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Handwerksbetriebe ausgezeichnet : Premiere mit Luft nach oben

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf der Obermeisterversammlung der Kreishandwerkerschaften in Husum wurden erstmals besondere Auszeichnungen für Ausbildungsbetriebe vergeben.

Es war eine Premiere. Zum ersten Mal verliehen die beiden Kreishandwerkerschaften in Nordfriesland die Auszeichnung „Starker Ausbildungsbetrieb im Handwerk“ – oder vielmehr bedachten die vier Volks- und Raffeisenbanken der Region sechs Handwerksbetriebe mit diesem Ausbildungspreis in Form einer Urkunde und eines Geldpräsents. Der feierliche Akt bildete den Höhepunkt der Obermeisterversammlung der Kreishandwerkerschaften Nord und Süd – neben dem Vortrag des bekannten Volkswirts Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen.

Sechs Arbeitgeber zeichnete Ocke Rickertsen im Nordsee-Congress-Centrum (NCC) in Husum aus – und es hätten gern noch ein paar Betriebe mehr sein dürfen, wenn es nach dem Bereichsleiter der Husumer Volksbank gegangen wäre.

Rolf Hansen tat die geringe Beteiligung als „Anlauflähmung“ ab. Der Kreishandwerksmeister gab dennoch ebenfalls unumwunden zu, dass er sich mehr Bewerber gewünscht hätte, zumal es zahlreiche Betriebe in Nordfriesland geben würde, die sich diese Auszeichnung verdienen könnten. Volksbank-Mitarbeiter Rickertsen bezeichnete die Handwerker als „starke Partner“. Beide hätten einen gemeinsamen Nenner: die Region. „Und wir wissen, dass es hier ein enormes Potenzial gibt“, betonte Rickertsen. Gerade mit Blick um das Werben um Lehrlinge, würde es den Ausbildungsbetrieben gut zu Gesicht stehen, mit der Auszeichnung „Starker Ausbildungsbetrieb im Handwerk“ werben zu können. Das Preisgeld, das die Volksbanken aus Husum, Niebüll, Sylt, Amrum und Föhr auch im nächsten Jahr wieder ausloben werden, wird für teamfördernde Maßnahmen in den Handwerksbetrieben verwendet werden. Das Besondere: Betrieb und Auszubildender bewerben sich gemeinsam um den Preis. Entscheidende Faktoren sind die Unternehmenskultur, Gesundheitsförderung, die Arbeitszeiten, Umweltaspekte, Teamförderung und Zukunftsperspektiven in den Unternehmen. In der Jury sitzen neben Vertretern der Volksbanken auch die Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaften, zwei Kreishandwerksmeister sowie Vertreter der Beruflichen Schulen des Kreises in Niebüll und Husum.

Doch nicht nur auf den neuen Ausbildungspreis sind die Kreishandwerkerschaften stolz. Im ersten Quartal des kommenden Jahres soll die Internetseite www.handwerk-nordfriesland.de online gehen – ein neues Portal, auf das „Nordfriesland gespannt sein darf“, versprach Christian Hagen, der das Projekt vorstellte. Er bezeichnet das Vorhaben als „großen Schritt in die Zukunft“ und verglich es mit einer großen Bühne auf der sich das Handwerk mit seinen zahlreichen Partnern präsentieren werde. Dort würden sich nicht nur Betriebe vorstellen, sondern könnten sich Verbraucher und künftige Auszubildende über das gesamte Handwerksspektrum informieren. Derzeit sind schon mehr als 100 Themenseiten erstellt worden, die fachliche Informationen liefern, aber auch den direkten Weg zu den Innungsbetrieben weisen. „Das ist eine wichtige Geschichte für uns“, betonte Rolf Hansen. Er freute sich über die enorme Resonanz auf das Projekt.

Interessant und gleichwohl unterhaltsam präsentierte Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen in schon gewohnter Weise ein Potpourri aus den Bereichen Demografie, Wirtschaft und Soziales. Erfreuliche Prognosen skizzierte der Direktor des Instituts für Finanzwirtschaft und Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Bezug auf die Nachfrage an Handwerksleistungen. „Die Zahl der Auftraggeber wird in den nächsten 50 Jahren nicht abnehmen“, versichte der gebürtige Niebüller. „Der Haushaltsvorstand wird älter und weiblicher“, beschrieb er den demografischen Wandel in Nordfriesland. „Es wird einen positiven Nachfrageimpuls geben“, prophezeite der 57-Jährige und forderte die Anwesenden auf, nicht immer Angst zu schüren. Pessimismus würde an die nachfolgenden Generationen unbewusst weitergegeben, bedauerte Raffelhüschen und spann den Bogen zur Wirtschaft, deren positiver Konjunkturverlauf „erstaunlich lang“ sei.

Hart ins Gericht ging er mit der Bundespolitik. Der Wirtschaftsexperte, dessen Vorträge im Rahmen der Obermeisterversammlungen schon Tradition haben, dröselte in bemerkenswerter Weise die „schwarze Null“ auf, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für den Bundesetat für 2015 vorgerechnet hatte. Als „Trickser-Verein“ und „Schuldenversteckungskabinett“ bezeichnete er die Berliner Koalition. Harte Worte und Titel – für die die zahlreichen Gäste im NCC am Ende der Ausführungen des Wirtschaftsexperten aber mehr als nur Verständnis zeigten.

Ausbildungspreis 2014: Den Preis „Starker Ausbildungsbetrieb im Handwerk“ nahmen folgende Betriebe entgegen: Kategorie 1 (bis zu drei Auszubildende): 1. Preis (500 Euro): Malerei Christophersen aus Ladelund; Kategorie 2 (vier bis sechs Azubis): 1. Preis: Tischlerei Fritz Martensen aus Breklum, 2. Preis (300 Euro): Klaus + Co. aus Niebüll. Kategorie 3 (mehr als sechs Azubis): 1. Preis: Niebüller Backstube, 2. Preis: Nord-Ostsee-Automobile aus Husum, 3. Preis (200 Euro): CP-Andresen aus Niebüll.

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erstellt am 29.Nov.2014 | 09:00 Uhr

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