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Es muss Spass machen : Pferd gegen 270-PS-Boliden getauscht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit 80 Jahren hat sich der Nordstrander Heinrich Hülsen noch längst nicht in den Ruhestand verabschiedet. Offiziell ist er zwar Rentner, doch er sitzt immer noch auf dem Trecker und hat viel Spaß, wenn die 270 Pferde richtig arbeiten.

Heinrich Hülsen kann sich noch gut daran erinnern, als er mit Pferd und Pflug die Felder beackerte und Getreide mit Haugeschirr bearbeitete. Das war eine harte und schweißtreibende Angelegenheit, oft unter gleißender Sonne. Die damaligen vier Pferdestärken sind mittlerweile auf 270 PS angestiegen, per Joy-Stick von ihm gelenkt. Dank Klimaanlage gibt es kaum noch Schweißtropfen am Körper, höchstens kurzzeitig, wenn eine Taste am Armaturenbrett nicht den erhofften Effekt erzielt. Aber auch dafür gibt es eine schnelle Lösung: Ein Anruf per Handy bei Landwirt Karl-Volkert Meyer, und alles läuft wieder wie am Schnürchen.

Seit 2008 bewegt Heinrich Hülsen einen modernen stufenlosen Schlepper, um 300 Hektar zu beackern. Es ist sein bisher größtes Gefährt – vom Lanz Bull Dog bis hin zum Fendt Vario hat er in seinem Leben alles gelenkt. Umgeben von jeder Menge Tasten fährt er auf der grünen Hightech-Maschine, hört Musik aus dem Radio und denkt so manches Mal an die alten Zeiten zurück. „Mit Landwirtschaft von damals hat das schon lange nichts mehr zu tun“, meint er ohne einen Funken Wehmut in der Stimme. Ihm gefällt seine Arbeit, er ist froh, dass er die rasante Entwicklung miterleben darf. Auch mit 80 Jahren will er sich nicht zur Ruhe setzen.

„Der Spaß steht im Vordergrund, außerdem helfe ich gerne und verdiene mir noch etwas dazu.“ Beschäftigt wird er auf geringfügiger Basis von Karl-Volkert Meyer, der auf seinem Hof genügend zu tun hat. Unter den anderen Mitarbeiter sind noch zwei weitere Senioren (65 und 73 Jahre) saisonbedingt in Lohn und Brot. „Sie haben Erfahrung und sind gelassen“, meint er. Mit Heinrich Hülsen verbindet ihn eine besondere Beziehung, er ist sein väterlicher Freund. Natürlich sind die beiden ab und an unterschiedlicher Meinung, aber sie begegnen sich dennoch immer auf Augenhöhe. Heinrich Hülsen ist gebürtiger Niedersache. Als gelernter Landwirt konnte er den elterlichen Hof nicht übernehmen, da sein Zwillingsbruder nur wenige Minuten vor ihm geboren wurde. Die Hof-Nachfolge war damit geklärt. Er trat eine Stelle als Verwalter auf einer Staatsdomäne – einem landeseigenem Betrieb – an. Anschließend zog es ihn, seine Ehefrau Charlotte und Tochter Sabine nach Nordstrand, wo in den darauffolgenden Jahren zwei Söhne die Familie komplett machten. Der Grund für den Umzug nach Nordfriesland: Ernst-August Dethleffsen suchte für seinen Hof „Omlandia“ einen Verwalter. Fortan war Heinrich Hülsen für die praktische Seite des Betriebes zuständig, während sich sein Chef um die theoretische Betriebsführung kümmerte. Die Arbeit war sehr vertrauensvoll, die Umgangsformen „korrekt, familiär, aber sachlich“, erinnert sich der ehemalige Verwalter gerne zurück. Sein Chef war ein Abkömmling der Flensburger Familie Dethleffsen, die sich dem Handel mit Rum widmete. Dethleffsen hatte Hallig Südfall vom Land auf 50 Jahre gepachtet. Dort weideten seine Schafe und Hülsen sorgte alljährlich dafür, dass die Tiere quer durchs Wattenmeer transportiert wurden. Das galt auch für Gäste aus Wirtschaft und Politik, die Südfall besuchten. Die Geschichten darüber würden ein Buch füllen.

Der Sohn der Familie, Martin Dethleffsen, übernahm später als Agrar-Ingenieur „Omlandia“ und damit auch Heinrich Hülsen. Martin Dethleffsen und Karl-Volkert Meyer taten sich maschinell und personell mit ihren Höfen in loser Kooperation zusammen. Der ehemalige Verwalter ging zu der Zeit mit 61 Jahren zwar in den Vorruhestand, blieb den beiden Männern aber mit seiner Arbeitskraft und Erfahrung erhalten. Später pachtete Meyer den Betrieb seines Geschäftsfreundes, da dieser beruflich andere Wege einschlug. Auf Heinrich Hülsen konnte er nach wie vor zählen. „Sobald wir ihn brauchen, ist Heinrich da. Egal ob Wochenende oder Feiertag.“ Wenn der Rentner auf dem Hof nichts zu tun hat, kümmert er sich um die Außenanlagen von „Omlandia“. Er fährt viel Fahrrad, stöbert in Büchern über die Geschichte der Landwirtschaft und verbringt sehr gerne Zeit mit seiner Ehefrau.

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