Deutschlands ältestes Freilichtmuseum : Ostenfelder Bauernhaus ist gerettet

Erstrahlt in neuem alten Glanz: das Ostenfelder Bauernhaus, Deutschlands ältestes Freilichtmuseum.
Erstrahlt in neuem alten Glanz: das Ostenfelder Bauernhaus, Deutschlands ältestes Freilichtmuseum.

Nach Schwamm- und Schimmelbefall: Das Ostenfelder Bauernhaus in Husum öffnet nach einjähriger Sanierungspause wieder seine Tore. Zum Internationalen Museumstag gibt es ein buntes Fest.

shz.de von
14. Mai 2015, 16:00 Uhr

Deutschlands ältestes Freilichtmuseum, das Ostenfelder Bauernhaus in Husum, bleibt der Nachwelt erhalten. Vom Schimmel bedroht, ist es ein Jahr lang aufwendig saniert worden. Am Sonntag (17. Mai), dem Internationalen Museumstag, wird es jetzt mit einem Bunten Fest wiedereröffnet.

Das Bauernhaus hat eine wechselvolle 116-jährige Geschichte. 1899 auf Betreiben des Heimatforschers Magnus Voss an der Nordhusumerstraße 13 wiederaufgebaut, steht das niederdeutsche Hallenhaus für bäuerlich geprägte, nordfriesische Baukultur. Ein schwarzes Kapitel in seiner Geschichte war der Brand von 1986. Später wurde immer wieder einmal über eine erneute Versetzung des Gebäudes nachgedacht – ohne greifbares Ergebnis. Aber eines stand schließlich fest: Das auch überregional bedeutende Museums-Denkmal soll erhalten und nach Möglichkeit weiterentwickelt werden.

Das Gebäude befindet sich seit 2002 im Besitz der Asmussen-Woldsen-Stiftung. Dessen musealer Betrieb aber fällt in den Zuständigkeitsbereich des Museumsverbundes Nordfriesland. In den vergangenen Jahren wies es erhebliche Schäden auf, sodass eine umfassende Sanierung nötig war. Das Bauernhaus litt vor allem unter Feuchtigkeit, Schimmel und Schwamm. Deshalb musste das weitläufige, etwa 400 Quadratmeter umfassende Reetdach samt der Latten erneuert werden. Die neue Konstruktion verfügt nun über eine eigene Belüftung sowie eine innere Entlüftung, was die Schimmelbildung laut Experten weitgehend verhindern soll.

Der Fußboden im Bereich des Pesels und des Altenteils samt Vorraum hat neue, lose ausgelegte Ziegeln erhalten, nachdem der alte Lehmboden entfernt und ein Bett aus Unterbeton, eine Isolierschicht sowie ein Brechkiesbett installiert worden waren. Unter dem Beton befindet sich darüber hinaus eine geklebte Wanne, die aufsteigende Bodenfeuchtigkeit zurückhält.

Zwar befand sich in historischer Zeit auch im Pesel und Altenteil lediglich ein verfestigter Lehmboden – doch waren, wohl um musealen Ansprüchen zu genügen, die Flächen nach dem Wiederaufbau des Hauses in Husum 1899 mit Rotsteinen ausgelegt worden. Diese wurden jedoch nach dem Brand von 1986, wohl aus Kostengründen, nicht erneuert.

Im Altenteil des Bauernhauses wurde das vom Kellerschwamm befallene Mauerwerk gereinigt. Darüber hinaus musste die Holzdecke ebenso ausgetauscht werden wie diejenige im Siddel, dem alten Wohnbereich der Bauersfamilie. Altenteil und Pesel verfügen nun erstmals über Belüftungsklappen. Zudem waren weitere Holzarbeiten unumgänglich. Zudem wurden neue elektrische Leitungen verlegt und eine moderne Alarmanlage installiert. Fachlich begleitet wurden die Restaurierungsarbeiten durch den Landeskonservator und Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Michael Paarmann.

Da das Museum aufgrund der Baumaßnahmen 2014 geschlossen war, nutzte Museumswart Ernst Dinse die Zeit, um das Mobiliar im Wohnbereich aufzuarbeiten und den gescheckten Nagekäfer sowie den Holzwurm in verschiedenen Objekten zu bekämpfen. Daneben verhalf er Metallobjekten zu neuem Glanz.

Bereits 2012 musste der in Husum gefertigte, sogenannte Rotter Abendmahlschrank aus dem Jahre 1642, zweifelsohne das Prunkstück des Ostenfelder Bauernhauses, aus konservatorischen Gründen in das Nordsee-Museum in Husum überführt werden, wo er nach seiner Restaurierung zu bewundern ist. Um die entstandene Lücke zu schließen, hat die Nissen-Stiftung jedoch einen vergleichbaren Schrank aus der Flensburger Schnitzschule von Heinrich Sauermann erworben. Dieses gute Stück wird zu Saisonbeginn im Frühjahr im Siddel aufgestellt.

Möglich wurde die Sanierung des Ostenfelder Bauernhauses durch ein Sonderprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (aus diesem Topf kamen 190  000 Euro), das Denkmalschutz-Sonderprogramm des Landes (20  000 Euro), das Asmussen-Woldsen-Vermächtnis (20  000 Euro) und die Stadt Husum (10  000 Euro).

Buntes Fest am 17. Mai



Am Internationalen Museumstag, 17. Mai, von 11 bis 16 Uhr, werden die Türen des historischen Hauses nach der aufwendigen Restaurierung zum ersten Mal wieder für Besucher geöffnet. Der Museumsverbund Nordfriesland lädt aus diesem Anlass zu einem bunten Fest ein. Der Eintritt ist frei. Neben Live-Musik locken Info-Stände der IG Baupflege, des Imker-Vereins und der Husumer Werkstätten ebenso wie museumspädagogische Angebote (Textilweben und Bernsteinschleifen). Die jungen Besucher erleben, welche Kinderspiele einst gespielt wurden und die Älteren können sich bei einem geführten Rundgang über die Bau- und Restaurierungsarbeiten informieren. Ein historischer Hanomag-Trecker steht für Fahrten durch Husum bereit, und gegen eine Spende können Stauden und Kräuter erworben werden. Künftige Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, von 12 bis 17 Uhr.

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