Per Helikopter zur Arbeit : Pendler, die in die Luft gehen

Reger Start- und Landebetrieb herrscht dieser Tage auf dem Flugplatz Husum-Schwesing.
Reger Start- und Landebetrieb herrscht dieser Tage auf dem Flugplatz Husum-Schwesing.

Vom Flugplatz Husum-Schwesing aus gelangen Fachkräfte zu ihren Arbeitsplätzen in den Meeres-Windparks. Das Offshore-Segment bietet Entwicklungspotenzial für die Flughafen-Gesellschaft.

shz.de von
07. Mai 2015, 14:00 Uhr

Hasso von Dammann schaut sich den Flugplan an. Mehr als 15 Lande- und Startflüge sind an diesem Tag angemeldet, erklärt der Geschäftsführer der Flughafen Husum GmbH & Co. KG und zeigt auf den Plan. Dabei handele es sich ausschließlich um angemeldete Hubschrauberflüge im Offshore-Segment.

Soeben ist die „D-HHMH“ gelandet, ein Hubschrauber, der bis zu 15 Personen aufnehmen kann und im Auftrag des Netzbetreibers Tennet fliegt: Fluggäste sind Techniker von der SylWIN-Alpha-Umspannstation vor Sylt. „Sie müssen regelmäßig ausgetauscht werden“, berichtet Harald Heimerdinger. Und während er über seine Arbeit als Offshore-Hubschrauberpilot berichtet, kündigt sich bereits in weiter Ferne eine weitere Maschine an. Es ist die etwas kleinere „D-HAOE“. Sie kommt vom Nordsee-Windpark „Dan Tysk“. Schon am Morgen hatte sich kurz vor 8 Uhr die „D-HKMO“ im Tower bei Hasso von Damman zur Landung angemeldet. Dieser Hubschrauber bedient die Offshore-Forschungsstation „Fino 3“.

„Schwesing ist als Dreh- und Angelpunkt für die Arbeit an Offshore-Windparks Gold wert.“ So sehen es einige Techniker. Sie haben sich in den vor gut vier Wochen aufgestellten Containern direkt neben dem Tower für den Abflug vorbereitet und ihre Sicherheitsanzüge angezogen. Währenddessen hat Pilot Heimerdinger seine Maschine wieder vollgetankt. Insgesamt fasst der Tank etwas mehr als 2000 Liter Kerosin. Für den Flug zu „SylWIN“ und weiter nach Emden sind gut zwei Stunden Flugzeit angemeldet. „In dieser Zeit verschluckt die D-HHMH stündlich gut 500 Liter Sprit“, erklärt der Pilot. Das seien natürlich ganz andere Dimensionen als bei einem Auto. Bevor die Türen von außen verschlossen werden und die Maschine an den Start rollt, werden die Gurte jedes einzelnen Technikers genau überprüft.

Das Projekt „SylWIN“ umfasst ein 160 Kilometer langes Seekabel zum Anschluss von Windparks vor Sylt. Der auf See erzeugte Drehstrom wird in einer Offshore-Konverterplattform in Gleichstrom umgewandelt. Im Meeres-Windpark „Dan Tysk“ stehen 80 Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von jeweils fast 150 Metern und einem Rotordurchmesser von 120 Metern. Der dort produzierte Windstrom wird in einer Umspannplattform gesammelt und von 33 auf 155 Kilovolt transformiert. Dann fließt die Energie durch ein zehn Kilometer langes Anschlusskabel weiter zur Konverterplattform „SylWIN“.

Um 18.45 Uhr kündigt sich nochmals die „D-HHMH“ an, um nach einem kurzen Tankaufenthalt weiter nach Emden zu fliegen.

Flugplatz und Heliport

Der Flugplatz Husum-Schwesing ist nicht nur Offshore-Heliport für die Westküste, sondern ein Verkehrslandeplatz für den allgemeinen Luftverkehr und zugelassen für Flugzeuge bis 14 Tonnen sowie Helikopter bis 10 Tonnen Abfluggewicht. Zudem kann der Flugplatz von Luftschiffen, Ultraleicht- und Segelflugzeugen bei Tag und Nacht genutzt werden. Alle Flüge werden nach den Sichtflugregeln abgewickelt. Bei einer geschlossenen und tief liegenden Wolkendecke sind keine Starts und Landungen möglich. Der Platz bietet Betankungs- und Unterstellmöglichkeiten für Flugzeuge.

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