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Streitfaktor Laubbläser : Ohne Laubbläser müssten zehn Leute ran

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Laubbläser sind eine echte Arbeitserleichterung und aus dem Alltag des Kommunalen Servicebetriebes Husum nicht mehr wegzudenken. Doch nicht jeder Bürger ist von den lautstarken Geräten begeistert.

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erstellt am 30.Okt.2017 | 10:00 Uhr

Der unvergleichliche Loriot deutete schon in die richtige Richtung, als er mit dem Slogan „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann“ Fernsehgeschichte schrieb. Aber wie heißen die jüngsten Verwandten des gemeinen Staubsaugers denn nun wirklich? Sicher ist, dass Laubsauger beziehungsweise -bläser ziemlich laut sein können. Aber saugen sie noch, oder blasen sie schon? Die Antwort ist: beides. Jedenfalls haben viele Geräte diese Doppelfunktion. Doppelbegabte also, an denen sich die Geister scheiden und die zur Hochsaison – also jetzt – so manchen Nachbarschaftsstreit heraufbeschwören.

Der eine hält Laubsauger/-bläser für die überflüssigste Erfindung seit Einführung der Kiwi-to-go-Box; andere sehen sie als Prototyp für technische Innovation und wirtschaftliche Effizienz. Thomas Leißner, Teamleiter beim Kommunalen Service-Betrieb Husum (KSH), kann sich ein Arbeitsleben ohne Laubsauger schon gar nicht mehr vorstellen. „Wir haben die hier in allen Variationen“, sagt er und bemüht einen Vergleich: „Was ein Püster schafft, dafür bräuchten wir sonst zehn Mitarbeiter.“ Weil sich das nicht rechnet, hat Leißner für den Bauhof ein ganzes Arsenal von Laubbläsern angeschafft. Zu 90 Prozent benutzen seine Leute aber nicht die Saug-, sondern nur die Blasfunktion. Grund: „Andernfalls würde das Laub und alles, was an Getier darin steckt, aufgesaugt und gehäckselt“, erläutert er, „so wie das auch bei einem Rasenmäher mit Absaugung und Grasauffang der Fall ist.“ Da hätten Kleinstlebewesen und Insekten keine Chance. „So aber pusten wir den Weg frei und die Blätter links und rechts in die Rabatten.“

Der KSH ist im Auftrag der Stadt Husum für die Verkehrssicherung zuständig, muss also beispielsweise dafür sorgen, dass Radfahrer auch im Herbst und Winter unbeschadet zum Beispiel den Auweg entlangfahren können. „Aber dort Blätter einzusammeln, wäre Unfug“, sagt Leißner. „Deshalb blasen wir sie einfach zur Seite.“ Das sei nicht an jeder Stelle im Stadtgebiet möglich, „aber an vielen. Und wir denken natürlich auch an die Umwelt“, erklärt er unter Hinweis auf das jüngst beobachtete massenhafte Insektensterben. Dennoch: Für die Arbeit seiner Leute sind Laubsauger inzwischen unverzichtbar. „Dessen ungeachtet setzen sie so effektiv wie möglich ein.“ Da beobachtet er im Privaten bisweilen anderes, „zum Beispiel, wenn jemand das Laub vor seinem Haus von A nach B und dann wieder von B nach A pustet.“ Ob das noch Sinn macht . . . ? Leißner zuckt mit den Achseln.

Da der KSH keine Geräte verwendet, die mehr als 100 Dezibel haben, hält sich offenbar auch der Lärm in Grenzen. „Außerdem benutzen wir die Laubbläser nur während der Dienstzeiten.“ Und um die Gesundheit der eigenen Leute nicht zu gefährden, hält sich der Betrieb strikt an die gesetzlichen Vorschriften und verwendet statt eines Zweitaktergemisches nur Benzinersatzkraftstoff. Begründung: Zweitakter können den Kraftstoff nicht vollständig verbrennen. Das birgt die Gefahr, krebserregende Gase einzuatmen. Beschwerden über den Einsatz von Saugbläsern gebe es – anders als in anderen Städten – äußerst selten bis gar nicht, berichten Leißner und die Pressesprecherin der Stadt Husum unisono.

