Standpunkt : Politik zum Weglaufen?

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26. Mai 2008, 09:46 Uhr

Es ging ein Raunen durch den Saal, als das Ergebnis des letzten noch offenen Husumer Wahlkreises bekannt gegeben wurde. Die CDU freute sich, weil sie im "Magisterhof" ihr zwölftes Direktmandat einfuhr. Und die Wählergemeinschaft, weil diesmal nicht die Sozialdemokraten, sondern sie in Schobüll den stärksten CDU-Gegner stellten.

Der eigentliche Grund zur Freude war aber ein anderer. Durch den Einsatz der Neuhusumer aus der ehemaligen Gemeinde schnellte die Wahlbeteiligung noch einmal um 1,5 Prozent nach oben und hätte um ein Haar die 40-Prozent-Marke überschritten. Und ohne die 59,3 Prozent aus der Husumer Bucht wäre der Notstand noch deutlicher geworden. Der Politik laufen die Wähler davon. Nicht allen Parteien gleichermaßen, doch die Gesamtzahl der Urnengänger ist weiter gesunken. Vor fünf Jahren hatten von 17 408 Wahlberechtigten noch 46 Prozent den Weg ins Wahllokal angetreten. Jetzt waren es - und das letztlich nur dank des Schobüller Endspurts - 39,8.

Ein Ende dieser Entwicklung ist ebenso wenig in Sicht wie eine stimmige Erklärung für die Wahlmüdigkeit der Bürger. Auf Bundesebene mögen die Wähler das ewige Gezänk zwischen Schwarz und Rot satt haben. Doch in der Kommunalpolitik zählen Sachthemen oft mehr als Programme. Diese Form des Unmuts dürfte somit ausscheiden. Gemeinsame Ziele sind für viele Wähler aber offenbar auch kein Anreiz, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Und nun? Zurück zur Tagesordnung - wie so oft? Bis wir eines Tages feststellen, dass aus dem zarten Pflänzchen der Demokratie ein öder Trockenstrauß geworden ist? Nein. Alle sind gefordert - Politiker und Wähler.

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