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Schlechter Tausch : Ohne Heizung durch den Winter

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach einem Wohnungstausch sitzt die Pellwormerin Anita Petersen in kalten Räumen in der Husumer Ludwig-Nissen-Straße. Die Heizung im Keller ist ein Trümmerhaufen, und der Hausbesitzer kümmert sich einfach nicht darum, so ihr Vorwurf.

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erstellt am 26.Feb.2014 | 13:00 Uhr

Das Thermometer zeigte zehn Grad über Null – und mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Für die winterliche Jahreszeit nichts Ungewöhnliches. Wohl aber für Anita Petersen, denn die Angaben stammten nicht vom Außenthermometer, sondern wurden im Inneren ihrer Wohnung in der Ludwig-Nissen-Straße gemessen. Seit Oktober vergangenen Jahres geht hier fast nichts mehr. Die Heizung im Keller ist ein Trümmerhaufen. Ein Installateur, den sie in ihrer Verzweiflung anrief, sprach von „irreparabel“. Es wäre Aufgabe ihres Pellwormer Vermieters, diesen unhaltbaren Zustand zu beenden, findet die 74-jährige Witwe. Das sieht der allerdings ganz anders.

Dabei begann alles so vielversprechend. Petersen wohnte damals noch auf Pellworm, in direkter Nachbarschaft zu ihrem Vermieter. Ein Drittel des Anwesens gehörte ihr, der Rest Wolfgang Delfs, der auch Eigentümer ihrer Husumer Wohnung ist. Als dann im Herbst 2012 ihr Mann starb, wollte Petersen aufs Festland ziehen – nach Husum. „Delfs und ich vereinbarten einen Tausch“, sagt Petersen. Er sollte ihr Drittel des gemeinsamen Hauses auf Pellworm bekommen und sie dafür ein grundbuchlich gesichertes Wohnrecht in der Husumer Wohnung. Eine schriftliche Vereinbarung gab es nicht: „Wir waren doch Nachbarn“, sagt Petersen. In den ersten Monaten ging auch alles gut, obgleich die Heizung nur mit halber Kraft gelaufen sei und immer wieder merkwürdige Geräusche von sich gegeben habe. Doch als sie dann ganz ausfiel und sich immer neue Mängel einstellten, forderte Petersen den Vermieter auf, sich zu kümmern. „Er versicherte mir mehrmals, vorbeizukommen, aber dabei blieb es“, sagt sie. Auch zu einem notariellen Termin sei es bis heute nicht gekommen. „Dafür hat er die Hausschlüssel für mein Haus auf Pellworm ausgetauscht und benutzt die Wohnung seither für seine eigene Zwecke“, will Petersen in Erfahrung gebracht haben. Und zu allem Überfluss werde ihr auch noch der Stromverbrauch in Rechnung gestellt.

Ines Henning, die bis Oktober 2012 in der Ludwig-Nissen-Straße zur Miete wohnte, machte ähnliche Erfahrungen. „Ich habe Herrn Delfs mehrmals aufgefordert, Heizöl liefern zu lassen – vergebens.“ Also bestellte sie es selbst und bezahlte aus eigener Tasche. Und als sich durch mehrere Leckagen Schimmel bildete, habe sie Delfs bei einem Treffen zur Rede gestellt – ohne Erfolg. So sei auch ihr nur der Gang zum Anwalt geblieben. Seit ihrem Auszug wartet Henning auf die Rückzahlung der Miet-Kaution. „Mit Heizölkosten und Kaution schuldet Delfs mir fast 5000 Euro“, rechnet sie vor.

Zahlreiche Schreiben sind seither von den Anwälten beider Frauen geschrieben und verschickt worden, doch Reaktionen gab es nur selten, sagt Petersens Rechtsvertreter. In den wenigen Antwortschreiben habe Delfs immer wieder auf seinen Gesundheitszustand hingewiesen, weshalb er Termine nicht habe einhalten können. Auch die Aufforderung, die Pellwormer Wohnung zu räumen und Petersen die Schlüssel auszuhändigen, habe nicht gefruchtet. Für ihren Anwalt steht außer Frage, dass sie noch immer alleinige Eigentümerin der Pellwormer Wohnung ist. Statt ihr den Schlüssel zu geben, habe Delfs seiner Mandantin den Zutritt zu ihrem Eigentum verwehrt. Deshalb sei auch dessen Verkauf durch einen Makler bislang nicht möglich gewesen.

Doch es sollte noch dicker kommen: „Ich habe die Wohnung in Husum nicht dankenswert überlassen“, stellt Delfs in einem seiner wenigen Antwortschreiben fest und macht seither eine Warmmiete in Höhe von 635 Euro geltend. Die werde mit dem Haus auf Pellworm verrechnet.

Zum Glück konnte Petersen während der wenigen frostigen Tage bei ihrer Tochter in Schleswig wohnen. Doch als Anita Petersen jetzt in ihre Wohnung in der Ludwig-Nissen-Straße zurückkehrte, wartete bereits die nächste böse Überraschung auf sie. In der Küche tropfte es von der Decke, „und die Deckenverkleidung droht herunterzufallen“, sagt sie. Auch die angrenzende Wand zum Nachbarzimmer ist von oben bis unten nass. Mehrere Eimer stehen seither an der Küchentür, um das Wasser abzufangen. Die Rentnerin sucht händeringend nach einer anderen Wohnung.

Für Manfred Delfs stellt sich der Sachverhalt – wie gesagt – ganz anders da. Was die bisherige Mieterin Ines Henning betrifft, so habe er erst vor wenigen Wochen durch die Stadtwerke mitgeteilt bekommen, dass sie ausgezogen sei. Und was das Heizöl betrifft, stellt er klar: „Ich habe rechtzeitig Heizöl bestellt.“ Doch als der Lieferant vor dem Haus gestanden habe, sei klar geworden, dass Henning bereits Heizöl hatte liefern lassen. „Sie schuldet mir noch die Miete für mehrere Monate.“ Verärgert sei er über den Rechtsstreit mit Anita Petersen, sagt Delfs. Das Anwesen auf Pellworm werde er erst räumen, wenn sie die Wohnung in Husum verlassen habe. Überrascht zeigte sich der Vermieter über die schwierigen Wohnverhältnisse. So will er von der ausgefallenen Heizung und den nassen Wänden nichts gewusst haben. „Wenn das so ist, werde ich eine Schadenersatzklage gegen Petersen einreichen.“ Sie hätte ihn frühzeitig über die Situation benachrichtigten sollen. „Ich war immer erreichbar, das war nie ein Thema.“

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