Für den Einsatz von Saugbläsern spricht aus Sicht des Experten vor allem deren Flächenleistung. „Das ist mit Harke und Besen nicht zu erreichen“, erläutert Leißner. Übrigens: Effizientere Geräte sind nicht unbedingt lauter. Auch hier gilt: Qualität hat ihren Preis. Mittlerweile gebe es sogar akkubetriebene Geräte: „Da fällt dann zwar das Motorgeräusch weg, aber der Luftstrom ist natürlich immer noch da“, so der Mann vom KSH.

Leißner benutzt auch privat einen Laubbläser. „Ich habe aber 2000 Quadratmeter Grund vor der Brust. Da werden einem sonst ja die Arme lang.“ Bei 300 Quadratmetern empfiehlt er allerdings Handarbeit – schon wegen der frischen Luft und der Bewegung. Überhaupt sollte man genau nachdenken, ob und wann man Laubsauger einsetzt, findet Leißner.

Da geht der Gartenfreund ganz schnell in die Luft: Gefragt, wie sie es denn mit dem Laubsaugen, beziehungsweise -rechen halten, reagierten die Leserinnen und Leser der Husumer Nachrichten recht meinungsfreudig: Da wird der Nachbar beklagt, der die Blätter sinnlos im Garten von einer Seite zur anderen pustet oder über den Hausmeister geschimpft, der den Laubbläser wegen jedes einzelnen Blattes anwirft. „Mich ärgert schon lange, dass diese Höllenmaschinen nicht einmal vor Friedhöfen halt machen. Wobei schon die Bezeichnung Friedhof diese Geräte von selbst verbietet. Laubrechen, Schaufel und Karre tun es viel friedlicher“, schreibt uns Kurt Nissen. Auch Britta Mesrogli ist stark dafür, den Blättern auf manuellem Wege den Kampf anzusagen: „Da schlagen Umweltverbände Alarm, weil 75 Prozent der Insekten verschwunden sind, was Auswirkungen auf die Vogelwelt hierzulande hat – und die Kinderstube der Insekten und Kleinsttiere wird mit dem Laubbläser zerstört.“ Auch Kirsten Anton findet Laubbläser „ganz furchtbar“: „Besonders am freien Samstag morgens um 8 Uhr. So laut, dass der Laubsauger-Mensch sogar Ohrenschützer trägt!“

Dieter W. Engelhardt macht an der Frage Laubsauger versus Rechen gar das Gender-Fass auf: „Vergleichsweise teures Spielzeug für Jungs, die nicht erwachsen werden wollen“, urteilt er. Dass die „Gartenbetriebe der Städte“ auch zum Laubsauger greifen, kann er nicht gutheißen.

Bei all dieser Kritik kann man fast verstehen, dass sich Menschen, die einen Laubbläser im Schuppen stehen haben, lieber nicht zu Wort melden. Auf unseren Zeitungsaufruf outete sich lediglich ein begeisterter Nutzer: Christoph Radewald berichtet, wie er als Kind den Garten seiner Eltern per Rechen von Laub befreien musste. Offenbar ein traumatisches Erlebnis: „Blasen an den Händen waren vorprogrammiert! Der Vorschlag, uns doch bitte einen Laubsauger anzuschaffen, stieß bei meinem Vater auf taube Ohren.Um nie, nie wieder diese nervtötende Arbeit manuell zu verrichten, habe ich mir einen zugelegt. Wenn mein Vater mich nun fragen würde, ob er diesen mal leihen kann, würde ich wohl mit einem diabolischen Lachen Nein antworten.“

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