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Amerikaner zu Besuch : Plattdeutsche Konferenz in Stapelholm

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gäste aus den USA kommen am zweiten Juli-Wochenende zu einer Plattdeutsch-Konferenz nach Erfde. Auf dem Programm stehen Rundreisen und Fachvorträge. Mehr als 2000 Amerikaner haben ihre Wurzeln in der kleinen Ortschaft.

Freunde der plattdeutschen Sprache aus den USA und Deutschland treffen sich von Freitag, 8. , bis Sonntag, 10. Juli, in der größten Gemeinde Stapelholms, um alte Bekannte zu treffen, neue Freundschaften zu schließen, zu klönen, sich auszutauschen und zu genießen – alles auf Plattdeutsch.

„Wir freuen uns sehr, unsere deutschen Freunde wiederzusehen“, sagt Mike Kearney aus Erfdes Partnerstadt Clinton, Iowa. Er organisierte mit dem Verein ASHHS (American Schleswig-Holstein Heritage Society) bereits Treffen in den USA und war schon unzählige Male in Schleswig-Holstein. Zu Erfde hat er eine persönliche Beziehung: Kearneys Urgroßmutter Anna Duhr, Jahrgang 1854, wanderte 1885 aus Tielen an der Eider über den Atlantik aus. Seit Kearney seine schleswig-holsteinische Herkunft erforscht, hat er zahlreiche Verwandte ausfindig gemacht. „Es ist eine Passion“, sagt Kearney, der Englisch, Deutsch und Plattdeutsch spricht. „Ich lerne nicht nur meine Wurzeln immer besser kennen, ich habe auch unzählige Freunde in Deutschland und Schleswig-Holstein gewonnen.“

Verbindungen wie die von Kearney sind viel häufiger als man denkt: So leben dem Genealogen Dr. Hans Peter Stamp zufolge in den USA mehr als 2000 Menschen mit Wurzeln in der Stapelholmer Gemeinde. „Ich persönlich gehe davon aus, dass allein in Clinton Iowa mehr Erfder leben oder gelebt haben als in Erfde selbst“, erklärt Stamp. Davon, so sagt er weiter, seien immerhin 618 in Erfde geboren. Die ersten Auswanderer-Generationen flohen in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts vor den Dänen. Sie hatten sich an der schleswig-holsteinischen Erhebung beteiligt und fürchteten nach deren Scheitern die Rache der Skandinavier.

Ironie des Schicksals: Als sich das Blatt wendete und Schleswig-Holstein preußische Provinz wurde, flüchteten wiederum viele vor der langen Wehrpflichtzeit Preußens. Ein weiterer Anlass zur Auswanderung waren schließlich auch die positiven Briefe von bereits emigrierten Verwandten und Nachbarn. Für wenig Geld hatten sie in den USA Farmen erworben, von deren Größe man in der alten Heimat nur träumen konnte. Stamp erklärt sich daraus auch die auffällige Konzentration der US-Erfder in wenigen Staaten wie Iowa, Illinois und Nebraska: „Sie zogen dorthin, wo Freunde und Verwandte schon waren.“

Die Konferenz der Plattdeutschen Freundschaft wurde 1995 erstmals organisiert, um Menschen aus den USA mit Verwandten und Freunden aus Schleswig-Holstein zusammen zu bringen. Seitdem findet sie jährlich wechselnd in den USA und hierzulande statt.

Nach einer Begrüßung im kleinen Kreis erwarten die Gäste Fachvorträge von Stamp („Mehr als 2000 Amerikaner mit Wurzeln in Erfde“), Marianne Ehlers und Heiko Gauert („Plattdeutsch in Schleswig-Holstein“) und Robert Langhanke („Klaus Groth in Deutschland und den USA“). Anschließend erkunden die Gäste die Region.

Auf einer von drei geführten Touren besuchen sie entweder Friedrichstadts, das Storchendorf Bergenhusen oder das Klaus Groth Museum in Heide. Nach den Ausflügen klingt der Tag an der Eider aus. Die Gemeinde hat zu Ehren der weit gereisten Gäste ein amerikanisch-deutsches Barbecue am Bargener Fähranleger organisiert. Pianist Jens Petersen wird den Abend musikalisch untermalen und mit Peter Harry Carstensen, Ministerpräsident a. D., nimmt ein weiterer Veteran des Plattdeutschen teil.

Am Sonntag klingt die Konferenz mit einem plattdeutschen Gottesdienst und einer Kirchenführung aus. Vor der Abreise wird noch einmal regional gegessen.

Wer an der 21. Konferenz der Plattdeutschen Freundschaft teilnehmen möchte, sollte sich bei der Eider-Treene-Sorge GmbH, info@eider-treene-sorge.de, Telelefon 04333-992490 melden.

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erstellt am 23.Jun.2016 | 09:00 Uhr

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