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Sanierung statt Saisoneröffnung : Ostenfelder Bauernhaus noch nicht so weit

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Ostenfelder Bauernhaus – Deutschlands ältestes Freilichtmuseum in Husum – eröffnet die Saison erst im Juni. Zunächst müssen noch das undichte Reetdach, die von Schädlingen befallene Bausubstanz und der marode Lehmfußboden erneuert werden.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Kein Scherz: Das Ostenfelder Bauernhaus startet am 1. April nicht – wie vom Museumsverbund Nordfriesland zunächst angestrebt – in die Saison. Für die längst überfällige Instandsetzung des ältesten Freilichtmuseums Deutschlans sind zwar bereits Fördermittel in Höhe von 240.000 Euro bereitgestellt worden, doch weist das Reetdach derzeit noch Wellblech-Flicken auf. „Im Juni beginnen die Reetdacharbeiten“, erklärt Anja Weinert. Trotzdem, so die Verwaltungsleiterin beim Museumsverbund, soll die Einrichtung in der Nordhusumer Straße 13 in zwei Monaten geöffnet werden. „Wir bieten dann Anschauungsunterricht in Sachen Reetdecken“, kündigt Weinert an – und spricht auch hier von einem Wunschtermin: „Es kann unter Umständen auch der 10. oder 20. Juni werden.“

Zunächst muss jedoch die erheblich von Schädlingen befallene Bausubstanz und der restaurierungsbedürftige Lehmfußboden des Museums, um das es zuletzt nicht allzu gut bestellt war, erneuert werden. Die Verschleißschicht des Reetdaches ist abgenutzt, so dass – insbesondere bei Regen – über das Tauwerk, mit dem das Reet gebunden ist, Feuchtigkeit ins Innere des Hauses gelangt. Das Dach muss deshalb komplett neu gedeckt werden. Außerdem sind sämtliche Holzteile einschließlich des gesamten Fachwerks auszuwechseln. Der Klopfkäfer – ein Schädling mit Affinität zu erhöhter Luftfeuchtigkeit, der sich im Holz einnistet und sich von dessen Bestandteilen ernährt – hat ganze Arbeit geleistet. Seine Fraßgänge wirken sich negativ auf die Stabilität der Bauteile aus.

Was den Lehmboden im Wohnbereich angeht, so ist er rissig und von Algen durchsetzt – Mängel, die unter anderem daraus resultieren, dass der Boden 1986 nicht kunstgerecht eingebracht wurde. „Ziegelsteine ersetzten daher künftig den Lehm“, erläutert Ernst Dinse vom Museumsverbund. Der ist seit 1997 Betreiber des niederdeutschen Fachhallenhauses, das 1899 in Ostenfeld abgetragen und in Husum auf dem Grundstück des Asmussen-Woldsen-Vermächtnisses wieder aufgebaut und als Museum begründet wurde. Seither kann sich die Öffentlichkeit dort jedes Jahr von April bis Oktober ein lebhaftes Bild vom Alltagsleben der agrarischen Kultur des 18. und 19. Jahrhunderts machen. Wer möchte, darf sogar selbst Hand anlegen – zum Beispiel an den rund 150 Jahre alten Webstuhl. Das Exponat gehört neben einer Windfege zur Kornreinigung, verschiedensten Pflügen, Küchenutensilien und zahlreichen weiteren Gebrauchsgegenständen zu einem sehr umfangreichen und über die Jahre gewachsenen Inventar. Die kunsthandwerkliche Ausgestaltung vieler Mobiliarstücke in „Döns“ (Wohnstube) und „Pesel“ (Festraum) – darunter reich beschnitze Truhen, Schränke und zwei Wandbetten (Alkoven) – zeugt indes vom bäuerlichen Wohlstand aus früheren Zeiten.

Zwar ist auch das Inventar renovierungsbedürftig, doch dafür wären weitere Sponsoren nötig. Denn die kürzlich bereitgestellten Fördermittel sind ausschließlich für das Gebäude bestimmt. Als gelernter Maler wüsste Ernst Dinse in vielen Fällen, was zu tun ist – selbst tätig werden darf er allerdings nicht. „Das tut einem natürlich manchmal in der Seele weh“, gibt er zu. Der Pensionär kann die Neu-Eröffnung kaum erwarten. Dinse betreut das Haus seit 25 Jahren und steckt viel Herzblut in seine Führungen. Leider sei die Zahl der Besucher – insbesondere die der Schulklassen – in dieser Zeit zurückgegangen.

„Insgesamt bin ich zuversichtlich, dass sich das Ganze positiv entwickeln wird“, gibt sich der Museumsführer angesichts der Rundum-Erneuerung seiner Wirkungsstätte aber optimistisch. Bereits im vergangenen Jahr wurden im Ostenfelder Bauernhaus regelmäßige und damit besucherfreundlichere Öffnungszeiten eingeführt. Ein Ausflug in diese andere, von der Hektik der Zeit scheinbar unberührt gebliebene Welt, lohnt sich allemal.

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