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Öffentliche Toilette : Problem-Klo in Husum: Kein Geschäft mit dem Geschäft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Pächterin des frisch sanierten Toilettenhäuschens im Husumer Schlossgang wirft das Handtuch. Liegt’s an der Architektur des Häuschens?

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erstellt am 24.Feb.2017 | 10:00 Uhr

Husum | Das Toiletten-Häuschen im Husumer Schlossgang scheint ein Problem-Klo zu bleiben: Gerade mal drei Wochen hat die neue Pächterin versucht, mit dem frisch sanierten stillen Örtchen Geld zu verdienen – am Mittwoch schmiss sie hin. Schuld daran könnte die Architektur des Häuschens sein.

Zum ersten Februar hatte die Verwaltung das Toilettenhäuschen nach umfangreicher Sanierung – Kostenpunkt 200.000 Euro – wiedereröffnet. Zuvor hatte die Politik ausführlich darüber diskutiert, ob es im Schlossgang eine öffentliche Toilette geben und wie sie betrieben werden soll. Letztendlich entschied man sich für die durch eine Toilettenfrau betreute Variante – nur so sei die WC-Anlage ein „angstfreier Raum“ und bliebe sauber, lautete die Argumentation der Verwaltung.

Nun allerdings ist die Stadt wieder auf der Suche nach einem neuen Pächter. Warum sie diesen Job nach kurzer Zeit nicht mehr machen will, wollte die bisherige Pächterin gegenüber den Husumer Nachrichten nicht sagen. Ein Grund dafür könnte aber sein, dass sich die 50 Cent, die von jedem Klo-Gänger entrichtet werden sollen, nur schwer eintreiben lassen: Es fehlt ein gemeinsamer Vorraum für die Damen- und Herren-Sanitätsräume, in dem die Toilettenfrau Präsenz zeigen und ohne großen Aufwand das Geld sowohl von Männlein als auch Weiblein einsammeln kann. Stattdessen sind die WC-Bereiche durch eine Wand voneinander getrennt und haben jeweils eigene Eingänge (siehe Foto). Ein Pächter dieser Anlage müsste sich also entweder vor dem Häuschen im Schlossgang positionieren oder immer wieder vom Herren- in den Damenbereich sprinten, um alle Besucher abzupassen – beides nicht unbedingt praktisch.

Dass das frisch sanierte Klohäuschen aber eine Fehlkonstruktion sein könnte, davon will Christine Friedrichsen, Leiterin des Husumer Gebäudemanagements, nichts wissen. Das Häuschen habe bei der umfangreichen Sanierung diesen Winter nicht entsprechend umgebaut werden können, so Friedrichsen. Um an ihr Geld zu kommen, hätte die Pächterin Kassen an die Wände der Damen- und der Herrentoilette montieren können. Dazu sei es aber nicht mehr gekommen.

Und nun? Zunächst bleibt die Toilette offen und umsonst, eine Reinigungsfirma werde zwei bis drei Mal am Tag vorbei kommen, sagt Friedrichsen. Wenn sich ein neuer Pächter findet, kann er oder sie ihr Glück mit dem Toilettenhäuschen versuchen. Pacht zahlen muss er übrigens nicht, auch die Betriebskosten übernimmt die Stadt.

In der Stadtpolitik ist man über diese Entwicklung nicht gerade glücklich. „Hat man bei der so günstigen Sanierung also nicht bedacht, dass die Toilettenfrau die Möglichkeit haben muss, Geld zu verdienen?“, fragt SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Bauer ironisch. Er erwarte vom Gebäudemanagement Vorschläge, wie das Problem gelöst werden kann. Per Einbau eines Vorraums vielleicht? Nein, findet Bauer: „Ich bin kein Freund von Schildbürgerstreichen. Versuch und Irrtum ist in dieser Größenordnung nicht zu vermitteln.“ Und auch CDU-Fraktionschef Christian Czock ist ein wenig irritiert: „Ich hatte mich schon gewundert, dass jemand bereit war, das Toilettenhäuschen zu pachten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es wirtschaftlich zu betreiben ist.“

Beide Politiker schlagen vor, jetzt doch noch mal zu überlegen, ob man die Toiletten nicht so umbauen lassen kann, dass sich die Türen per Münzeinwurf öffnen lassen. Ärger könnte es dann nur wieder geben, wenn der Umbau während der Touristen-Saison erfolgt und das Örtchen so lange geschlossen wird.

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