Betrug vor Gericht : Pärchen betrügt Supermärkte in Serie

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Binnen zwei Monaten Schäden von über 5000 Euro in Unternehmen in Husum und Umgebung.

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01. August 2018, 12:00 Uhr

Das hätte sie bis zu einem Jahrzehnt hinter Gitter bringen können: Ein Pärchen stand jetzt vor Gericht, weil es in Serie in Supermärkten in Husum und Umgebung gefälschte Einkaufsgutscheine der Sozialzentren vorlegte und damit in Einzelfällen Waren im Wert von mehr als 500 Euro ergaunerte. Wollte das Personal in den Märkten die Angaben auf den Gutscheinen lieber mit den Ausweisen der beiden vergleichen, zückten sie zudem gefälschte Papiere mit ihren Fotos und Fantasienamen.

16 Straftaten aus dem Sommer 2017 listete der Staatsanwalt auf. In der Kreisstadt und den Dörfern tauchten sie damals oft Tag für Tag reihum an einem anderen Ort auf. Sie legten ihre Waren im Wert zwischen 41 und 558 Euro auf das Band an der Kasse und „bezahlten“ mit gefälschten Gutscheinen, die denen vom Sozialzentrum ähnelten.

Kommissar Zufall beendete die Serie. Als das Pärchen bei einem Discounter gerade an der Kasse seine Masche durchziehen wollten, rief die Mitarbeiterin vorsichtshalber in einer benachbarten Filiale des selben Unternehmens an und fragte, ob Gutscheine der Sozialzentren überhaupt angenommen werden dürften. Den Anruf bekam der zufällig auf seiner Husum-Tour anwesende Regionalleiter mit und schaltete sich wegen ungewöhnlicher Vor- und Zunamen ein. Er eilte zu dem Markt, in dem die beiden gerade waren und rief die Polizei hinzu – der Beginn gründlicher Ermittlungen in so ziemlich allen namhaften Märkten der Region.

Zum Prozess brachten die Frau und der Mann jeweils eigene Verteidiger mit, die unterschiedliche Strategien verfolgten. Während der Anwalt des Mannes das volle Eingeständnis seines Mandaten und dessen Willen zu einem geordneten Berufs- und Familienleben vortrug, stritt seine Partnerin trotz einer extra für ein Gespräch mit ihrem Anwalt eingelegten Pause die Teilnahme an einer Handvoll Taten rundweg ab. Allerdings erkannte der als Zeuge geladene Regionalverkaufsleiter vor Gericht die Frau gleich wieder. „Doch, da sitzt sie ja.“

Das Gericht hatte zu klären, ob es gewerbsmäßiges Vorgehen sieht. Das Strafmaß dafür kann bis zu zehn Jahre betragen. Am Ende erhielt die Frau unter anderem wegen Betruges, Diebstahls und Urkundenfälschung eine Jugendstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Beim Mann sah das Gericht tatsächlich gewerbsmäßigen Betrug und gewerbsmäßige Urkundenfälschung sowie andere Tatbestände und urteilte daher schärfer: ein Jahr und acht Monate. Beide Urteile wurden auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die Angeklagten haben das Urteil angenommen.

Der Gegenwert der ergaunerten Waren muss zurückgezahlt werden, 2800 Euro von der Frau und 2760 Euro vom Mann. Jetzt wollen sich beide auf ihr Familienleben mit einem kleinen Kind konzentrieren. Beide versicherten, in Zukunft straffrei leben zu wollen.

Wer nun glaubt, das kriminelle Vorgehen ließe sich leicht kopieren, irrt. Hans-Martin Slopianka, der Sprecher des Kreises, weist darauf hin, dass die Sozialzentren Geldleistungen in der Regel ohnehin auf das Bankkonto ihrer Klienten überweisen. „Gutscheine werden nur ausgegeben, wenn jemand sich mehrfach etwas hat zuschulden kommen lassen, etwa Termine verpasst hat – dieses war ein Einzelfall.“

Das Jobcenter habe aber trotzdem sofort reagiert, um Wiederholungen auszuschließen: „Künftig wird es fälschungssichere Gutscheine eines externen Dienstleisters geben, die die Discounter anschließend mit dem Sozialzentrum abrechnen.“ Die Arbeit daran soll in Kürze abgeschlossen sein.

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