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Die Gefahren von Facebook, Twitter und Co. : Privatsphäre oder Glashaus? Internet-Nutzung im Visier

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Welche Gefahren bergen Facebook, Twitter und Co.? Informatik-Experte Prof. Dr. Bernhard Thalheim sorgte in Husum als Gast der Universitätsgesellschaft für Aufklärung.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2013 | 18:00 Uhr

Eine Woche ohne Internet – für viele fast nicht mehr vorstellbar und schon gar nicht wünschenswert. Nicht wenige Nutzer kommen ohne die täglichen Mitteilungen über ihr Tun, das sie über Facebook, Twitter und Co. verbreiten, gar nicht mehr aus. Soziale Netzwerke gehören mittlerweile zum Leben wie Essen und Trinken. Doch überall im Netz lauern Gefahren. Und genau das war die Botschaft von Prof. Dr. Bernhard Thalheim vom Institut für Informatik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, der bei einer Veranstaltung der Sektion Husum der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft zum Thema referierte.

„Das Internet kennt keine Privatsphäre – hinter Begriffen wie Trojaner, Spyware, Scareware und Phishing verbergen sich Gefahren für persönliche Daten und für Ihr Geld“, mahnte er. „Blogs, Foren und Wikis ermöglichen nicht nur den eigenen leichtfertigen Umgang mit persönlichen Daten und denen anderer, sondern machen es auch möglich, dass heute jedermann im Internet veröffentlichen kann, was er möchte.“

Facebook zum Beispiel, so führte er weiter aus, sei nicht nur der gute Freund seiner Nutzer, sondern erziele drei Viertel der Einkünfte durch Weitergabe von Daten und nicht – wie immer behauptet – nur durch Reklame. „Sie schreiben doch auch nicht Ihr Tagebuch und hängen es dann öffentlich aus“, sagte Thalheim. „Und eben so sollte auch der Umgang mit Facebook sein.“ Facebook sei sozusagen der Freund der Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung): „Ziel des Projektes ist die Analyse und Erforschung von Daten aus dem Netz. Schwerpunkte sind dabei einerseits die Prüfung der Eingaben von Benutzern oder externer Datenquellen und andererseits die Technologien zur Gewinnung von Daten.“ Bereits heute würden über das World Wide Web erfolgreich Daten gewonnen, beispielsweise bei Insolvenzverfahren und Informationen aus dem Handelsregister. „Hier geht es um immer neue Verfahren zur effizienten und effektiven Ähnlichkeitssuche in strukturierten Daten.“

„Und wer entscheidet in Deutschland über das Internet?“, fragte Thalheim die Zuhörerschaft provokant, um die Antwort gleich selbst zu liefern. „Die Entscheider in Deutschland zum Thema Internet sind vorwiegend männlich, zwischen 40 und 59 Jahre alt und formal sehr gut gebildet – Top-Entscheider und Top-Verdiener. Die Spanne reicht von Menschen, die wenig besorgt um Datenschutz und Datensicherheit sind bis hin zu solchen, die sich für das Thema stark sensibilisiert zeigen.“ Dann zitierte er Innenminister Hans-Peter Friedrich in einem Interview, der dort gesagt hatte: „Ich habe drei Handys. Zwei davon sind vollständig abgeschirmt und verschlüsselt und eines ist exklusiv für das Internet.“ Und ans Publikum gewandt fragte Thalheim spöttisch: „Warum haben Sie wohl Gardinen vor den Fenstern – oder warum schicken Sie eigentlich Briefe, Postkarten kann man doch auch beschriften?“

Zum Thema Cookies (Kleine Textdateien, die Daten über besuchte Seiten im Internet ohne Aufforderung speichern), sagte Thalheim: „Haben Sie auch schon mal erstaunt festgestellt, dass nach Erledigung etwa einer Flugbuchung plötzlich viele Webseiten mit spezifischen Informationen über Hotels oder Sehenswürdigkeiten am Zielort auf dem Schirm sind?“, sensibilisierte er die Zuhörer.

Das Publikum konnte am Ende des Vortrags Fragen stellen – und dabei ging es natürlich auch um die Sicherheit des Online-Bankings. Hier konnte Thalheim nur abwinken: „Auf diesem Gebiet gibt es keine Sicherheit.“

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