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Husumer Nachrichten

23. August 2017 | 18:20 Uhr

Husum : Paradies für Amphibien

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zurück zum Ursprung könnte der Titel eines Projektes im Schobüller Wald sein, bei dem es um mehr Heideflächen und ein Paradies für Amphibien geht.

Dramatisch verändert sich das Landschaftsbild nördlich des Schobüller Waldes. Wenn gewaltige Maschinen, sogenannte Harvester, nördlich von Schobüll auf Wittland einen ganzen Fichtenwald umlegen, wird es mit Sicherheit nicht nur Zustimmung geben. „Wir rechnen schon mit Anrufen besorgter Bürger“, erklärt Franz Brambrink, Leiter der Fachabteilung Umwelt des Kreises Nordfriesland.

Die Bäume werden nicht gefällt, weil das Holz dringend benötigt wird oder die Bäume krank sind – nein, der Forst wird komplett umgebaut. Die nicht standorttypischen Fichten verschwinden, dafür werden Buchen und Eichen gesetzt. Was später an Nadelholz dazukommt, ist natürliche Wildvermehrung. „Erstmal wird es sehr kahl aussehen, doch schnell dürfte ein neues Wäldchen aufwachsen“, sind Jens Feddersen und Michael Drechsler vom Verein Naturengagement Bürgerwindparks Nordfrieslands (NBN) überzeugt. Sie zeichnen gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises verantwortlich für diesen massiven Eingriff in eine scheinbar intakte Naturlandschaft.

Doch natürlichen Ursprungs ist diese bei Spaziergängern und Hundefreunden so beliebte Ecke nördlich des Schobüller Waldes, zwischen Husum und den Gemeinden Hattstedt und Wobbenbüll, beileibe nicht. Die Landschaft wurde vom Menschen gestaltet, hat sich nicht nach den biologischen Regeln entwickelt. Nun versucht der NBN dieses Areal wieder der Natur zu übereignen, ohne dabei aber die Menschen auszusperren. „Selbstverständlich bleiben die Spazierwege erhalten. Doch mit Rücksicht auf die langsam aufwachsenden Pflanzen werden einige Bereiche auch eingezäunt“, sagt Jens Feddersen.

Gut zwölf Hektar werden umgebaut – ein Teil der Arbeiten hat bereits begonnen. Eine Fläche ist großräumig abgeschoben worden, damit sich die dortige Restheide wieder ausbreiten kann und nicht weiter überwuchert wird. Bis zum Hügelgrab am Schobüller Berg soll sich die Heide schon in wenigen Jahren hinziehen. Ein wenig weiter hangabwärts war ein ehemaliger Graben erweitert worden. Jetzt sind dort einige kleine Teiche entstanden, die vom Hangwasser gespeist und durchströmt werden.

Viel augenfälliger als die Kleingewässer sind aber ein aufgeschütteter Wall und vier in der offenen Fläche entstandene Amphibienlebensräume. Die flachen Gewässer wurden von Amphi-Consult angelegt und bieten nun von der Ufergestaltung her optimale Bedingungen für diese Tiere. Zum Bau waren bereits im Herbst die ersten Bagger in das Gebiet gerollt.

In den nächsten Tagen wird sich vor den Augen der Spaziergänger der Blick vom Berg in die Marsch drastisch verändern. Denn neben dem Wäldchen wird auch noch eine markante Reihe von Fichten gefällt, die in Reih und Glied eine Laubwaldanpflanzung neben dem Hügelgrab vor dem Wind geschützt hat. Mittlerweile sind die Bäume so groß geworden, dass sie zu viel Licht nehmen – und sie gehören eigentlich, wie es Drechsler sagt, auch nicht in diese Landschaft hinein.

Die Umbauarbeiten verschlingen etwa 60.000 Euro, hinzu kommt noch der Ankauf des Geländes, im Schnitt kostet der Hektar 16.000 Euro. „In diesem bei Spaziergängern und Joggern so beliebten Gebiet achten die Menschen auf die Natur“, weiß Feddersen. Immer wenn dort am Umbau der Natur gearbeitet worden sei, hätten Passanten die Mitarbeiter der Unternehmen angesprochen und sich über die Maßnahmen informieren lassen.

Langfristig werde es wieder eine Blickachse vom Schobüller Berg bis in die Marsch hinein geben, die nicht durch Fichtenbestände blockiert werde, freut sich der Kreisvertreter Franz Brambrink, die Vertreter des NBN stimmen ihm zu.

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