Tönning : Orgel mit großer Klangvielfalt

Bis heute verbindet Christian Hoffmann eine Freundschaft mit Günter Beutling, der entscheidend am Orgelneubau mitwirkte.
Bis heute verbindet Christian Hoffmann eine Freundschaft mit Günter Beutling, der entscheidend am Orgelneubau mitwirkte.

Die 40 Jahre alte Orgel in der Tönninger St.-Laurentius-Kirche wird am Sonntag (10. Juni) mit einem Evensong gefeiert.

shz.de von
10. Juni 2018, 18:00 Uhr

„Eine Kirche ohne Orgel ist wie ein Körper ohne Seele“ sagte einmal Albert Schweitzer. Wenn sie einmal im Gottesdienst schweigt, dann fehlt etwas. Der Tönninger Organist und Kirchenkreiskantor Christian Hoffmann ist auch nach 23 Jahren immer noch begeistert, wenn er „seine“ Orgel in der St. Laurentius-Kirche spielt, denn sie bietet eine große Klangvielfalt und immer wieder entdeckt er für sich neue Möglichkeiten. Er liebt es, die dreimanualige Paschen-Orgel mit ihren 3017 Pfeifen, 42 Registern und als Besonderheit mit einem Glockenspiel in den schönsten Klangfarben erklingen zu lassen. 40 Jahre ist das königliche Instrument schon alt und nie hat es weder Hoffmanns Vorgänger noch ihn selbst im Stich gelassen. Bis auf kleinere Reparaturen und Wartungsarbeiten ist bis heute alles im grünen Bereich. „Sie deckt sämtliche Klangfarben und damit Orgelliteratur von Barock bis zur Romantik ab“, sagt der 52-Jährige. Aber auch äußerlich hat das Instrument einen würdigen Rahmen erhalten. Das wertvolle Orgelgehäuse aus dem Jahre 1682 konnte weitestgehend erhalten bleiben. Nur Seitenteile wurden im alten Barockstil erneuert.

Der Geburtstag soll morgen um 18 Uhr mit einem Evensong gefeiert werden. Dabei handelt es sich um eine Gottesdienstform als gemeinschaftliches Abendgebet, die in der anglikanischen Kirche gang und gäbe ist. Orgelvorspiele und von der Orgel begleitete Chorgesänge spielen eine große Rolle. Die Orgel wird Kristian Schneider aus Elmshorn spielen. Pastorin Gisela Mester-Römmer wird predigen. Anschließend gibt es einen kleinen Umtrunk, auch auf der Empore vor dem „Geburtstagskind“.

Als Hoffmann sich 1995 – er war in Bad Sooden/Hessen Kantor – um die Stelle bewarb, kannte er Tönning noch nicht. Er reiste in die Eider-Stadt, um sich umzusehen und vorzustellen. Man empfing ihn mit offenen Armen. Am 1. April 1995 trat er seinen Dienst an. „Ich konnte aus dem Vollen schöpfen. Die Bedingungen waren sehr gut. Nach und nach wurde die Arbeit umfangreicher.“ So arbeitete er mit der Kantorei, zwei Kinderchören, gründete 1999 den Gospelchor, wurde Leiter des Propsteikantatenchores Eiderstedt, war für die Ausbildung des Orgel-C-Kurses im Kirchenkreis zuständig, organisierte Konzerte, erarbeitete jährlich Kinder-Musicals oder gab mit dem Vokalensemble zwei bis drei Konzerte im Jahr. 2009 wurde er Kirchenkreiskantor.

Zurück zur Orgel: Der Kieler Orgelbauer Hinrich Otto Paschen erhielt 1976 den Auftrag, das 1681 erbaute große Tönninger Instrument neu zu gestalten. Es war durch Schäden und Umbauten kaum noch bespielbar. „Es war eine Qual. Fast immer musste ich vor dem Gottesdienst irgendetwas reparieren“, weiß Günter Beutling (89). Er war von 1972 bis 1992 Organist und Kantor in Tönning. Bereits 1966 habe der damalige Kirchengemeinderat beschlossen, dass eine neue Orgel her muss. Weil aber die dringend nötige Turmsanierung dazwischen kam, sei das Projekt verschoben worden. 310.000 DM habe das neue Instrument gekostet. Am 29. Oktober 1978 wurde die neue Orgel dann schließlich feierlich eingeweiht.







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