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St. Peter-Ording : Orts-Chronisten beenden ihre Arbeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Auflösung des St. Peteraner Vereins ist beschlossene Sache. In mehr als 30 Jahren hat die AG Orts-Chronik viel für das Gemeindeleben getan.

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erstellt am 24.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Was schon länger angekündigt war, ist nun vollzogen: Die AG Orts-Chronik von St. Peter-Ording ist Geschichte. Der Verein beschloss in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung seine Auflösung. 28 der 150 Mitglieder waren dazu ins Museum der Landschaft Eiderstedt gekommen. 25 stimmten mit Ja, drei enthielten sich. Nach fast 31 Jahren, mehr als 4000 Seiten Ortsgeschichte in 28 Bänden sowie anderen Publikationen und der Gestaltung der Historischen Insel im Dorf hört der Verein nun auf. Doch die Arbeit soll nicht beendet sein. Viele der Aktiven wollen sich künftig im Verein Kulturtreff, der sich um das Museum der Landschaft Eiderstedt kümmert, engagieren, allen voran der AG-Vorsitzende Claus Heitmann, der auch dort Mitglied des Vorstandes ist. Das Geld- und Sachvermögen fällt an die Gemeinde. Wunsch der AG ist, es auf den Kulturtreff zu übertragen. Am Ende der Versammlung war Heitmann sichtlich erleichtert, dass die Auflösung reibungslos vonstatten gegangen war. Im Vorfeld hatte es Stimmen dagegen gegeben.

Es gibt verschiedene Gründe für die Beendigung der Arbeit erklärte Heitmann, der von Anfang an im Vorstand war. „Die Chronik des Ortes ist abgeschlossen. Wir haben 2015 schon kein blaues Heft mehr herausgegeben.“ Von den 300 Mitgliedern, die es zu Spitzenzeiten gab, seien nur 150 nachgeblieben, es gebe kaum Zuwachs. „Und für mich selbst habe ich gesagt: Ich werde 77, nun ist gut. Ich will lieber rechzeitig abtreten, als nachher rausgeschoben zu werden.“ Zentral für ihn ist aber, dass Kulturtreff und Orts-Chronik beide die gleiche Arbeit leisten. „Das muss nicht parallel laufen, zwei Vereine sind nicht notwendig.“ Den AG-Mitgliedern sei selbstverständlich freigestellt, in den Kulturtreff einzutreten. Es gebe bereits 36 Doppel-Mitglieder, ergänzte Kulturtreff-Vorsitzende Hilke Herzberg.

Obwohl Heitmann eigentlich keine Grußworte auf der „Beerdigung“ wollte, meldete sich am Ende Bürgervorsteher Boy Jöns zu Wort. „Ich danke herzlichst im Namen der Gemeinde für die Arbeit und für manche mahnenden Worte.“ Es sei immer gut zu wissen, wo man herkommt. Die AG habe die Funktion des Gewissens der Gemeinde gehabt.

Die AG Orts-Chronik hat in den mehr als 30 Jahren ihres Bestehens viel für das Gemeindeleben getan. An erster Stelle ist da die Historische Insel mit dem Backhaus zu nennen. Die Backtage locken oft hunderte Besucher an, die dort Brot und Kuchen kaufen und im Sommer im Schatten der Bäume genießen. Das erste größere Projekt, das immer noch sichtbar ist, war 1995 die Skulptur „Jan und Gret“ am Marktplatz. Die erste öffentliche Aktion war die Markierung des Standortes der zweiten Ordinger Kirche auf der Sandbank, die dort von 1593 bis 1724 stand, bis sie versandete und umgesetzt werden musste, wie es im Jubiläumsheft der AG Orts-Chronik heißt. Es folgte die Markierung der Süderhöfter Kapelle. Die AG veranstaltete 1989 auch das erste Biikebrennen in St. Peter-Ording, das sich heute zu einem großen Event entwickelt hat und von der Tourismus-Zentrale organisiert wird.

Weitere Projekte waren die Errichtung des Glockenturms für die St.-Peter-Kirche 1999. Die Orgel hatte durch die Glocken im Dachreiter schaden genommen. „Do hebt wie uns wat opladen“, meinte damals Karl Wiese, einer der vier Holzbearbeitungs-Rentner der AG. Gemeinsam mit Karl-Heinz Hansen, Karl-Heinz Peters und Fritz Fock verwirklichte er das ehrgeizige Vorhaben. Schon im nächsten Jahr machten sie sich an den Bau des Stöpenhauses im Dorf. Um dann 2006 das Backhaus und damit die Historische Insel in Angriff zu nehmen. Daran arbeiteten außerdem Helmut Boness, Franz Jörgensen, Franz Schön, Joachim Korupp, Walter Petersen, Stefan Cornils und Ernst Lütjens mit. Im Februar 2007 wurde das Backhaus eingeweiht.

Im Laufe der Jahre wurde die Historische Insel um den Eiskeller, das Schipperhus, einen Stockenstieg, eine Deichpforte, einen Schüttkoben, ein Eiderstedter Heck, einen Duckdalben, einen Deichstein, einen Scheuerpfahl und im vergangenen Jahr um den Vierrutenbarg, eine offene Erntescheune, ergänzt. Für alle diese Projekte hat die AG Orts-Chronik fleißig Spenden gesammelt, und so manches Mal besorgt in die Kasse geschaut. Darüberhinaus wurden Hinweisschilder zu besonderen Plätzen und Bauten, Flutpfähle, Grabsteine für verdiente Bürger, ein Schaukasten an der Bücherei, Modellbauten im Museum, der Ulstrupstein auf der Bövergeest, eine Bank am Böhler Leuchtturm, das Kirchenschiff, das Spielhaus an der Schule und eine Entenkoje verwirklicht oder bei der Errichtung geholfen. Mit der Auflösung des Vereins fällt nun das Geschaffene, auch das Archiv, an die Gemeinde. Gespräche darüber, alles an den Verein Kulturtreff zu übergeben, laufen. Die AG hat also ihre Ziele erfüllt. Das letzte, die Diskussion um die Ortsentwicklung, will Claus Heitmann auf jeden Fall weiterverfolgen.

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