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Tempo 70, Tempo 30, Tempo 0 : Pfusch am Bau: Buckelpiste gesperrt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schon im vergangenen Jahr hatten sich auf der neuen Verbindungsstrecke von der alten B5 zum Husumer Außenhafen große Wellen gebildet. Nun wurde die Straße wegen der Baumängel komplett gesperrt.

Keine Durchfahrt mehr auf der Buckelpiste: Seit Mittwoch (29. April) ist die neue Umgehungsstraße, die den Ortsteil Rödemis und die Bundesstraße 5 mit dem Außenhafen verbindet, für den Verkehr voll gesperrt. „Schon im August vergangenen Jahres mussten wir die Höchstgeschwindigkeit zunächst auf Tempo 70 und ab März dieses Jahres auf 50 und dann sogar auf 30 Stundenkilometer heruntersetzen“, so der Leiter des Fachdienstes Liegenschaften des Kreises Nordfriesland, Bernd Petersen. Doch inzwischen reiche auch das nicht mehr aus: „Die Gefahr, dass etwas passiert, ist einfach zu groß.“

Erst im Herbst 2013 war die Straße für den Verkehr freigegeben worden. Sie sollte den Verkehr in Rödemis entlasten und gleichzeitig das Gewerbegebiet Außenhafen an die B5 anbinden. Die Straße ist für 40 Tonnen schwere Fahrzeuge ausgelegt, 1040 Meter lang und 7,50 Meter breit; zusätzlich wurde an jeder Seite noch eine 1,50 Meter breite Bankette angelegt.

Schon ein Jahr später jedoch begann die Fahrbahn auf der Hälfte der Strecke wellenförmig abzusacken. Was als leichte Unebenheit begann, wurde bald zu einem Waschbrett – und gefährdet inzwischen die Verkehrssicherheit: Tiefliegende Autos können da schon mal aufsetzen. „Der Asphalt zeigt bereits an einigen Stellen Kratzspuren“, sagt Petersen. Damit sei das Risiko, dass Menschen zu Schaden kommen, einfach zu groß. „Daher hat sich der Kreis als Verkehrsbehörde gemeinsam mit dem Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr als zuständigem Straßenbaulastträger für die Vollsperrung entschieden.“ Die nahmen gestern um die Mittagszeit Mitarbeiter der Straßenmeisterei Husum vor.

Der bis in vier Meter Tiefe moorig-torfige Untergrund der geplanten Verbindungsstrecke hatte die vom Kreis beauftragten Tiefbau-Unternehmen schon im Vorwege vor besondere Herausforderungen gestellt. Das traditionelle Verfahren, den Baugrund vier Meter tief auszukoffern und mit Sand und Kies wieder aufzufüllen, hätte gewaltige Erdbewegungen und etliche Lastwagen-Fahrten erfordert. Um das zu vermeiden, hatte sich die Kreisverwaltung dann für ein Verfahren entschieden, das sich bereits bei der vielbefahrenen Straße in Schlüttsiel bestens bewährt hat: Der Untergrund wurde mit knapp 2000 Betonsäulen stabilisiert, die in einem Abstand von zwei Metern schwingungsfrei gebohrt wurden. Darauf verlegte man ein Vlies und ein Geflecht von Geozellen aus Kunststoff, und erst dann wurden Sand, Kies und die Straßenoberfläche selbst aufgebracht. Die halbe Strecke wurde in dieser Bautechnik ausgeführt. Bei der anderen Hälfte der Strecke wurde dem Untergrund mit Saugpumpen das Wasser entzogen. Die Oberfläche sackte daraufhin um rund 1,50 Meter ab und war nun so verdichtet, dass sie sich auch ohne Betonpfähle als Untergrund eignete. Auf diesem Teil der Straße sind keine Schäden festzustellen.

„Dass auf der anderen Hälfte die Straßendecke zwischen den Säulen absackt, ist auf einen Planungsfehler der Unternehmen zurückzuführen“, sagt Petersen. „Wir gehen davon aus, dass sie die Straße bis zum Herbst wieder in Ordnung bringen.“

Bis dahin wird sich der Schwerlastverkehr wieder über die alte B5 über die Wilhelmstraße nach Rödemis hinein und von da aus über die Simonsberger Straße zum Außenhafen und zurück quälen müssen. Doch bei den Lastwagenfahrern war die „Stoßdämpfer-Teststrecke“ ohnehin nicht besonders wohl gelitten – und das hängt nicht nur mit der Wellenbildung zusammen: „Wenn wir von Süden kommend die alte Bundesstraße befahren und dann auf die Verbindungsstrecke einbiegen, ist alles in Ordnung. Aber wenn wir in die andere Richtung fahren und dann von der neuen Straße auf die alte B5 in Richtung Süden abbiegen wollen, wird es oft haarig“, so ein Fahrer einer Firma am Außenhafen. Nachdem die Autofahrer das Ortsschild Husum passiert hätten, werde sofort aufs Gaspedal gedrückt. „Und sich dann mit einem großen Gefährt in den beschleunigenden Verkehr einzufädeln, ist oft ein waghalsiges Unternehmen.“
 

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erstellt am 30.Apr.2015 | 07:00 Uhr

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