Neues Angebot : Persönlichkeit in der Gruppe entwickeln

Iris Thomsen
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Iris Thomsen

Die Bordelumer Verhaltenstrainerin Iris Thomsen möchte Kindern ein leichteres Leben in der Gesellschaft ermöglichen – und bedient sich eine besonderen Therapie.

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30. Januar 2015, 13:15 Uhr

Unaufgeräumte Kinderzimmer, gedankenloses Arbeitsverhalten, unkontrollierte Handlungen. Iris Thomsen kennt die Geschichten vieler Eltern und ihrer Sprösslinge. Die Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsschwächen der Mädchen und Jungen treiben ihre Umgebung nahezu zur Verzweiflung – dabei können die Kinder oft gar nichts dafür. Die 45-jährige Bordelumerin möchte „schwierigen Kindern“ deshalb Hilfestellung für den Alltag geben – ihr Angebot ist einzigartig in Nordfriesland.

Iris Thomsen ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und Marburger Verhaltens- und Konzentrationstrainerin. Nach langer Tätigkeit mit Kindern und Jugendlichen in einer Bordelumer Klinik hat sie im vergangenem Jahr selbstständig gemacht. „Ein solches Angebot gab es bislang nicht in Nordfriesland“, sagt die Bordelumerin, die sich ganz bewusst für das Verhaltens- und Konzentrationstraining nach dem Marburger Konzept entschieden hat. „Davon haben die Kinder den größten Nutzen“, ist die Therapeutin überzeugt. Sie arbeitet mit altersgemischten Gruppen von je zehn Kindern. Diese treffen sich wöchentlich. Das Ziel jeden Trainings: „Wir wollen gemeinsam gut arbeiten.“

Das jedoch fällt nicht jedem Kind leicht. Viele „ihrer“ Kinder sind unselbstständig, können sich nicht konzentrieren, haben kein Selbstbewusstsein. Nicht selten tragen Eltern eine Mitschuld. Sie lassen ihren Kindern zu wenig Freiraum. „Zu wenig Raum für Abenteuer“ bringt es Iris Thomsen auf den Punkt und beschreibt eine alltägliche Szene auf einem Spielplatz. „Dort sind oftmals genauso viele Eltern wie Kinder“, hat sie festgestellt. „Überbehütung ist ebenso ungünstig für die kindliche Entwicklung wie zu wenig.“

Erste Verhaltensauffälligkeiten würden Kinder häufig in der Schule zeigen. Während es in den Kindertagesstätten weitgehend keine strenge Struktur gibt, müssen sich Mädchen und Jungen in der Schule anpassen, sich nach Regeln und Verhaltensweisen richten. „In der Gruppe werden diese Kinder dann schnell zum Problem“, sagt Iris Thomsen, die nicht nur die Eltern, sondern auch die Lehrer in die Pflicht nimmt. „Jeder kann dazu beitragen, zu helfen“, sagt sie. „Aber auch das Kind selbst muss begreifen, dass es sein eigenes Leben, seine eigene Entscheidung ist.“

Während Jungen häufig durch Nervosität und Wildheit ihre Mitschüler vom Unterricht ablenken oder gar den Klassenverband sprengen, zeigen sich Mädchen eher still und zurückhaltend – „sie träumen sich weg“, so Iris Thomsen. „Die Mädels sind die Verlierer“, sagt die Verhaltenstrainerin. „Ihre Probleme sind häufig auf den ersten Blick gar nicht erkennbar.“

Und was bringt ein Training? „Die Teilnehmer sind danach gruppenfähig“, ist Iris Thomsen überzeugt. Zudem können die Mädchen und Jungen anschließend besser mit Konflikten umgehen und sie haben ihre und die Gefühle der anderen Teilnehmer kennengelernt. „Sie können darüber sprechen, sie zeigen.“ Der Alltag wird konflikt- und stressfreier.

Iris Thomsen spricht aus Erfahrung. Sie ist überzeugt, dass sie noch vielen Kindern und Jugendlichen helfen kann. Brücken bauen, Alltag bewältigen, Persönlichkeit entwickeln – und das Leben in und mit der Gesellschaft meistern.

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