Ehre, wem Ehre gebührt : Oscar für eine Plattdeutsch-Heldin

Klaus Schlie (li.) und Truels Hansen überreichten Susanne Dircks, die extra für diesen Anlass die Eiderstädter Tracht angezogen hat, „Dat grote P“.
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Klaus Schlie (li.) und Truels Hansen überreichten Susanne Dircks, die extra für diesen Anlass die Eiderstädter Tracht angezogen hat, „Dat grote P“.

Unermüdlicher Einsatz im Dienste der niederdeutschen Sprache: Susanne Dircks wurde in Garding mit dem „groten P“ ausgezeichnet

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09. Juli 2015, 16:00 Uhr

Es ist kein einziger Parkplatz mehr frei auf dem Gardinger Kirchplatz. Und im alten Rathaus, dem Stallerhuus, wimmelt es nur so von Leuten. Darunter ist auch regionale Prominenz wie Landtagspräsident Klaus Schlie, die stellvertretende Kreispräsidentin Margarethe Ehler und Shanger Ohl von der Band Godewind. Sie alle sind gekommen, um eine ganz besondere Frau zu ehren. Ihr Name: Susanne Dircks. Sie soll „Dat grote P“ bekommen. „Aber nicht im Gesicht und auch nicht das P für Parkplatz“, scherzt Ingwer Oldsen, Leiter des Fördervereins für das Plattdeutsche Zentrum in Leck (ZFN). „Dat grote P“ ist vielmehr der Plattdeutsche Oscar unter den Auszeichnungen. „Dat P steiht för Plattdüütsch“, erklärt Truels Hansen, der Vorsitzende des ZFN-Fördervereins.

Der Verein vergibt das gläserne, dreidimensional geformte „grote P“ alle zwei Jahre – in diesem Jahr zum siebten Mal. Preisträger sind unter anderem Hans-Heinrich Kolbeck, die nordische Band Godewind, die Schleswiger Speeldeel und Dr. Annemarie Jensen. Während in den vergangenen Jahren das kulturelle Engagement im Mittelpunkt stand, beeindruckt Susanne Dircks mit ihrer ehrenamtlichen Leistung als Schoolmeistersche. Mit Herzblut sorge sie dem ZFN zufolge dafür, dass Plattdeutsch als lebendige Sprache unvergessen bleibt. Als ihr der damalige Vorsitzende des Fördervereins, Helmut Wree, der im März überraschend verstarb, erzählte, dass er sie für „Dat grote P“ vorschlagen will, war Dircks’ erster Gedanke: „Das kann doch wohl nicht wahr sein! Ich bin doch nur ein kleines Licht, weder Godewind noch Frau Doktor!“

Ihrem Motto – „Man muss es nicht nur wollen, man muss es auch tun“ – wird die Schobüllerin jeden Tag von Neuem gerecht. Ihr Terminkalender ist voll. „Susanne steiht morgens um Klock söss al op. Se hett denn veles to regeln. Ik gloov, se hett ganz faste Tieden, plaant is sogor ehr Tass Kaffee. Oma-Dag, Kinnergorn-Dag, School-Dag, Ferienhuus vermieten, Vördrääg utarbeiten“, beschreibt Oldsen den Alltag der 74-Jährigen. Geboren und aufgewachsen ist Dircks in Hamburg, wo sie von ihren Großeltern Plattdeutsch gelernt hat. Als sie vor rund 50 Jahren ihre Tätigkeit als Lehrerin begann, kam sie an eine Grund- und Hauptschule in Uelvesbüll. Da die Kinder dort meist nur Platt sprachen, passte sie sich an – und die Liebe zur Sprache wuchs. Gäbe es ein Plattdeutsches „who is who“, so wäre die Liste der Leistungen unter dem Namen Susanne Dircks lang. Ein Ausschnitt: Plattdeutsch im Kindergarten, Plattdeutscher Unterricht in der Schule, Plattdeutscher Klönschnack in Garding, Plattdeutschkurse bei der VHS in Garding und ehrenamtliche Tätigkeiten in Vorständen von vielen Vereinen. Darunter die Fruunsboßlers.

Ständig ist sie auf der Suche nach neuen Unterrichtsideen, mit denen sie Kindern Platt beibringt. Am liebsten auf spielerische Art – mit Handpuppen. Und in Handpuppen will sie einen Teil des Preisgeldes in Höhe von 500 Euro investieren. Der andere Teil fließt in einen Klassensatz Plattdeutscher Lehrbücher für die Schobüller Bornschool. Ausruhen wird sich Dircks nicht auf dem „groten P“. Sie hat noch viel vor: Kurse an der Volkshochschule geben, mit Kindern arbeiten, nach Südamerika reisen – und natürlich bei jeder Gelegenheit die Plattdeutsche Fahne hochhalten mit den Worten „Et gah un wohl op uns olen Dage!“.

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