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Wohnungsbau in Husum : Ohne konkretes Konzept geht es nicht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Thema Wohnen hat den Husumer Umwelt- und Planungsausschuss beschäftigt. Dabei ging es auch um die Frage bezahlbaren Mietwohnraums.

Um die Zukunft des Wohnens ging es in der jüngsten Sitzung des städtischen Umwelt- und Planungsausschusses. Das Thema sei sehr heterogen, steckten der Geschäftsführer des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen, Christoph Kostka, und Dr. Jens-Martin Gutsche von der Firma Gertz Gutsche Rümenapp – Stadtentwicklung und Mobilität gleich zu Beginn den Rahmen ab. Über das „Forum Wohnen“ beschäftigen sich Politik und Verwaltung ja schon seit einiger Zeit mit diesen Fragen, nahm der Ausschussvorsitzende Dr. Ulf v. Hielmcrone den Faden auf. „Und im hochpreisigen Bereich hat sich ja auch schon einiges getan – und da ist noch mehr in Planung.“ Doch das alles reiche natürlich nicht aus, ließen sich die Politiker von den Experten ins Stammbuch schreiben.

Grundsätzlich sei es – nicht zuletzt aus städtebaulicher Sicht – positiv zu bewerten, dass in der Innenstadt altersgerechte Wohnungen entstünden. „Zumal das Interesse daran inner- und außerhalb Husums ungebrochen ist.“ Allerdings hätten solche Wohnungen auch ihren Preis. Und nicht jeder, der nach Husum ziehe, sei in der Lage, Eigentum zu bilden oder hochpreisigen Mietraum zu bezahlen. „Deshalb ist es wichtig, den Geschosswohnungsbau voranzutreiben“, waren sich die angreisten Experten mit den Politikern einig.

„Was wir dringend brauchen, sind kleinere Wohneinheiten für Singles, Alleinerziehende und ältere Menschen, machte v. Hielmcrone unter Hinweis auf den demografischen Wandel deutlich. „Da sprechen wir von Größenordnungen so um die 60 Quadratmeter.“ Aber zwischen den Begriffen „zentral und erschwinglich“ lägen nicht selten Welten, räumte der Ausschussvorsitzende ein. Ein Aspekt, „den wir auch deshalb im Auge behalten müssen, weil die Altersarmut, nach allem , was wir heute wissen, weiter zunehmen wird“.

Aus heutiger Sicht wäre es sicher sinnvoll gewesen, wenn die Stadt ihren eigenen Wohnraum nicht veräußert hätte. Damit könnte so manches Loch gestopft werden. „Doch dafür hätte dann auch in den Erhalt dieser Immobilien investiert werden müssen“, sagt v. Hielmcrone. Und genau das sei in den 1980er- und 90er-Jahren nicht mehr ausreichend geschehen. „Und als der Investitionsrückstand dann immer größer geworden sei, erschien der Verkauf offenbar sinnvoller.“ Dass sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt einmal so zuspitzen würde, habe damals wohl niemand im Blick gehabt.

Heute sei es deshalb umso wichtiger, „konkrete Strategien zu entwickeln, wie wir in Zukunft verfahren wollen“. Die Baugebiete liefen allmählich zu. Schon in der nächsten Sitzung (17. September, 17 Uhr, Rathaus, Raum 001) „werden wir uns mit dem Auslegungsbeschluss für die Gewoba-Siedlung in der Schobüller Straße beschäftigen, kündigte der Vorsitzende an. Und auch die Planungen für die alte Iven-Agßen- und die frühere Volkshochschule in der Theodor-Storm-Straße seien bereits im Gange.

Dessen ungeachtet hätten sich Rahmenbedingungen für den Geschosswohnungsbau in jüngster Zeit massiv verschlechtert. Bau- und Grundstückspreise seien gestiegen, „und auch die Modernisierungskosten haben spürbar angezogen.“ Wohnraum für sechs Euro pro Quadratmeter anmieten zu wollen, sei inzwischen nahezu illusorisch. „Heute müssen wir von acht Euro ausgehen“, sagt v. Hielmcrone. Unabhängig davon rieten Experten wie Kostka dazu, „nicht an den Standards zu rütteln, weil diese eine Investition in die Zukunft darstellten, und Verzicht immer auch mit einer Wertminderung einhergehe. „Wir haben in dieser Frage also einiges zu bedenken“, fasst v. Hielmcrone zusammen. „Städtebauliche und gestalterische Aspekte sind dabei nur zwei von vielen.“ Der Rückzug von Arztpraxen aus der Innenstadt, die Entwicklung der Geschäftswelt vor dem Hintergrund eines wachsenden Online-Marktes und die Frage, „ob uns mit einer Sperrung der Großstraße wirklich gedient ist“, gehören genauso dazu. Und während all das zur Diskussion steht, dreht sich die Welt natürlich munter weiter.

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erstellt am 17.Sep.2014 | 11:00 Uhr

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