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Mögliche Übernahme auf Nordstrand : Potenzieller Käufer für Kinderheim

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wahl-Nordstrander steht einer Übernahme der bedrohten Einrichtung aufgeschlossen gegenüber. Das Erzbistum Hamburg ist laut Pressesprecher zu Verhandlungen bereit.

Noch scheint das sprichwörtliche Kind nicht in den Brunnen gefallen zu sein. Hinweise hatten sich verdichtet, dass es einen potenziellen Käufer für das Kinderhaus St. Franziskus auf Nordstrand gäbe, das wohl im Herbst abgerissen werden soll. Das Erzbistum Hamburg hatte als Eigentümer seinerzeit bestätigt, dass 1,7 Millionen Euro in die Sanierung investiert werden müssten. Allerdings gestaltet sich der Verkauf zunehmend schwieriger, weil sich die Kosten für die Sanierung laut Wirtschaftsprüfer der Caritas Schleswig-Holstein erhöhen würden. Bislang gab es gegenüber unserer Zeitung jedoch keine Bestätigung von der Caritas, die Trägerin der Einrichtung ist. Der stellvertretende Pressesprecher des Erzbistum Hamburg, Marco Chwalek, erklärte am Dienstag, 3. Februar, gegenüber unserer Zeitung, dass sich der Interessent auch ans Erzbistum wenden müsse. „Das Erzbistum ist Eigentümer und mit uns hat noch niemand gesprochen“, signalisierte Marco Chwalek durchaus Verhandlungsbereitschaft.

Sollte es zu keinen Mehrkosten kommen, bestätigte der Allgemeinarzt und Arbeitsmediziner Dr. Uwe Krüger gegenüber unserer Zeitung, stehe er nach bereits bankseitig bewilligtem Finanzierungsmodell bereit. An ihn sei der Wunsch der Heimleitung einer Übernahme und Sanierung des Kinderheimes herangetragen worden, der er unverändert aufgeschlossen gegenübersteht. Dr. Krüger fühle sich dem Heim als betreuender Arzt seit nunmehr 16 Jahren verbunden und möchte den Kindern, Müttern sowie Mitarbeitern sowohl ihr zu Hause als auch ihre Arbeitsstelle erhalten. „Dafür ist jedoch gemäß der mir auferlegten Kreditbedingungen eine vertraglich abgesicherte langjährige Bindungsbereitschaft seitens des Trägers erforderlich“, betont der seit 1999 auf der Halbinsel praktizierende Arzt, der laut eigenem Vernehmen seit jeher ein gutes Verhältnis zu den Heimkindern hat.

Der Vater von drei Söhnen ist mit der Gebäudesanierung auf Nordstrand bereits vertraut. 2006 kaufte der Wahl-Nordstrander ein Grundstück mit einem völlig maroden Gebäude im Pohnshalligkoog. Der heute 52-Jährige ließ dort das Haus 2007 sanieren. Daraus entstand dann die Seniorenwohnanlage „Nordlicht“.

Sollte es tatsächlich zu Mehrkosten kommen, signalisierte auf Nachfrage die Wirtschaftsförderung Nordfriesland Gesprächsbereitschaft. Auch Nordstrands Bürgermeister Werner-Peter Paulsen bereitet ein Treffen mit dem Kreis Nordfriesland und dem Land Schleswig-Holstein vor. „Der Landrat und der Weihbischof haben mir im Januar ein Gespräch angeboten, um zu beraten, wie es mit dem Kinderheim weitergeht“, berichtet Paulsen, der sich übergangen fühlt und ohne Chance etwas zu verändern.

Der SPD-Kreisverband Nordfriesland hat zudem einen Brief an den gerade gewählten Erzbischoff Stefan Heße auf den Weg gebracht. In dem Schreiben macht Dieter Paulsen als Mitglied des Kreisvorstand deutlich, dass die geplante Schließung des Franziskus-Kinderheims auf Nordstrand im krassen Widerspruch zu den wiederholten Forderungen des Paptes Franziskus steht, allen Kindern dieser Welt ein glückliches Leben zu gewährleisten. „Was sind diese Aussagen wert, wenn an der katholischen Basis – wie auf Nordstrand – gegenüber schutzbedürftigen Kindern das Gegenteil praktiziert wird“, so Dieter Paulsen in dem Schreiben. Der Sozialdemokrat vermutet ökonomische Gründe. Denn gerade die Kinder des Franziskus-Kinderheims bedürfen aufgrund ihrer sozialen Hintergründe besonderer Fürsorge.

Im September 2007 kam die 16-jährige Nadine Steinberg in die Einrichtung. Sie war schwanger. Kurze Zeit später brachte die Dithmarscherin ihre Tochter Joanna Marie zur Welt. „Das Haus hat mir so gut getan“, berichtet die heute 23-Jährige, die damals die erste Mutter im Mutter-Kind-Haus war, dankbar. Bis 2009 war die Heiderin mit ihrer Tochter im Heim. „Ich konnte dort auf der Herrendeichschule meinen Hauptschulabschluss machen“, erklärt die Mutter, die derzeit eine Ausbildung in Heide macht. Sie hatte auf Nordstrand ihr Zuhause gefunden. „Das Heim muss bestehen bleiben“, sagt sie energisch. Sie hätte bereits beim Privatsender Sat.1 den sogenannten Notbutton der Sendung Akte 2015 gedrückt.

Zudem hat sie im Internet eine Seite auf Facebook installiert: Nordstrand braucht Hilfe. Die Heiderin hat zudem noch ein Spendenkonto eröffnet, damit die jetzigen Kinder auch künftig – wie sie damals – „tolle Zeiten“ dort verbringen können.

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erstellt am 04.Feb.2015 | 17:00 Uhr

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