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Leser-Aktion in Husum : Praktische Polizeiarbeit hautnah

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Unter dem Motto “Ihre Zeitung öffnet Türen“ bekam eine Lesergruppe der Husumer Nachrichten in der Polizeistation seltene Einblicke – von der Spurensicherung bis hin zur Gewahrsamszelle.

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erstellt am 10.Aug.2017 | 13:00 Uhr

Manchmal entfalten kleine Gruppen umso größere Wirkung. Ob’s an der „frühen Stunde“ lag? Tatsächlich kamen gestern nur fünf Personen in die Polizeistation Husum, um sich dort um die Mittagszeit unter anderem in die Kunst der Spurensicherung einführen zu lassen. Aber dafür fragten Brunhild Lenz, Petra Spangenberg, Irmela Mukurarinda, Ingrid Schacht und Manfred Paschke dem Leiter der Kriminalpolizeistelle Husum, Sven Knies, Spurensicherungskraft Marina Hansen und Polizeihauptmeisterin Levke Hansen sprichwörtlich Löcher in den Bauch. Solche hautnahen Einblicke in die praktische Polizeiarbeit bekommt man schließlich nicht alle Tage.

Zwei Mitglieder der kleinen, aber feinen HN-Besuchergruppe hatten sich übrigens ganz bewusst gerade für diesen Blick hinter die Kulissen entschieden. Ingrid Schacht ist Stadtführerin und plant einen etwas anderen Stadtrundgang, der die dunklen Seiten Husums erhellen soll. Arbeitstitel: „Tatort Husum“. Und Irmela Mukurarinda berichtete, dass sie in ihrer Zeit als Pastorin in Berlin-Kreuzberg einen gewissen Teil der Gemeinde immer mal wieder im Knast habe besuchen müssen. Außerdem schreibe sie. Da seien Informationen aus erster Hand immer gut. Brunhild Lenz’ Beweggründe, dabei zu sein, waren profanerer: Bei der Polizei sei sie schon gewesen, erklärte Lenz, „aber bis in die Ausnüchterungszelle habe ich es noch nicht geschafft“. Auch ihr konnte gestern geholfen werden.

Doch zunächst zeigte Marina Hansen den Besuchern – am lebenden Objekt –, wie Fingerabdrücke genommen werden. Die kamen hinterher natürlich nicht in die Kartei, sondern durften mit nach Hause genommen werden. Während Hansen der Gästegruppe weitere Einblicke in ihre tägliche Arbeit gewährte, spannte Knies einen Bogen von den Anfängen der Spurensicherung bis hin zu aktuellen technischen Errungenschaften wie einem digitalen Scanner, mit dem Daten noch schneller erfasst und abgeglichen werden können. Und ja, es stimmt, nahm er die Frage eines Gastes auf: Kein Fingerabdruck gleiche dem anderen – „nicht einmal bei eineiigen Zwillingen“.

Marina Hansen würzte ihren informativen Vortrag unter anderem mit dem Hinweis, dass sie kürzlich zum Bereitschaftsdienst nach Sylt gemusst hätte: „Da bin ich mit all meinen Koffern hingefahren und mit einem Hexenschuss zurückgekommen.“ Polizei zum Anfassen, aber bitte nicht am Rücken. „Früher“, kam Knies auf eine weitere Verbesserung der technischen Ausstattung zu sprechen, „haben wir Fingerabdrücke noch mit Druckerschwärze genommen. Da hatten die Betroffenen einige Tage gut von – und wir auch.“ Ob auf lange Sicht geplant sei, alle Bürger erkennungsdienstlich zu erfassen, wollte Irmela Mukurarinda wissen. Nein, da sprächen schon datenschutzrechtliche Aspekte dagegen, antwortete Knies. Aufschlussreich auch die Detail-Information, dass bei DNA-Untersuchungen nur jener Teil der menschlichen Erbinformation gesichtet und analysiert werde, der für das mutmaßliche Delikt von Bedeutung sei.

Und dann kam sie doch, die unvermeidliche Frage nach der Asservatenkammer. „Ja, so etwas haben wir“, sagte Knies, „aber erstens darf da nicht einmal jeder Polizist rein, und zum anderen müssen wir sicherstellen, dass nichts weg kommt und keine Spuren übertragen werden.“

Viel Raum nahm die Debatte ein, wie weit Behörden gehen dürften, um Verbrechen zu verhindern oder noch effektiver zu bekämpfen. Knifflich, waren sich Polizisten und Bürger einig. Es sei schlimm, eine Tat nicht aufzuklären, aber noch schlimmer, den Falschen zu verdächtigen. Danach ging es ins Untergeschoss der Polizeistation – zu den Gewahrsamszellen. „Wenn Sie keiner ärztlichen Untersuchung bedürfen und nicht randalieren, kommen hier in acht Stunden schon mal ,Übernachtungskosten‘ von 800 Euro zusammen“, berichtete Levke Hansen und erläuterte den Anwesenden, was passieren muss, „bevor hier überhaupt jemand reinkommt.“ Das reicht für eine eigene Geschichte, waren sich die Gäste einig und ließen sich abschließend zeigen, was Polizisten alles so am Gurt und auf den Schultern tragen – bis hin zur Schutzweste. „Wir dürfen nicht aufhören zu meckern“, sprach die 36-jährige Ordnungshüterin auch Problemthemen an, aber: „Polizistin zu sein ist mein Traumberuf“. Die Gäste glaubten es ihr aufs Wort.

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