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Hermann-Tast-Schule : Politik in die Schule geholt

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Podiumsdiskussion als Klausur-Ersatz: Kreistags-Angehörige und -Bewerber debattieren mit Jugendlichen.

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erstellt am 08.Mai.2013 | 08:03 Uhr

Husum | Erstwähler für Politik zu interessieren - das war die Zielsetzung von Arne Hansen, der eine Podiumsdiskussion mit entsprechenden Themen in der Hermann-Tast-Schule organisiert hatte. "Als Klausur-Ersatzleistung im Fach Wirtschaft/Politik", wie der 18-jährige Bredstedter aus der Klasse 12 a verrät. Zwei Monate steckte der Schüler in die Vorbereitung - und traf schon mit der Themensetzung ins Schwarze. Besonders über den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) konnten

die Kreistagsmitglieder oder

-aspiranten auf dem Podium trefflich streiten. Tim Hanke (CDU), Matthias Ilgen (SPD), Thorge Babbe (Grüne), Jörg Tessin (FDP), Susanne Rignanese (SSW), Michael Lorenzen (Wählergemeinschaft Nordfriesland) und Holger Lippert (Linke) stellten sich der Herausforderung.

Bevor sich die Diskutanten mehr oder weniger gelungen selbst präsentieren, gibt der Kieler Politikwissenschaftler Tobias Bartels den 200 in der Aula versammelten Schülern der zehnten bis zwölften Klassen eine kurze Einführung zur Kommunalwahl. Dann geht es ins Eingemachte: "Wer von Euch hat vor, nach dem Abitur Nordfriesland zu verlassen?", ruft Arne Hansen ins Publikum. Fast alle melden sich. "Und wer will wieder zurückkommen?" Fast keiner. Das sei okay, sich erst einmal die Welt anzusehen, ist die einhellige Meinung auf dem Podium - die meisten dort haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Und das nur gute Berufschancen für eine Rückkehr sorgen können, darüber ist man sich auch einig. Natürlich gibt es Unterschiede bei den dafür zu setzenden Schwerpunkten - aber noch keinen Streit.

Der kommt, als es um den ÖPNV im Kreis geht. Während Ilgen verspricht, dass sich die SPD für eine kostenlose Schülerbeförderung einsetzen will, und Babbe für die grüne Idee von nach Bedarf anzufordernden Ruf-Taxen und Bürgerbussen wirbt, schlägt Tessin eine Flatrate für Busbenutzung vor. Lorenzen setzt auf Absprachen im Internet für Gemeinschaftsfahrten. Hanke jedoch bremst, was den Gratis-Transport angeht: "Das ist vom Kreis leider nicht finanzierbar." Rignanese möchte die Kosten gerne wieder auf das Land abwälzen. Und Lippert doziert kreis- und themenfern von den Milliarden der Superreichen, an die man ran müsste.

Fragen aus dem Auditorium kommen etwa zur Breitbandversorgung und dem Fracking - letzteres wieder ein Thema, das das Podium in Wallung versetzt, wo sich die verschiedenen Lager gegenseitig handwerkliche Fehler bei Gesetzesänderungen vorwerfen. Tessin kürzt das schließlich ab: "Wir sind doch eigentlich einer Meinung - wer hier auf dem Podium ist gegen Fracking?" Sechs Hände gehen hoch - bis auf die von Lippert, der erkennbar gar nicht zugehört hat. Dafür beginnt der Linke verwirrt zu applaudieren. Das war’s denn auch, und Arne Hansen bedankt sich bei allen Mitwirkenden. Ob der Klausur-Ersatz damit als bestanden gilt? "Das kann man so sagen", bestätigt Ralph Ettrich, der Betreuungs-Lehrer für dieses Projekt.

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