Eröffnung der Husumer Uni-Woche : Politik macht Hochschulen das Leben schwer

Illustre Bildungsgesellschaft  (von links): Prof. Dr. Lutz Kipp, Dr. Martin Skaruppe (Präsident der Universitätsgesellschaft Schleswig-Holstein), Karsten Rüsch (Vorsitzender Sektion Husum), Prof. Dr. Popkes, Dr. Helmut Edelmann (Vorstandsmitglied Sektion Husum) und Prof. Dr. Ludwig Steindorff (Experte für ost- und südosteuropäische Geschichte).
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Illustre Bildungsgesellschaft (von links): Prof. Dr. Lutz Kipp, Dr. Martin Skaruppe (Präsident der Universitätsgesellschaft Schleswig-Holstein), Karsten Rüsch (Vorsitzender Sektion Husum), Prof. Dr. Popkes, Dr. Helmut Edelmann (Vorstandsmitglied Sektion Husum) und Prof. Dr. Ludwig Steindorff (Experte für ost- und südosteuropäische Geschichte).

Bei der Eröffnung der 67. Husumer Universitätswoche zeigte sich der Präsident der Kieler Uni, Dr. Lutz Kipp, besorgt über die Entwicklung der Hochschullandschaft in Schleswig-Holstein.

shz.de von
12. Januar 2015, 12:00 Uhr

Die Woche der Wissenschaft zum „Anfassen“ hat in Husum bereits eine lange Tradition und deshalb verwunderte es nicht, dass auch gestern der Rittersaal im Schloss bis auf den letzten Platz gefüllt war. Dabei konnten sich die Besucher beim Auftakt zum breit angelegten Wissenschaftstransfer zwischen Hochschule und Öffentlichkeit wieder über die Entwicklung und Probleme der Hochschulen im Lande informieren lassen.

Verantwortlich dafür war der neue Präsident der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Professor Dr. Lutz Kipp. Er zeigte sich besorgt über die Situation nicht nur seiner Hochschule, sondern auch der gesamten Hochschullandschaft in Schleswig-Holstein. Dabei stellte Kipp fest, dass es die Politik den Hochschulen durch das bundesweite Konkurrenzverfahren des Rankings schwer mache. Bei diesem Verfahren werden deutsche Hochschulen aufgrund bestimmter Merkmale verglichen, um Studenten die Wahl ihrer Studienstätte zu erleichtern. Große Sorge bereite ihm der bauliche Zustand von mindestens sechs bis sieben Gebäuden, die so marode seien, dass sie derzeit nicht genutzt werden könnten. In Kiel gäbe es 5000 neue Studenten – und bei einer Gesamtzahl von 28.000 Studenten sei das ein unhaltbarer Zustand. Auch hier sei die Politik gefragt. „Wichtig sind mir die Schnittstellen zur Gesellschaft, zum Beispiel die sehr aktive Sektion der Universitätsgesellschaft Husum, aber auch ganz besonders die Lehrer. Wenn die nicht vernünftig ausgebildet werden, sind es deren Schüler auch nicht. Eine teuflische Spirale setzt sich damit in Bewegung“, so Kipp.

In seinem Eröffnungsvortrag nahm Professor Dr. Enno Edzard Popkes von der Theologischen Fakultät in Kiel seine Zuhörer gekonnt auf eine nicht alltägliche Spurensuche mit. Sein Thema: „Der historische Jesus“ – Grundprobleme einer historisch-kritischen Sicht auf den „Stifter“ einer Weltreligion. Eloquent zeichnete er die Gestalt des Jesus von Nazareth, wobei klar wurde, dass dieser bis heute selbst nicht-christliche und kirchenferne, kritische Menschen fasziniere. „Dabei geht es interessierten Zeitgenossen vor allem darum, wie der historische Jesus wirklich war“, so Popkes. Als Sohn Gottes geboren, beschreibe ihn das Neue Testament als die zentrale Figur des christlichen Glaubens, ausgestattet mit Fähigkeiten zu wundersamen Taten und Gleichnissen.

Doch trotz moderner Jesus-Forschung sei es bisher nicht gelungen, über den Menschen Jesus viel zu erfahren, der als Wanderprediger eine große Faszination auf seine Anhänger ausgeübt habe. Fest stehe, dass der „echte“ Jesus nicht viel mit der Gestalt des kirchlichen Bekenntnisses zu tun gehabt habe. Den „historischen“ als „echten Jesus“ dem biblischen und dogmatischen Jesus entgegenzustellen, sei eine Betrachtungsweise, die mit Reimarus und Lessing in der Zeit der Aufklärung begonnen habe und in der Zwischenzeit auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicke.

„Jesus hat nie etwas geschrieben, weder brisante Überlegungen noch gefährliche Thesen veröffentlicht, er war ein nicht gebildeter Wanderprediger. Was die Kirche aus ihm machte, hat mit der Jesus-Darstellung nichts zu tun. Und nun die Gretchenfrage: Kann man von Fortschritten der modernen Jesusforschung sprechen? Nein – ein ganz klares Nein“, so der Professor. Die Perspektivenforschung und -betrachtung der Figur Jesus, nämlich die klassisch-christliche, die historische und als dritte die von den Mandäern als Nachfolger des Täufers Johannes gelebte, seien Kriterien zur Identifizierung der Person. Sie seien nicht miteinander vereinbar, dennoch böten sie durch ihre verschiedene Betrachtung interessante Perspektiven. Wenn das nicht der Fall sei, sei es nicht im Geiste Jesus. „Und darum“, schloss Professor Popkes, „ist Jesus Stifter einer Weltreligion“.

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