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Gestörte Verbindung : Ohne Technik kein Englisch

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für die Halligkinder von Nordstrandischmoor funktionierte der virtuelle Unterricht mit einem Lehrer in Kiel nicht mehr – bis Dieter Knörr kam. Der Geschäftsmann aus Bredstedt spendierte zwei Laptops und einen W-LAN-Router.

„Die Garage ist zwar eingerichtet, aber bei uns steht ein Käfer und in Kiel ein Lamborghini“, zieht Ruth Hartwig-Kruse einen ganz eigenen technischen Vergleich des E-Learnings zwischen der Hallig Nordstrandischmoor und Kiel. Seit ein paar Jahren kommunizieren die Schüler der fünften bis neunten Klasse auf dem kleinen Eiland sowie auf den Halligen Oland, Langeneß und Hooge in einem virtuellen Klassenzimmer über eine Webkonferenz-Sofware mit einem Lehrer in der Landeshauptstadt und erhalten auf diesem Weg ergänzenden Englischunterricht.

Auf Nordstrandischmoor möchten Henrik Hartwig (14), Erik Hartwig (12), Svea Glienke (8) und Kjell Lorenzen (7) die wichtige Fremdsprache lernen. Sie besuchen die 1. und 2. sowie 6. und 8. Klasse, sitzen in einem Raum und werden von Lehrer Erk Lorenzen in den anderen Fächern gemäß ihres Alters parallel unterrichtet. Ihre Englischstunden per virtueller Konferenz funktionierten jedoch immer öfter nicht richtig. Die Technik wollte nicht so recht mitmachen. „Die Schüler waren mehr und mehr frustriert“, fasst Lehrer Lorenzen die Stimmung zusammen. Die Betonung liegt dabei auf „waren“, denn nun ist die Welt im Wattenmeer für die Halligkinder wieder in Ordnung – auf jeden Fall in Sachen Englisch. Denn eines Tages kamen per Lore zwei Laptops und ein W-LAN-Router zu ihnen über den Damm, ebenso zwei Männer: Der gebürtige Bayer Dieter Knörr und sein nordfriesischer Mitarbeiter Michael Klotzke. Sie überbrachten ihr „Gepäck“ als Geschenk für die Schule.

Die Bredstedter Versicherungsagentur von Dieter Knörr hatte ein Hilferuf von Ruth Hartwig-Kruse erreicht, nachdem ein Laptop von einem Schüler „geschrottet“ worden war – aus Sicht der Halligbewohnerin ein Versicherungsfall, was es dann allerdings nicht war. Doch der computerversierte Unternehmer fand eine Lösung. Da in der Agentur regelmäßig die Laptops ausgewechselt werden, um stets auf dem neuesten Stand zu sein, kam ihm die Idee, privat aktiv zu helfen. Obendrauf kaufte Knörr noch einen W-LAN-Router, um die Schule technisch auf Vordermann zu bringen. Seit mehr als 30 Jahren wohnt der Bayer in Nordfriesland und fühlt sich Land und Leuten verbunden, deshalb stand für ihn sofort fest, zu helfen. Auch mit seiner Freizeit – denn beim ersten Besuch in der Schule fehlten einige Details, um die Computer in Gang zu kriegen. Also reiste Dieter Knörr ein zweites Mal in die Halligwelt und machte alles komplett. „Es war einfach schön zu sehen, wie sich die Kinder gefreut haben.“

Als er die Laptops überreichte, war die gesamte Elternschaft vertreten, was in Anbetracht der geringen Schülerzahl kein Wunder war. Insgesamt wohnen große und kleine Leute – im Alter von drei bis 83 Jahren – auf Nordstrandischmoor. Die kommenden 13 Jahre ist der Schulunterricht auf Nordstrandischmoor gesichert, ist Elternbeiratsvorsitzende Carmen Glienke optimistisch.

Laut Insel- und Halligregelung heißt es: Solange ein Kind schulpflichtig ist, muss der Unterricht vor Ort stattfinden. Das E-Learning findet mehrmals in der Woche statt, vor Zeiten des W-LAN-Routers per Satellit oder Computerstick eines Telefonanbieters. „Wir haben dank Dieter Knörr nun unsere Hausaufgaben gemacht und hoffen, dass unsere Halligkinder von Kiel nicht wieder abgehängt werden“, betonte Hartwig-Kruse.

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erstellt am 29.Sep.2013 | 12:00 Uhr

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