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Direktkandidaten zur Bundestagswahl im Interview : „Politik ist kein Pizza-Service“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie ticken die Direkt-Bewerber um ein Bundestagsmandat im Wahlkreis 2? Heute im Kandidaten-Check: Michael Potthast (Freier Wähler).

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 16:00 Uhr

Noch 19 Tage bis zur Bundestagswahl. Im Wahlkreis 2 Nordfriesland/ Dithmarschen-Nord buhlen am 24. September sieben Direktkandidaten um die Gunst der Wähler. In einer lockeren Serie lässt unsere Zeitung sie nach und nach zu Wort kommen. Heute ist Michael Potthast (Freie Wähler) an der Reihe. Der 52-Jährige, gelernter Bäckermeister und Betriebswirt im Handwerk, aktuell in Weiterbildung zum Fachinformatiker am Theodor-Schäfer-Berufsbildungwerk in Husum, lebt mit seiner Freundin in Lohe- Rickelshof bei Heide.


Warum bekommen Sie hinter den zwei größten Parteien die meisten Stimmen?
Eine Partei muss mindestens fünf Prozent der Stimmen bekommen oder mindestens drei Direktmandate erringen. Das Erreichen der sogenannten Grundmandatsklausel ist ein lösbares Ziel, so wie die Freien Wähler in Bayern und in Brandenburg bei den Landtagswahlen erfolgreich waren. Der Einzug in den Bundestag ist somit durchaus möglich. Die Stimmen der Nordfriesen sind nicht verloren und die Einflussnahme aus Nordfriesland ist folglich machbar.

Welche drei Kreis-Themen stehen bei Ihnen ganz oben auf der Agenda?
Erstens: Die verstärkte Verklappung von Hafenschlick und die Offshore-Nutzung der Windenergie darf nicht zu Lasten des Wattenmeeres gehen. Beide Bereiche melden aktuell neue Begehrlichkeiten an. Zweitens: Die ÖPNV-Situation der Pendler auf der Strecke Husum – Westerland und die Schülerbeförderung Lunden – Tönning. Drittens: Im Gesundheitswesen ist die Kooperation der Krankenhäuser in Nordfriesland und Dithmarschen notwendig. Außerdem gilt es, die Geburtshilfe auf den nordfriesischen Inseln sicherzustellen.

Was ist Ihr Rezept, um die Wähler wieder mehr mitzunehmen?
Bei dem Einheitsbrei auf den Wahlplakaten entsteht der Eindruck, alles sei dasselbe. Die Bildaussagen sind so glaubwürdig wie der Serviervorschlag auf einer Fischkonserve. Um beim Thema zu bleiben: Politik ist aber auch kein Pizza-Service und der Stimmzettel keine Menü-Karte. Bestellen und liefern – so einfach ist das nicht. In der Politik entscheidet nicht zwingend die Mehrheit, sondern der Kompromiss. Daher ist es nicht wichtig, wer gewinnt, sondern dass alle Meinungen dabei vertreten sind. Mein Appell lautet daher: „Vertrauen Sie Ihrer Meinung und wählen Sie.“


Kommen wir auf die Bundesstraße 5 zu sprechen: Welche konkreten Möglichkeiten haben Sie als Mitglied des Bundestages, um den Ausbau voranzubringen?

Ich wünsche mir einen Verkehrsminister aus Norddeutschland. Alle Parteien in Nordfriesland hatten viele Jahrzehnte Zeit, den Ausbau fertigzustellen. Deren Versprechen glaube ich nicht. Ich könnte mit einer A 23 bis Sylt leben, aber bleiben wir realistisch. Wenn ich oder ein anderer Freier Wähler in den Bundestag kommt, wird die B 5 dreispurig ausgebaut, so wie es in Dithmarschen bei der B 5 bereits beschlossen ist und 2018 umgesetzt wird.

Blenden Sie bitte mal alles aus, was wir bisher gesprochen haben: Eine Fee kommt vorbei und Sie dürfen sich etwas ganz Neues wünschen – die Standardthemen einmal ausgenommen  .  .  .

Nordfriesland hat so viel Schönes, was sich andere wünschen: weltoffene Menschen, die Spaß verstehen und die Ärmel hochkrempeln, eine weite Natur und klare Luft.

Um bei politischen Wünschen zu bleiben: Ich wünsche mir seit langem beitragsfreie Kindertagesstätten und Tagesmütter. Ich wünsche mir für jeden Nordfriesen eine Perspektive im Berufs- und Privatleben mit ausreichend Lohn und Wohnraum. Und ich wünsche mir ein würdiges Dasein im Alter mit guter Krankenversorgung und selbstbestimmtem Handeln.

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