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Husumer Nachrichten

17. Oktober 2017 | 10:31 Uhr

„Politik ist kein Teufelszeug“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust las in St. Peter-Ording aus seinem Buch „Mutproben“

„St. Peter-Ording ist für mich ein geflügeltes Wort für Ruhe und Entspannung“, stellte Hamburgs früherer Bürgermeister Ole von Beust lächelnd fest. Er kennt die Gegend bereits seit seiner Kindheit und war der Einladung der Gesundheitsklinik Stadt Hamburg, aus seinem Buch „Mutproben“ zu lesen, gern nachgekommen. „Ich bin stolz und froh und glücklich, dass Du heute da bist“, begrüßte ihn der neue Geschäftsführer der Klinik, Professor Dr. Peter Jochimsen.

Das Buch zu schreiben, war von Beust ein persönliches Anliegen. Zum einem, um auf die Frage zu antworten, warum er die Politik aufgegeben hat. Dann, um sein persönliches Schicksal stellvertretend für seine Generation zu erläutern, zu schildern, wie seine Kindheit und Jugend ihn unbewusst geprägt haben. Und schließlich als Plädoyer für Ehrlichkeit und Konsequenz. Als Erwachsener träumte er intensiv vom Haus seiner Eltern, einem Norwegerholzhaus im Duvenstedter Brook. In dem Naturschutzgebiet wuchs er mit seiner Familie auf. Sein Vater war Verwaltungsjurist, Vollblutpolitiker und selten zu Hause. Dann aber dozierte er in seiner Familie über die Welt. Seinen Jüngsten animierte er dazu, Reden zu halten oder sich in die Rolle diverser Politiker zu versetzen und ihre Stimmen zu imitieren. So wurde von Beust früh politisch geprägt. Die Erziehung übernahm seine Mutter, das Aushandeln von Rechten seine älteren Geschwister. So wuchs „Ole Popp“, wie seine Großmutter ihn liebevoll nannte, als Eigenbrötler auf, der in der Schule bereits mit der Position des Klassensprechers, später als Stufenrat erste politische Erfahrungen sammelte. Später hätte ihn geärgert, „dass Hamburg immer rot ist – das wollte ich knacken.“ Die CDU sei damals so am Ende gewesen, dass nicht mal ein Ole von Beust es schlimmer machen konnte, nimmt er sich selbst auf die Schippe. Und so rutschte er damals eher zufällig in seine Ämter.

„Ja, ich mache hier mal eine kurze Pause.“ Ole von Beust bindet seine Armbanduhr ab und legt sie vor sich auf den Tisch. Er wirkt entspannt, sympathisch, und glaubwürdig. Die Fragen aus dem Publikum sind erwartungsvoll, kritisch hinterfragend.

Was sind nun aber die Mutproben, von denen er schreibt. Mut ist nur ein anderes Wort für die Bereitschaft zum Risiko, eine Frage der Haltung, sagt von Beust. Intuitiv richtig zu handeln und auch einmal mit Niederlagen zu leben, sei wichtig. Denn nur dadurch können in der Politik Akzente gesetzt werden. Klug und analytisch musste von Beust vorgehen, als Ronald Schill ihn in seinem Büro aufsuchte und offensichtlich mit seiner Homosexualität und einer angeblichen Affäre mit dem damaligen Justizsenator Roger Kusch zu erpressen versuchte. Die Schill-Affäre hätte ihn Kopf und Kragen kosten können, erzählt er weiter. Er handelte damals intuitiv mit einem Rausschmiss des Rechtspopulisten. Und es ging gut. Mit Neuwahlen brachte er seine Partei nach vorn. Als er später noch einmal Mut bewies bei dem Versuch, die Schulreform durchzusetzen (die Grundschule zu einer sechsjährigen Primarstufe umzubauen), scheiterte er.

Alle, die ihn etwas besser kennen wussten schon mindestens ein halbes Jahr vorher, dass er nicht noch einmal antreten würde. Nach außen hin wirkte sein Rücktritt für viele vollkommen überstürzt. Seine 58 Jahre sieht man dem in Hamburg lebenden Juristen nicht an. Und doch sagt der häufig als Sunnyboy titulierte von sich, er hätte zum Schluss keine Kraft, keine Kampfeslust im politischen Sinne mehr besessen. An Aufgaben, vor allem in beratender Funktion, mangelt es ihm nicht. Er genießt die Freiheit, fast alles sagen zu können und sein Privatleben für sich zu reservieren. Er wolle für Politik ein wenig werben, das sei kein Teufelszeug. „Wir brauchen Menschen, die Mut haben und sich engagieren. Die Politik war die Erfüllung meines Lebens. Aber alles hat seine Zeit – das gilt auch für mich."

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