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Auswirkungen in Husum : Post-Streik 2015: „Das ist für uns noch kein Drama“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Streik ist in vollem Gange. Wie betroffen sind einzelne Regionen in SH? So sieht es in Husum und dem Umland aus.

von
erstellt am 27.Jun.2015 | 19:00 Uhr

Husum | Verständnis für die seit dem 8. Juni Streikenden und Frust wegen nicht erhaltener Briefe und Pakete: Diese Stimmungslage begleitet von Kunden-Seite den Protest von Post-Beschäftigten in der Kreisstadt Nordfrieslands und dessen Umland.

Es gebe Tage, da gehe keine Briefpost ein, war bei der Husumer Firma Topf-Baubeschläge zu erfahren. Hingegen sei der Paketdienst bisher nicht eingeschränkt. Eine weitere Firma aus dem Gewerbegebiet hat schon vor einiger Zeit der Paketpost den Rücken gekehrt. „Wir lassen uns von einem privaten Unternehmen beliefern“, hieß es aus der Geschäftsstelle.

Das Nordfriesische Lammkontor in Husum nimmt den Streik gelassen. „Das ist für uns noch kein Drama“, versichert Inhaber Sönke Magnus Müller. Rechnungen würden zwar zum Teil verspätet ankommen. „Doch beim Versand von Lammprodukten arbeiten wir mit Kühlspeditionen zusammen.“

Schwieriger gestaltet sich die Situation in Anwaltskanzleien. „Wir bekommen merklich weniger Post“, sagt Anja Molzahn, eine Mitarbeiterin einer Kanzlei, auf Anfrage. Dies betreffe auch die Zustellung von Urteilen. „Daraus entstehen jedoch keine Rechtsnachteile“, stellt sie sofort klar. Und was Termin-Post angehe, so versende die Kanzlei diese per Fax.

In Husum scheint es mit der Brief- und Paketversorgung insgesamt noch besser zu funktionieren als in ländlicheren Orten, wie unsere Anrufe bei einer Reihe von Bürgern ergeben haben. So geht beispielsweise in Simonsberg und Mildstedt derzeit gar nichts mehr. Dort bleiben die Briefkästen schon seit mehr als einer Woche leer.

So wartet ein Mildstedter immer noch auf eine wichtige Bestellung für seinen bevorstehenden Schwedenurlaub. Aber er zeigt Verständnis für den Ausstand der Postmitarbeiter. „Ein Unternehmen, das im Jahr einen Milliardenumsatz macht und dann seine Mitarbeiter nicht anständig bezahlen möchte, dem müssen die Grenzen aufgezeigt werden.“

Und während Friedrichstadts Bürgermeister Eggert Vogt klagt, dass er zwar Postboten in der Stadt sehe, aber bereits seit drei Tagen keine Zustellung mehr bekommen hat, ist St. Peter-Ording deutlicher vom Streik betroffen. Ute Broders aus der Tourismuszentrale des Nordseebades erhält als Privatperson in der Gemeinde deutlich weniger Post als üblich. Problematisch allerdings sehe es im beruflichen Umfeld aus. Zahlreiche Urlaubsinteressenten würden sich telefonisch beklagen, dass sie keine Unterlagen erhalten hätten. Da nun die erste Reisewelle anrollt, befürchtet Broders zudem, dass viele Gäste ohne Schlüssel für ihre Unterkunft anreisen werden, da viele Vermieter diese per Post zustellen lassen.

In Bredstedt gibt es laut Auskunft eines Postboten 20 Touren für die Bediensteten, doch zehn Beamte sind nur noch im Einsatz. Dementsprechend liegt die Zustellung im Stadtgebiet nur noch bei rund 50 Prozent.

„Unser Arbeitgeber mauert.“ So beschreibt Jens Carstens die augenblickliche Situation in der Tarifauseinandersetzung zwischen Deutscher Post AG und Vereinter Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Deshalb wagt er auch keine Prognose, wann der unbefristete Protest zu Ende sein könnte. Der Verdi-Vertrauensmann betont auf Anfrage: „Alle würden lieber arbeiten gehen. Aber sie wissen, dass sie konsequent bleiben müssen, da sich sonst nichts ändert.“

Auch die Nordfriesen kämpfen für die Rückkehr von 6000 Paketzustellern in den Haustarif: Die Kolleginnen und Kollegen sind im April von der Post AG in 49 Regionalgesellschaften ausgegliedert worden, damit niedrigere Löhne gezahlt werden können. Von Seiten des Konzerns wird argumentiert, dass der Lohnkostenabstand zur Konkurrenz ausgeglichen werden muss. Carstens befürchtet, dass diese Politik eines Tages nicht nur den Paketdienst betreffen wird. Er und seine Mitstreiter freuen sich über Solidaritätsbekundungen von Postbeamten, die an ihrem freien Tag die Streikenden besucht haben.

In Nordfriesland sind etwa 100 Postler von den Standorten Westerland, Leck, Bredstedt und Husum „draußen“. Insgesamt gibt es rund 380 Mitarbeiter an der Westküste und in Schleswig-Holstein etwa 4100.

Inzwischen setzt die Post auf osteuropäische Leiharbeiter. Und dabei ist es nicht geblieben. Tagelang ist der Briefkasten leer, nicht einmal ein Päckchen kommt durch – da ist die Überraschung groß, wenn an einem Sonntag plötzlich fünf Pakete auf einen Streich geliefert werden. Der Bote aus dem Nachbarkreis Schleswig-Flensburg erklärt dem überraschten Kunden aus Mildstedt, dass er das für 40 Euro pro Stunde inklusive Sonntagszuschlag gern mache. Ob dadurch das generelle Arbeitsverbot für den Sonntag verletzt wird, konnte auf Anfrage im Kieler Sozialministerium nicht beantwortet werden. Die staatliche Arbeitsschutzbehörde prüfe den Sachverhalt und habe die Post um Stellungnahme gebeten, so Pressesprecher Christian Kohl.

Profiteur ist im Moment die Konkurrenz. „ Bei uns brummt es richtig“, so Martina Glienke von „Nordbrief“ aus Rendsburg. Von dort aus wird auch der nordfriesische Bereich versorgt. „Vor allem aus kleinen Dörfern mit landwirtschaftlichen Betrieben bekommen wir verstärkt Aufträge.“ Aber auch in Husum sei man öfter im Einsatz.

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