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Wohnungsbau in Husum : Park-Probleme und Papier-Tiger

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Dilemma zwischen Wohnungs- und Parkplatznot: Husums Politik findet noch keine rechte Lösung.

von
erstellt am 08.Apr.2017 | 16:00 Uhr

Um politische Entscheidungsprozesse erklären zu können, ist es manchmal hilfreich, ein Sprichwort zur Hilfe zu nehmen. Im Falle der jüngsten Diskussion um die Anzahl von Parkplätzen vor Neubauten im Umwelt- und Planungsausschuss passt am ehesten der Satz: Wasch mir den Pelz, aber mach’ mich nicht nass. Die Politik will dafür sorgen, dass in Husum dringend benötigter bezahlbarer Wohnraum entsteht. Problem: Eine Verdichtung des Stadtbildes führt in manchen Stadtteilen zu akuten Parkplatzproblemen – und darüber regen sich die Anwohner auf. Aber die will Politik – ein Schalk, wer dieses Bemühen mit dem Wahlkampf in Verbindung bringt – natürlich nicht verärgern.

Eine Gemengelage, die zu Anträgen wie jenem führt, den der Umwelt- und Planungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung diskutierte. Nach einem Vorschlag der Christdemokraten soll die Zahl der Stellplätze vor den geplanten Gewoba-Häusern auf dem ehemaligen Grundstück der Iven-Agßen-Schule von 0,7 je Wohnung auf einen Parkplatz erhöht werden. Allerdings: Die Planungen für dieses Baugrundstück sind schon recht weit fortgeschritten. Müssten aufgrund eines politischen Beschlusses mehr Parkplätze her, würde dies den Bau der Wohnungen zwangsläufig verzögern. Das möchte die CDU nun aber auch nicht. Deshalb knüpft sie die Umsetzung des Antrags an eine Bedingung: Verzögert sich das Bauverfahren aufgrund von behördlichen Einwänden, wird die Parkplatzzahl erhöht, ansonsten bleibt es bei der bisher geplanten Anzahl. Bauamtsleiter Jörg Schlindwein der Politik sogleich erläuterte, dass derartige Einwände nicht vorlägen. Somit geriet der Antrag zum Papiertiger – die Politik segnete ihn dennoch ab.

Dem Beschluss ging eine emotional geführte Diskussion über die Rödemisser Parkplatzsituation generell vorweg. Anwohner schilderten nachdrücklich, dass diese aus ihrer Sicht schon jetzt nicht tragbar sei. Politiker aller Fraktionen erklärten, das Problem sei ihnen bewusst. Allerdings steht die Politik auch in der Pflicht, Wohnraum zu schaffen. Und genau da liegt die Crux, denn gerade in jüngster Zeit zeigt sich immer offener, dass Wohnraum nicht gleich Wohnraum ist. Viele Menschen aus reicheren Bundesländern wie Hessen oder Baden-Württemberg fuhren regelmäßig an die Nordsee in den Urlaub. Und immer mehr wollen nun auch ihren Lebensabend in Husum verbringen. Das hat die Immobilienpreise an einigen Stellen in die Höhe getrieben.

Gleichzeitig fehlt es trotz einer wachsenden Zahl von Baugebieten weiter an erschwinglichem Wohnraum. Eine insoweit vertrackte Situation, als auch Privatinvestoren und Genossenschaften sehr genau kalkulieren müssen, um die geforderte Mietpreisbindung garantieren zu können. In Wohngebieten mit Einfamilienhäusern seien Parklätze daher meist kein Problem, erläuterte Bauamtsleiter Schlindwein in einem Nachgespräch. Aber dort wo – noch dazu öffentlich geförderter – Geschosswohnungsbau entstehe, gestalte sich die Sache oft wesentlich komplizierter. Und da ist noch etwas: Der Öffentliche Personennahverkehr wurde zuletzt erheblich verbessert. Das werfe die Frage auf, ob das Auto – gerade auch in den Städten – noch immer das höchste Gut sein müsse.

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