit Erdwärmepumpen auszustatten. Wo es die Dachausrichtung zulässt, sollen zusätzlich Solarstrom-Anlagen installiert werden. Der Strom dient vorrangig zum Betrieb der Wärmepumpe und sonstigem Eigenverbrauch. Die rund 50 Objekte werden im Niedrig-Energiehaus-Standard gebaut – sie benötigen kaum noch Heizenergie. Schon von daher schließe sich die Anbindung an ein Wärme- oder Erdgasnetz wirtschaftlich aus, hieß es. „Die Hausbesitzer sind dann energetisch so gut wie autark, die Energieversorgung ist klimaschonend und nachhaltig“, betonte Bielenberg.

Die Stadtwerke bieten die Wärmepumpe und Fotovoltaik-Anlage über ein sogenanntes Contracting-Verfahren an. Das heißt, die Hausbesitzer sparen sich die Investitionskosten für die Anlagen, bezahlen für die bezogene Wärme und den abgenommenen Strom. „Natürlich kann ein Hausbesitzer die Anlage auch kaufen, wenn ihm das lieber ist“, so Kretschmann. Zudem werden Stadt und Stadtwerke im Rahmen der Erschließung die Bohrungen für die Erdsonden der Wärmepumpen im Paket ausschreiben, um sicherzustellen, dass die Pumpen später einwandfrei und wirtschaftlich arbeiten. „Dadurch erreichen wir für die Bauherren höchste Qualität und niedrige Kosten“, so der Stadtwerke-Geschäftsführer.

Für die Bestandsbauten in Hockensbüll soll dagegen eine Fernwärme-Versorgung von der Schobüller Straße aus aufgebaut werden. Dort ist man in der „glücklichen Lage“ (Bielenberg), dass im Keller der Volkshochschule bereits ein nagelneues Blockheizkraftwerk steht, das auch noch weitere Gebäude mit versorgen könnte. Kretschmann: „Wir brauchen nur eine Wärmeleitung von der VHS ins Quartier zu legen und die Straßen mit Bestandsbauten für Fernwärme zu erschließen – und schon kann jeder, der sich anschließen lässt, von der umweltfreundlichen Wärme profitieren!“

Die drei Redner verdeutlichten den Reiz, den diese Idee habe: Das bestehende städtische Blockheizkraftwerk wäre noch besser ausgelastet und damit wirtschaftlicher zu betreiben; zudem könnten auf dem Weg nach Hockensbüll weitere Liegenschaften durch einen Fernwärme-Anschluss gewinnen – wie es hieß, haben die Stadtwerke und ihr Planungsbüro bereits einige dafür geeignete Objekte ausgemacht. Diese Lösung habe für alle Vorteile, so Kretschmann, Thomsen und Bielenberg: „Sie entlastet die Stadtkasse durch niedrigere Energiekosten für die VHS und bringt den Nutzern eine umweltschonende und effiziente Wärmeversorgung.“

Doch noch ist das Konzept Theorie, wird daran bis Mittwoch, 24. September, mit heißer Nadel gestrickt. Für diesen Tag nämlich haben die Stadtwerke Anwohner und Nachbarschaft zum zweiten Informationsabend eingeladen. Die Veranstaltung unter dem Motto „Neue Energie für Hockensbüll und angrenzende Gebäude“ findet im Tagungsraum „Altes E-Werk“ der Stadtwerke Husum, Am Binnenhafen 3, statt und beginnt um 19 Uhr.

„Ob das alles so funktioniert, wie wir uns das denken, hängt natürlich davon ab, ob sich Hausbesitzer und Bauherren im erforderlichen Rahmen beteiligen“, fasste Bielenberg zusammen. Auch seien die Berechnungen im Detail noch nicht abgeschlossen. Die Beteiligten machten jedenfalls klar, dass es keinen Mitmach-Zwang geben soll – weder für Neu- noch für Bestandsbauten. Kretschmanns Fazit: „Wir möchten für die Stadt und ihre Bürger ein Energiekonzept realisieren, das langfristig sicher, umweltschonend, wirklich effizient und für Verbraucher kostengünstig ist.“

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