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Amt Nordsee-Treene : „Ohne Gesundheit ist alles nichts“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Interview mit unserer Zeitung spricht Ralf Heßmann über die Gründe für seinen Rücktritt als Amtsvorsteher und seine Zukunftspläne.

Seit vier Jahren ist Ralf Heßmann Vorsteher des Amtes Nordsee-Treene mit Sitz in Mildstedt – und damit für 27 Gemeinden und die Stadt Friedrichstadt zuständig. Jetzt hat der Hattstedter bekanntgegeben, dass er diese Position zum 1. August abgeben möchte. Was ihn zu dieser Entscheidung bewogen hat und wie er sich seine Zukunft vorstellt – darüber spricht der 54-Jährige im Interview mit den Husumer Nachrichten.

Herr Heßmann, warum geben Sie Ihren Posten auf?

 Ich bin im April dieses Jahres erkrankt. Seit vergangenem Jahr habe ich viel Sport gemacht. Ab einem gewissen Zeitpunkt verspürte ich beim Lauftraining immer wieder ein leichtes Brennen im Brustkorb. Das wurde im April akut. Also bin ich zu meinem Arzt gegangen. Es wurde ein Belastungs-EKG gemacht, und man stellte fest, dass meine Herzkranzgefäße total verstopft waren. Nach Ostern sollte ich ins Krankenhaus. Doch bereits am Ostersonntag musste ich mit dem Notarzt in die Klinik gebracht werden. Am nächsten Tag bekam ich einen Stent – und erlitt dabei einen Herzinfarkt. Man stellte fest, dass auch zwei Bypässe nötig sind. Und das zu einer Zeit, in der ich mitten im Wahlkampf steckte. So wurde ich rausgelöscht aus dem politischen Alltag, obwohl ich gern in den Landtag gewählt werden wollte.

 Dazu kommt, dass ich nicht nur ehrenamtlich als Amtsvorsteher und als Hattstedter Bürgermeister tätig, sondern hauptberuflich als logistischer Stabsoffizier in der Kaserne für fünf Bataillone mit zuständig bin. Die Ärzte legten mir nahe, dass das zu viel auf einmal ist. Ja, das habe ich dann zugeben müssen und für mich eine Lösung gefunden. Als Amtsvorsteher muss ich 28 Kommunen unterstützen und die Verwaltung koordinieren, das kostet mich sehr viel Zeit und Kraft, zumal ich das, was ich tue, auch mit Leib und Seele mache. Ob ich die Kraft nun ein weiteres Mal hätte aufbringen können, ist fraglich. Ich wäre wieder in das Hamsterrad gekommen. Das wurde mir in der Reha klar. Deshalb zog ich für mich die Konsequenz und sagte: ‚Stopp – bis hier hin und nicht weiter. Da muss was passieren‘. Deshalb stelle ich mein Amt zum 1. August zur Verfügung.

Ziehen Sie sich komplett aus dem politischen Leben zurück?

 Nein. Ich glaub’, das kann ich nicht. Ich werde selbstverständlich weiter Bürgermeister in Hattstedt bleiben und bei der Wahl im kommenden Jahr auch wieder antreten. Die Amtsvorsteherei bringt ja noch weitere Aufgaben als Organisation des Amtes mit sich. Zum Beispiel engagiert man sich in den Zweckverbänden et cetera. Sie abzugeben verschafft mir deutlich mehr Zeit, denke ich.

Ihre Position muss ja nun möglichst bald neu besetzt werden – wie geht es jetzt weiter im Amt Nordsee-Treene?

 Ich habe es letzte Woche Montag in der Bürgermeister-Runde angekündigt, dass ich die Position des Amtsvorstehers abgebe. Zwei Tage später habe ich die Mitarbeiter des Amtes informiert. Das war natürlich im ersten Moment ein Schock – kaum jemand hat mit dieser Entscheidung gerechnet. Nun laufen erstmal Gespräche, die Sommerpause verschafft uns etwas Ruhe. Eva-Maria Kühl aus Ostenfeld leitet zunächst die Geschäfte ab 1. August. Ob sie das eventuell bis Mai weitermachen möchte, wird sich zeigen. Es muss aber eine Neuwahl stattfinden. Anfang September findet die nächste Amtsausschuss-Sitzung statt, und da werden wir einen neuen Amtsvorsteher wählen. Das gilt dann zur Kommunalwahl im Mai 2018. Sollte Eva-Maria Kühl als Stellvertreterin in die Hauptaufgabe wechseln, muss natürlich auch ein neuer Stellvertreter gewählt werden.

Gibt es schon Kandidaten?

 Derzeit ist da noch nichts in trockenen Tüchern. Es gibt ja vielleicht den einen oder anderen Bürgermeister, der sich warmläuft und sich das Amt zutrauen würde. Nur das müssen wir mal abwarten. Das entwickelt sich über die Sommerpause.  Meine Kollegen haben deutlich gesehen, was das Amt an Arbeitsaufwand mit sich bringt. Und man darf nicht vergessen, dass ich es mit meinem Job im öffentlichen Dienst einfacher habe als diejenigen, die angestellt sind oder selbstständig einen Betrieb leiten.

Was konnten Sie von dem, was Sie sich als Amtsvorsteher vorgenommen haben, bislang verwirklichen?

  Ich habe mir immer vorgenommen, mit meinen Kollegen viel und offen zu kommunizieren. Schnell habe ich festgestellt, dass gewisse Strukturveränderungen im Amt stattfinden müssen. Dass das sehr umfangreich ist, lässt sich denken. Es ist das zweitgrößte Amt Schleswig-Holsteins. Wir haben bereits viel geschafft. Zum Beispiel wurde die EDV-Struktur optimiert und das Ordnungsamt aufgebaut. In Sachen Asylpolitik haben wir die Gemeinden unterstützt, was besonders für Seeth sehr wichtig war. Ich denke, wir haben in den vergangenen Jahren die Außendarstellung des Amtes gestärkt und uns besser mit anderen Ämtern wie Eiderstedt und Viöl vernetzt. Und wir haben den Breitbandausbau in den Gemeinden begleitet und nach vorn gebracht. Ich glaube schon, dass wir da Großes geleistet haben. Es gibt aber immer noch viel zu tun. Gerade vor dem Hintergrund, dass unser Leitender Verwaltungsbeamter (LVB, Anm. d. Red.) Claus Röhe nächstes Jahr pensioniert wird. Da muss die Nachfolge geregelt werden. Nach der Sommerpause wird die Stelle ausgeschrieben. Wir haben uns dazu entschieden, dass der LVB bleiben und kein Amtsdirektor kommen soll.

Was würden Sie Ihrer Nachfolgerin beziehungsweise Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben?

 Immer den Blick über den Tellerrand zu bewahren und dass viele Aufgaben für die Zukunft noch zu erledigen sind. Und dass das Amt weiterhin die richtige Positionierung in der kommunalen Familie in Nordfriesland behält. Wichtig ist auch, dass wir eine kommunale Familie bleiben, in der sich kleinere Gemeinden wohlfühlen – und vor allem genauso ernst genommen fühlen wie große.

Egal, ob politisch, beruflich oder privat: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich jetzt in diesem Moment wünschen?

Dass meine Genesung weiter so viele Fortschritte macht. Denn das habe ich in den vergangenen Monaten gelernt: Dass ohne Gesundheit alles nichts ist.

 

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erstellt am 26.Jul.2017 | 21:00 Uhr

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