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Nachfolger für die Organisation gesucht : Pause für die Kulturnacht?

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Tourismus- und Stadtmarketing GmbH in Husum hat die Organisation der zwölften Kulturnacht niedergelegt. Wegen vielfältiger und stetig wachsender Aufgaben im Tourismus-Geschäft sei dies nicht mehr zu leisten, heißt es in der Begründung.

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erstellt am 22.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Damit hatte wohl niemand ernsthaft gerechnet. Entsprechend groß war die Überraschung, als Jutta Albert Anfang des Monats in einem Schreiben an ihre Mitstreiter ankündigte, die Kulturnacht 2014 „nicht mehr organisieren zu können“. 2006 hatte die Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing GmbH „diese Aufgabe“ vom Museumsverbund Nordfriesland übernommen. Acht Jahre lang liefen die Fäden danach in der TSMH zusammen, betreuten Albert und ihr Team das ambitionierte, stetig wachsende Kulturprojekt ehrenamtlich mit. „Aber das können wir nicht mehr leisten“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Seit 2006 hätten sich die Bedingungen in der Tourismus-Branche so grundlegend geändert, dass „wir alle Kapazitäten brauchen, um unsere gute Stellung am Markt zu behaupten und auszubauen“, berichtet die Tourismus-Fachfrau. Markt und Medien wandelten sich derart schnell, dass es für das vorhandene Personal ohnehin schon schwer genug sei, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Das habe Albert auch dem Aufsichtsrat deutlich gemacht, bestätigt Uwe Schmitz. Der Bürgermeister weiß, dass solche „aufgesattelten Aktivitäten“ mit enormem organisatorischen und personellen Aufwand verbunden sind und hat daher Verständnis für Alberts „nachvollziehbare und auch absehbare Entscheidung“.

2014 dürfte diese allerdings unweigerlich auf eine Kulturnacht-Pause hinauslaufen, denn in der Kürze der Zeit wird sich wohl kaum ein Mitstreiter finden, der den Teil der TSMH übernimmt. Hinzu kommt, dass der Termin für die 12. Kulturnacht – vorgesehen war der 19. Juli – auch noch mit dem ersten „Husum Open Air“ auf dem Gelände des Nordsee-Congress-Centrums (NCC) zusammenfiele, zu dem unter anderem die Band BossHoss erwartet wird.

Museumsverbund Nordfriesland, Volkshochschule und Speicher wären vielleicht die einzigen Kulturträger, die diese Veranstaltung anstelle der TSMH organisatorisch betreuen könnten, aber auch dort sind die personellen Kapazitäten überschaubar. Außerdem ist die Volkshochschule seit einigen Jahren schon gar nicht mehr dabei. Für den VHS-Direktor ist die Veranstaltung „klassisch Stadtmarketing“. Allerdings räumt er ein, dass man dafür dann auch das nötige Personal brauche. „Wir könnten das übernehmen“, so Hans-Peter Schweger, „aber nicht mit der bisherigen Ausstattung. Und ob wir selbst wieder dabei wären, wäre damit auch nicht entschieden.“

Noren Fritsch schließt sich dem nahtlos an. Als Alberts Schreiben im Speicher ankam, dachte deren Geschäftsführerin zunächst nur: „Schade.“ Immerhin sei die Kulturnacht die einzige Veranstaltung gewesen, an der sich ganz unterschiedliche Kultureinrichtungen gemeinsam beteiligt hätten. Auf der anderen Seite sei von Beginn an ein „hochwertiges Programm“ erwartet worden, „für das kein einziger Cent zur Verfügung gestellt wurde“. Die Einnahmen gingen immer an die TSMH, „aber das war wohl nie mehr als eine Unkostenpauschale“. Die Verantwortung, die Kulturnacht am Leben zu erhalten, sieht Fritsch bei der Stadt, aber das gehe natürlich nur, wenn sie dafür auch Geld in die Hand nähme. Unter den jetzigen Umständen „könnten wir die TSMH jedenfalls nicht beerben“, sagt sie – und möchte das auch gar nicht.

Also doch alles auf Anfang? Dr. Uwe Haupenthal winkt ab. „Wir machen gerne mit“, sagt der Geschäftsführer des Museumsverbundes Nordfriesland, „aber das Ganze in die Hand nehmen können wir nicht“. Das gelte nicht einmal für den Fall, „dass wir Geld und Personal zur Verfügung gestellt bekämen“, spitzt er die „Nachfolge-Debatte“ noch einmal zu. Im Museumsverbund sei auch ohne Kulturnacht genug zu tun. „Und irgendwann geht eben auch nichts mehr.“

Info: Alle an einen Tisch

Wie es mit der Kulturnacht weitergehen könnte, das soll am Dienstag, 11. Februar, Thema eines Treffens im Nordsee-Museum sein. „Wir möchten alle Beteiligten der Veranstaltung, aber auch Politik und Verwaltung einladen, sich in einem offenen Dialog mit dieser Frage zu beschäftigen“, sagte dessen Geschäftsführer, Dr. Uwe Haupenthal, gestern gegenüber unserer Zeitung. Dabei müsse es nicht nur um die Frage gehen, ob die Kulturnacht in der jetzigen Form fortgeführt werden soll. „Vielleicht gibt es ja auch noch ganz andere ideen“, so Haupenthal. Die Sitzung im Nissenhaus beginnt um 16 Uhr.

Kommentar: Geiz ist nicht immer geil
 

Wenn es um kulturelle Dinge geht, bemühen Politiker gern schon mal Carl Valentin: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Doch ansonsten halten es die meisten wohl eher mit Mike Krüger: „Ist das Kunst, oder kann das weg?“ Man muss halt Prioritäten setzen, und neben wirklich wichtigen Themen wie Schweinemast, Straßenbau und Wirtschaftswachstum ist Kultur nun mal eine Nebensächlichkeit.

Einen Aufschrei gibt es immer erst dann, wenn’s mal nicht mehr so läuft – wie jetzt bei der Kulturnacht. Ehrenamtlich ins Leben gerufen und ehrenamtlich durch die Jahre getragen, droht dieser jetzt das Aus. Die TSMH kann und will sie nicht länger organisieren. Zeit und Energie gehen in andere Aktivitäten: Online-Marketing und -Vertrieb, Mobiles und Social Media Marketing. Man muss nicht jedes dieser Worte verstehen, um zu begreifen, dass auch sie eine Menge Arbeit machen.

Für Kultur gilt das nicht, denn die macht sich bekanntlich von allein – sprich ehrenamtlich. Dadurch bringt sie der Wirtschaft, Verwaltung und Politik einen umso hübscheren Mitnahme-Effekt. Alle schmücken sich damit und loben den ehrenamtlichen Helfer, bis er vor lauter Zuwendung zusammenbricht. Aber Kultur – und damit auch die Kulturnacht – sind mehr als schmückendes Beiwerk. Wenn wir, abseitig wie wir leben, auch weiterhin wollen, dass Leute zu uns kommen und qualifizierte Arbeitskräfte vielleicht sogar hier arbeiten wollen, dann muss das Umfeld stimmen. Und das wird von sozialen und kulturellen Belangen bestimmt – nicht von geilem Geiz.

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