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Der Sturm Kommt : Orkan-Vorhersage wirbelt alles durcheinander

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schulen, Kindergärten und Weihnachtsmärkte schließen, Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt: Nordfrieslandbereitet sich auf “Xaver“ vor. Küstenschützer erwarten gleich drei Sturmfluten nacheinander.

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erstellt am 05.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Die Wucht des Orkans „Christian“, dessen Schäden vielerorts noch nicht einmal behoben sind, steckt vielen Küstenbewohnern noch in den Knochen. Hektische Betriebsamkeit löste denn auch die Prognose aus, dass mit dem Orkantief „Xaver“ erneut schwere Schäden sowie Sturmfluten drohen. Während sich die Feuerwehren und andere Hilfsorganisationen auf den nächsten Großeinsatz einstellen, kamen gestern morgen beim Kreis Nordfriesland und mittags beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) zum ersten Mal die Krisenstäbe zusammen.

Aufgrund des prognostizierten Orkans und der möglichen Gefahren für die Schulkinder fällt heute der Unterricht an allen öffentlichen Schulen in Nordfriesland aus. Dies gilt auch für den Schulbusverkehr. Einschränkungen sind auch im übrigen Bus- und Bahnverkehr zu erwarten. Als Heimaufsicht hat der Fachdienst Jugend und Familie des Kreises Nordfriesland überdies den nordfriesischen Kindertagesstätten empfohlen, ihre Einrichtungen heute und morgen zu schließen. An die Ämter und Städte erging seitens der Kreis-Ordnungsbehörde die Empfehlung, die Organisatoren und Beschicker der Weihnachtsmärkte die Schließung und Sperrung der Märkte nahezulegen bzw. dies anzuordnen.

Während die Deutsche Bahn ankündigte, den Sylt-Shuttle zwischen Niebüll und Westerland ab Windstärke zwölf einzustellen, stellt die Wyker Dampfschiffsreederei (WDR)
heute und morgen den Fährverkehr von und zu den Halligen komplett ein. Abgesehen von den Frühfähren von und zu den Inseln Föhr und Amrum sind für heute alle weiteren Abfahrtstermine gestrichen, für Freitag gibt es dann aktuelle Hinweise auf Fahrplan-Änderungen. Auch der Fährverkehr nach Pellworm ist von erheblichen Einschränkungen betroffen.

Parallel dazu wurden gleich reihenweise für heute und Freitag geplante Veranstaltungen abgesagt. So ist die für heute vorgesehene öffentliche Sitzung des nordfriesischen Nationalpark-Kuratoriums auf Donnerstag, 12. Dezember verschoben worden und die Veranstaltung „So schmeckt Religion“ im Rahmen der Weltethos-Wochen im Breklumer Christian-Jensen-Kolleg aufs neue Jahr. Auch die ursprünglich für Freitag anberaumte Sitzung des Kreistages Nordfriesland ist ein Opfer der Wetterlage. Nordfrieslands stellvertretender Kreispräsident Siegfried Puschmann hat entschieden, die Tagung auf den 13. Dezember zu verschieben.

Im großen Sitzungssaal des Husumer Kreishauses, wo die Abgeordneten eigentlich über den Haushalt des Kreises für 2014 beraten wollten, zieht stattdessen der Führungsstab des Landrates ein, um sich von dort aus jederzeit ein umfassendes Bild der Lage verschaffen und Einsatzkräfte vor Ort bei der Gefahrenabwehr gegebenenfalls unterstützen zu können. Von heute Morgen an sowie die Nacht hindurch bis Freitag früh soll dort ein knappes Dutzend Fachleute die Entwicklung im Blick haben. „Es wird wohl durchaus kräftig werden“, erwartet Sebastian Schildger vom Fachdienst Rettungswesen des Kreises Nordfriesland. Alle nötigen Vorbereitungen seien getroffen. Dabei gehe man von einer Sturmlage und ausdrücklich nicht vom „Katastrophenfall“ aus.

„Wir sind gut vorbereitet“, sagt auch der Chef des Küstenschutz-Landesbetriebs, Dr. Johannes Oelerich. Zwar werden drei Sturm-Tiden nacheinander erwartet, aber denen sehen die Fachleute gelassen entgegen. Alle Landesschutzdeiche seien sicher und in einem guten bis sehr guten Zustand. Das haben laut Oelerich sowohl eine Sicherheitsüberprüfung aller Deiche im Jahr 2011 als auch die jährlichen Deichschauen bestätigt. Erwartete Hochwasserstände zwischen zwei und zweieinhalb Metern über mittlerem Hochwasser könnten den Deichen nichts anhaben und reichten auch bei der Deichbaustelle auf Nordstrand nicht an die unbegrünte Kleischicht heran. „Bei 3,50 Meter würden wir uns ernste Gedanken machen“, macht der Küstenschutz-Experte deutlich. „Davon sind wir weit entfernt.“ Und: Schleswig-Holstein habe die Lehren aus der Sturmflut von 1962 gezogen, ein Jahr danach den Generalplan Küstenschutz aufgelegt, seitdem alle zehn Jahre fortgeschrieben und die Deiche „erheblich ertüchtigt“.

An den sandigen Küsten der Inseln Sylt, Amrum und Föhr rechnet er aufgrund der Sturmflut-Serie allerdings mit erheblichen Verlusten und Dünen-Abbrüchen. Bei allem Verständnis für Menschen, die das Naturschauspiel vor Ort erleben wollen, warnte Oelerich gestern davor, Dünen zu betreten, „wenn die Nordsee davor tobt“. Auch appellierte er, Wege an der Küste freizuhalten für Einsatzfahrzeuge.

Den Überblick über die aktuelle Situation auf den Inseln und an den 360 Kilometer langen Nordsee-Deichen hat ein halbes Dutzend Fachleute im Husumer LKN-Einsatz- und Lagezentrum. Bisher nur im Zuge der Ölabwehr genutzt, kommt dieses erstmals bei einer Sturmflut zum Einsatz. Oelerich: „Wenn es nicht so schlimm kommt, hat es Übungscharakter. Wenn es komplizierter wird, als wir denken, sind wir auch darauf vorbreitet.“

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