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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2017 | 20:37 Uhr

Husum : Patt der großen Parteien

vom

Die Hoffnungen bei der SPD auf eine Sensation in Husum wurden enttäuscht. Die CDU erreicht eine knappe Mehrheit. Die FDP bewegt sich auf Augenhöhe mit der Linken.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 02:18 Uhr

Husum | Es war ein bisschen wie im Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. In den ersten 20 Minuten spielten die Sozialdemokraten (wie Dortmund) groß auf und holten ein Direktmandat nach dem anderen. Hier und da keimte sogar schon die Hoffnung auf eine kleine Sensation auf. Doch mit der Zeit wurden die Christdemokraten (wie die Bayern), die bei der Kommunalwahl 2008 noch 12 von 15 Wahlkreise direkt geholt hatten, stärker und stärker. Und kurz vor Schluss, als zwölf der neu geschnittenen 14 Wahlbezirke ausgezählt waren, lagen beide Mannschaften (CDU und SPD) fast gleichauf. Und dann geschah, was auch in Wembley den Unterschied machte: ein Hackentrick von Ribery beziehungsweise Wahlkreis I (Bornschool) - und das Spiel war gelaufen. Gegen eine Rekordwahlbeteiligung von 61,1 Prozent - im Durchschnitt waren es 42,9 Prozent - ist eben kein Kraut gewachsen. Schon gar nicht, wenn der dazugehörige Ortsteil von jeher fest in der Hand von CDU und Schobüller Wählergemeinschaft war.
So hatten die Christdemokraten am Ende also doch noch gut lachen. Zwar bekamen sie im zuletzt ausgezählten Wahlbezirk (DRK-Kindergarten) noch einmal einen Dämpfer, da hier die SPD mit 37,3 Prozent die meisten Stimmen und ihr letztes Direktmandat holte. Und das war schon insofern bemerkenswert, als dort mit Torsten Schumacher (SPD) und Sven-Thomas Schmidt-Knäbel (CDU) zwei alte Hasen gegeneinander antraten. Doch am Ende des wechselvollen Wahlabends reichte es dann doch für eine knappe Stimmenmehrheit der CDU, die 2380 Stimmen oder 30,2 Prozent auf sich vereinigen konnte, während es bei der SPD nur 2234 Stimmen beziehungsweise 28,3 Prozent waren.

Keine Aufblähung der Stadtverwaltung


Nicht umgewöhnen müssen sich die beiden "Großen" im Hinblick auf die Gesamtzahl ihrer Sitze im Stadtverordnetenkollegium. Nach dem Ausscheren der Husumer Liga vor zwei Jahren - die dreiköpfige Splitterfraktion verzichtete in diesem Jahr auf eine Kandidatur - war die CDU-Fraktion von zwölf auf neun Sitze geschrumpft. Genauso viele hatte die SPD. Und das ist auch jetzt nicht anders. Überhaupt hat die etwas gleichmäßigere Verteilung der Direktmandate - auf die CDU entfielen fünf - zumindest eine unverhältnismäßige Aufblähung der Stadtvertretung verhindert. Die hätte für den Fall gedroht, dass eine der beiden großen Fraktionen überproportional viele Wahlkreise direkt gewonnen, die absoluten Stimmzahlen aber relativ nahe beieinander gelegen hätten. So aber bleibt alles beim Alten. Bis auf die Tatsache, dass die Grünen mit drei statt bisher zwei Personen ins Stadtverordnetenkollegium einziehen, der SSW seine drei Sitze behält und die WGH trotz vergleichsweise geringer Einbußen aufgrund der neuen Zählweise von sechs auf vier Sitze reduzieren muss. Die FDP hat ihre Fraktionsstärke eingebüßt und bewegt sich ab sofort auf Augenhöhe mit der Linken, die auch nur einen Stadtvertreter ins jetzt 30-, vormals 33-köpfige Kollegium entsendet. Summa summarum ist also nicht nur eine Flut von Überhangmandaten ausgeblieben, sondern auch die Zahl der Stadtvertreter gesunken.
Am deutlichsten stand die Enttäuschung der FDP ins Gesicht geschrieben, deren Vorsitzender Jörn Kieback sichtlich um Fassung rang. Und der künftige Alleinvertreter der Liberalen im Kollegium, Lothar Knoll, räumte ein: "Wir sind eben beide nicht wie Siegfried Schulze-Kölln." Der Altliberale hatte sich nicht noch einmal zur Wahl gestellt. Dennoch will die FDP "nach vorne schauen". Und dazu hat sie ebenso guten Grund wie die anderen "Kleinen", denn durch das Patt der "Großen" sind häufig wechselnde Mehrheiten wahrscheinlich. Das sieht auch Frank Hofeditz so. "Ich bin sehr, sehr froh", sagte der Grüne, "wir haben erstmals drei Sitze und fühlen uns in unserer Arbeit bestätigt."
Das geht der Wählergemeinschaft nicht so, vor allem weil sie durch die neue Zählweise zwei Sitze verloren hat. Woran es gelegen hat, dass die WGH in der Wählergunst nachgelassen hat, wollte deren Vorsitzender Reimer Tonder gestern allerdings noch nicht kommentieren: "Das werden wir in den kommenden Tagen analysieren." Peter Knöfler wiederum glaubt, dass die Position des SSW zur Messe "doch ein paar Stimmen gekostet haben dürfte", ist aber im Großen und Ganzen zufrieden - nur nicht mit der Wahlbeteiligung. Diesen Punkt unterstreicht auch die scheidende Bürgervorsteherin Birgitt Encke (CDU), während sich ihr Ortschef Jan Sörensen - über den Gewinn seines Wahlkreises noch "völlig aus dem Häuschen" - vor allem über den Endspurt seiner Partei freute. Als Gewinner sieht sich allerdings auch die SPD, die laut Matthias Ilgen "wieder auf Augenhöhe" mit der CDU agieren kann und "neue politische Gestaltungsräume jenseits der Christdemokraten" sieht.
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