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Totaler Netzausfall : Ohne Strom geht nichts mehr

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Feuerwehr Koldenbüttel und Fachleute informierten über die Folgen eines möglichen totalen Netzausfalls. Ohne Strom würden nicht nur die Handys nicht mehr funktionieren, auch an den Tankstellen könnte kein Sprit mehr in die Autotanks gepumpt werden.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 18:00 Uhr

Ein Abend in der Länge eines Kinofilms – aber spannender als jeder Thriller: „Stromausfall – und dann?“ lautete die Frage – und gut 100 Teilnehmer erhielten Antworten von Fachleuten. Natürlich wurde während der drei Stunden auf Einladung der Feuerwehr Koldenbüttel in Reimers Gasthof auch diskutiert, denn solch ein Ereignis hat weitreichende Folgen und betrifft jeden. Experten sind sich einig: „Es ist nicht die Frage, ob ein langanhaltender Stromausfall kommt, sondern nur wann.“

Moderator Roland Strauss, der im Katastrophenstab des Kreises sitzt, begrüßte Thomas Jaquet – Leiter der Netzführung der Netzleitstelle in Rendsburg – sowie Filialleiter Jörg Heise vom Sky-Verbrauchermarkt in Friedrichstadt und dessen Kollegin Sabine Witt aus Lunden. Jaquet berichtete, dass vor fünf Jahren die TenneT-Leitstelle in Hannover zwei Fälle im Jahr registrierte, wo es für die Netzsicherheit gefährlich wurde – heute seien es 200 im Jahr. Die Folgen eines Blackouts sind gravierend. Ampeln und Mobilfunknetze funktionieren nicht mehr, Zapfhähne an den Tankstellen bleiben ebenso tot wie der Bargeldautomat oder das Funknetz – Fahrstühle bleiben stecken. Wie reagiert das zuständige Ministerium in solch einem Fall? Jaquet: „Aus dem Innenministerium hat man uns gesagt, für ein Satellitentelefon haben wir kein Geld. Also haben wir eines hingestellt. So ist es um den Katastrophenschutz bestellt.“ Roland Strauss, der eine dazu vorliegende 240-Seiten Bundesstudie durchgeackert hat, trug die Zusammenfassung in nur einem Satz vor: „Dreiviertel der Bevölkerung ist auf eine Katastrophe gar nicht eingestellt.“

Und wie auch sollte die Bevölkerung informiert werden? Rundfunkgeräte bleiben ebenso stumm wie die örtlichen Sirenen. Das zuständige Wasserwerk in Rantrum hat vorgesorgt: Eine Notstromanlage und 7000 Liter Diesel können bis zu 20 Tage überbrücken. Auch die Abwasserpumpen stehen still. Da die Tankstellen „tot“ bleiben, wird die Husumer Mineralölfirma Peters im Katastrophenfall ihre 20 Tankzüge zur Verfügung stellen. „Treibstoff gibt es, denn die Raffinerie in Hemmingstedt ist autark – das Problem ist der Transport von A nach B“, betonte Strauss.

Filialleiter Jörg Heise verdeutlichte das Szenario in einem Einkaufsmarkt: „Die Türen lassen sich nicht öffnen, die Scanner, die Waagen und die elektronischen Kassen funktionieren nicht mehr. Und schließlich fällt die Kühlung aus, die Waren verderben.“

Zur Frage der öffentlichen Sicherheit sagte Strauss: „Wie das aussieht, kann sich ja jeder leicht ausmalen.“ Wie steht es schließlich um die pflegebedürftigen Menschen zu Hause, wenn das Heimbeatmungsgerät seinen Dienst einstellt – und wie kommen Dialysepatienten in die Klinik? Viele bange Fragen zwischendurch. Auch diese: „Wie kommen wir aus dem Haus, wenn sich die Sicherheitsjalousien nicht mehr öffnen lassen – und was ist mit den vielen Reisenden in den Zügen, die auf unzugänglicher freier Strecke steckenbleiben?“ Strauss: „Viele Aufgaben werden auf die Feuerwehren verteilt. Selbst Notfallpatienten werden wir befördern müssen – egal wie. Fakt ist: Die örtlichen Feuerwehren werden Anlaufstellen für die Bevölkerung werden.“ Der Förderverein der Feuerwehr Koldenbüttel hat reagiert und ein Notstromaggregat angeschafft. Wehrführer Volker Schlotfeld: „Wir müssen uns darauf einrichten. Das Gerätehaus wird gerade umgerüstet, unter anderem wird auch ein notfallfähiges analoges Telefon installiert.“

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