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Nissens Villa in New York bald virtuell erlebbar : Per 3D-Technik in Millionärs-Villa

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Spezialisten machen Teile des 1972 abgerissenen Hauses des berühmten Auswanderers Ludwig Nissen mit Virtual-Reality-Brille erlebbar.

shz.de von
erstellt am 16.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Das Poetenstübchen und die anderen Räume im Storm-Haus in der Wasserreihe in Husum versetzen Besucher in jene Atmosphäre, in der der Dichter seine Novellen verfasst hat. Schnell stellt sich das Gefühl ein, man sei gerade bei Storm zu Besuch. Vielleicht kommt er gleich zur Tür herein?

Wie wäre es, wenn wir auch beim Auswanderer Ludwig Nissen, dem zweiten großen Sohn Husums, in dessen Villa in New York mal reinschauen können?

Doch jenes repräsentative Gebäude, das sich Nissen von 1906 bis 1908 von dem norwegischen Architekten Arne Dehli mit über 20 Zimmern und Festsaal, Kegelbahn und Pferdestall hatte bauen lassen, wurde 1972 abgerissen.

Um sich dessen Räumlichkeiten vor Augen führen und die dort herrschende Atmosphäre nachempfinden zu können, helfen allenfalls Berichte, Fotos, Filme oder 3D-Animationen. Aber selbst damit würden die Räume und deren Ausstrahlung kaum mit allen Sinnen erfahrbar. Da hilft die neueste Technik weiter: Virtual Reality (VR). Sie erlaubt uns, Räume in Ludwig Nissens längst zu Staub zerfallener Villa zu betreten und sie in vollendeter Dreidimensionalität zu erkunden. Genau das ermöglicht uns das Team des Nordfriesland-Museums / Nissenhaus. Dort ist ein Raum, der ansonsten kahl ist, mit zwei Sitzbänken hergerichtet worden – Startplatz für die Reise zu Ludwig Nissen und seiner Frau Katherine.

Besucher setzen sich eine etwas klobige Brille auf, die sie sofort die Umgebung in Husum vergessen lässt, denn schon stehen sie mitten in der Villa in New York. Mit jeder Kopfbewegung schweift der Blick scheinbar durch die Räume in der Nissen-Villa. Es entsteht genau der Eindruck, als würde man sich dort mal gründlich umsehen.

Franziska Horschig, Mitarbeiterin im Museum, hatte bei den Vorbereitungen zur Sonderausstellung über den berühmten Auswanderer eine Menge Fotos entdeckt. Nissen hatte die Etappen beim Bau der Villa dokumentiert und schließlich auch Aufnahmen in den fertig eingerichteten, repräsentativen Räumen gemacht. Da kam ihr die Idee zu dem Projekt, schließlich entdecken auch andere Museen die virtuelle Realität, weil Besucher so in die ausgestellten Themenwelten starten können.

Als Franziska Horschig dieses Konzept kürzlich im Zweckverband des Museumsverbundes vorstellte, bekannte Dr. Uwe Haupenthal „ein eher konservativer Mensch zu sein und ausgiebig diskutieren zu wollen“, ob und wie stark solche moderne Technik im Museumsbetrieb künftig Einzug halten solle. Horschig pflichtete ihm bei und betonte, dass stets auf eine Balance zwischen herkömmlicher und medialer Vermittlung geachtet werden müsse. Ulf von Hielmcrone zeigte sich vorbehaltlos begeistert. „Ich kann mir auch einen virtuellen Rundgang durch die Marienkirche vorstellen“, bei dem sehr viel besser auf kunstgeschichtliche Besonderheiten eingegangen werden könne.

Zurück nach New York: Wer die Brille auf der Nase hat und einen Controler in den Händen, wie sie von Wifi-Konsolen bekannt sind, kann sich entscheiden, ob er einen Blick aus dem Fenster werfen, in einem Foto-Album blättern oder Gemälde an den Wänden anschauen möchte. Wer auf eines der Bilder tippt, erhält über die Kopfhörer Informationen als würde er eine Führung durchs Haus erleben.

Ähnlich wie es Piloten in professionellen Flugsimulatoren ergeht, kann es zu leichten Einschränkungen des Gleichgewichts kommen, weil das Hirn der „Reisenden“ zwischen der Realität im Husumer Museum und dem virtuellen Rundgang durch die Villa in New York hin und her schalten muss. Eines ist klar: Wer die Brille absetzt, landet abrupt wieder auf seinen Füßen im Nissenhaus.

Der Raum, in dem die Reise beginnt, wird von Videokameras überwacht, denn das Museum kann für die teure Technik dauerhaft kein Aufsichtspersonal stellen. Wünschenswert wäre es dennoch, wenn Besucher persönlich angesprochen und betreut werden könnten, denn für die meisten wird es sicher das erste Mal sein, eine solche Brille aufzusetzen. Franziska Horschig sucht daher ehrenamtliche Helfer, die die Gäste in die Benutzung einweisen können. „Es würde schon reichen, wenn wir zu den Stoßzeiten, also am Wochenende etwa zwischen 10 und 12 Uhr und nachmittags von 14 bis 16 Uhr jemanden vor Ort hätten, der freundlich und hilfsbereit in den Umgang mit der VR-Brille einweist. Zusätzlich hängen jedoch auch Informationstafeln an der Wand.“

Mehr im Internet: https://www.ludwig-nissen.de/nordfriesland-museum/

die-ausstellung/virtual-reality/

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