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Dreharbeiten in Berlin : Plädoyer für die Selbstbestimmung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husumer Jugendliche setzen sich kreativ mit dem Thema Fremdbestimmung auseinander. Abgedreht wird der Streifen „Ich bin“, der auch bei den Husumer Filmtagen 2014 gezeigt werden soll, hauptsächlich in Berlin.

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erstellt am 19.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Anna und Moritz sitzen auf der Treppe. Sie führt zur Eingangstür des Beerdigungsinstituts, das im Obergeschoss den Treffpunkt der Film-Crew beherbergt, zu der die beiden Jugendlichen gehören. Während sie also so dasitzen, erscheinen vor ihnen auf den Stufen nach und nach sechs Buchstaben aus dem Nichts: I-C-H . . . und – mit entsprechendem Zwischenraum – B-I-N. Als die Botschaft „Ich bin“ vollständig zu sehen ist, stehen Anna und Moritz auch schon bald auf und kicken die Lettern einfach aus dem Bild.

Diese Szene ist bereits abgedreht – als Option für den Einstieg in einen Film, der besagten Sechserpack aus dem Alphabet zum Titel hat. „Ich bin“ ist der dritte Streich, den Helga Lütjens (67) mit einer Schar von kreativen Mädchen und Jungen im Alter von 12 bis 16 Jahren ausbaldowert. Zuvor hatte die ehemalige Leiterin einer Musikschule in Bargteheide und Husumer Trauerbegleiterin schon mit ihren Schützlingen die Collage „(W.U.T) – Wünsche, Utopien & Träume“ produziert und mit dem Streifen „Tabu – Trost, Abschied, Befreiung, Überwindung“ die Angst vor dem Tod zu Grabe getragen. Der letzte Beitrag, an dem auch Anna Barduhn vom Bestattungsinstitut Darwartz beteiligt war, die jetzt ebenfalls wieder mit von der Partie ist, hinterließ mit seinen surrealistischen Elementen unter anderen bei den jüngsten Husumer Filmtagen nachhaltigen Eindruck. Nur wenige der insgesamt 300 aufgelegten „Tabu“-DVDs sind denn auch noch erhältlich.

Solche Erfolge motivieren unheimlich, weiterzumachen. Und so wurde im Oktober eine neue Gruppe zusammengestellt: Anna, Bahne, Celine, Hannah und Noah waren schon dabei, als dem Tod vor der Kamera der Schrecken genommen wurde – neu hinzugekommen sind Jessica, Moritz, Nele und Toni. Ein monatliches Treffen im Hauptquartier am Plan ist für alle Pflicht. Natürlich verabredet man sich auch zwischendurch untereinander, um Texte zu schreiben, Musik auszusuchen und aus neuen Skriptideen Filmsequenzen zu machen. Wer sind wir wirklich, was macht uns einzigartig und wie sind wir gemeint? Das sind die zentralen Fragen, um die es in diesem 45-minütigen Beitrag geht, der Anfang Oktober auch wieder die Filmtage bereichern soll.

Bis dahin ist noch eine Menge zu tun. Schließlich gilt es, unter anderem herauszufinden, bis zu welchem Zeitpunkt noch das eigene Bewusstsein vorhanden war: Was ist passiert, dass uns unser Selbstbewusstsein und unsere Identität abhanden kam? Wie und durch wen wurden wir fremdbestimmt? Haben wir das überhaupt wahrgenommen? Oder haben wir uns schon ganz früh aufgegeben, um die anderen nicht zu verletzen? Haben wir vielleicht auch nicht gelernt, Nein zu sagen?

Der Schriftsteller Erich Kästner, der einst in seiner Ansprache zum Schulbeginn dazu aufforderte, sich seine Kindheit nicht austreiben zu lassen, wirkt bei der Suche nach der Antwort auf diese Fragen ebenso inspirierend wie Liedermacher Konstantin Wecker mit seinen Gedanken über „Das ganz schrecklich schöne Leben“: „Man müsste noch mal fünf, sechs Jahre alt sein und das vergessen, was danach geschehn . . .“.

Gedreht wird „Ich bin“ hauptsächlich in Berlin, wo es – wie Bahne erklärt – „mehr Kontraste und Möglichkeiten gibt“. Vom 16. bis 20. April geht das Team an der Spree entsprechend in Klausur. Moritz legt dafür schon mal den roten Faden aus: „Jessica ist unsere Hauptdarstellerin. Sie läuft durch eine Welt voller Gestalten und versucht, ihre Persönlichkeit wiederzufinden, die sie in ihrer Kindheit verloren hat.“ Dabei wird sie unter anderem von grau geschminkten Wesen umringt, die sie schubsen, treten, in den Schwitzkasten nehmen und am Weglaufen hindern. Am Ende des symbolträchtigen Feldzugs gegen die Fremdbestimmungs-Mechanismen erkennt Jessica, dass sie sich eigentlich gar nicht suchen und finden muss. Bahne bringt die zentrale Botschaft auf den Punkt: „Sei du selbst, alle anderen gibt es schon!“

 

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