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Angel-Camp in Katingsiel : Petri Heil für junge Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Katingsiel lernen zehn Jugendliche, den richtigen Umgang mit Rute und Rolle sowie einiges über Umwelt- und Naturschutz. Der Kreisanglerverband NF hat es ermöglicht.

von
erstellt am 10.Aug.2017 | 07:00 Uhr

Angeln einfach so zum Spaß, das war den zehn jungen Männern aus Bad Oldesloe ein fremder Gedanke. Doch am Ende des Tages, den sie in Katingsiel mit Rute und Rolle verbracht hatten, war den Jugendlichen aus Afghanistan, Algerien, Marokko, Ägypten und Eritrea die Freude über die gefangenen Fische deutlich anzusehen. Der Kreisanglerverband Nordfriesland hatte den Flüchtlingen dieses Naturerlebnis ermöglicht. Sie verbrachten ein paar Tage in St. Peter-Ording. Ihre Begleiter hatte beim Verband angefragt.

Schnell musste ein passendes Gewässer gefunden werden, das mit Fahrrädern von St. Peter-Ording aus zu erreichen ist, wie der Verbandsvorsitzende Jürgen Töllner berichtet. Auch eine kostengünstige Fischereischein-Lösung musste her, damit die jungen Leute auch eine Angelberechtigung hatten. Hierbei zeigte sich das Landesamt für Landwirtschaft, Umweltschutz und ländliche Räume (LLUR) mit seiner Fischereiabteilung von seiner besten Seite. Innerhalb von nur zwei Tagen hatten die jungen Leute eine Sondergenehmigung. Zusätzlich gelang es dem Fachverband noch, den bekannten Husumer Angelfachmann Jörg Ovens für die Schulung der jungen Leute zu gewinnen. Gemeinsam mit Töllner zeigte er ihnen, wie man mit Rute und Haken umgeht.

„Wir haben zunächst ein wenig vorgefühlt, wer schon einmal geangelt hätte und welche Grundeinstellung bei den jungen Leuten in Sachen Angeln vorherrscht. Für sie ist das Angeln Nahrungsmittelerwerb“, so Jörg Ovens. „Große kulturelle Unterschiede bestehen natürlich auch hinsichtlich des Umgangs mit der Ressource Natur allgemein und speziell gegenüber Wassertieren. Diese Unterschiede haben wir ziemlich deutlich herausgearbeitet und dabei versucht, den jungen Leuten die Natur- und Umweltschutzphilosophie Westeuropas näherzubringen“, ergänzt Jürgen Töllner. Aber es ging natürlich auch um den Spaß. Zunächst wurden gemeinsam die Ruten vorbereitet, die Jörg Ovens den zehn Jugendlichen als Geschenk mitgebracht hatte. Dann gab es Tipps zum Ausloten der Wassertiefe, zum Anfüttern und zum richtigen Beködern des Hakens. Und es dauerte nicht lange, bis der erste Jungangler einen Fisch landete. Seine Kollegen schlossen sich an, und am Ende des Tages war kein Teilnehmer ohne Fang. Diesen Fang nahm die Gruppe genauso stolz mit in das Ferienheim in St. Peter-Ording wie die erste eigene Angelrute. Vorher wurde ihnen noch das Entschuppen und Ausnehmen der Fische gezeigt, so dass am Abend ein gemeinsames Fischessen möglich wurde.

Der Betreuer der Gruppe Christopher Eick war froh, als auch der letzte Angelbesessene aufs Fahrrad gestiegen war. „Ich hätte nie gedacht, dass so viele aus der Gruppe so schnell eine wirkliche Begeisterung für das Angeln entwickeln würden. Natürlich lag das auch an der professionellen Präsentation.“ Die beiden Lehrer sind sich einig: „Dieser Tag war spannend und lehrreich in jeder Hinsicht. Wir können jedem eine solche Erfahrung im Umgang mit fremden Kulturen und Menschen nur wünschen.“

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