Kommunalwahl : Ohne Bürger-Engagement geht nichts

Tatings Mehrzweckhalle –  lebendiger Treffpunkt und Trainingsort für Jung und Alt. Der Bürgermeister ist froh, dass die Gemeinde sie erhalten hat.
Tatings Mehrzweckhalle – lebendiger Treffpunkt und Trainingsort für Jung und Alt. Der Bürgermeister ist froh, dass die Gemeinde sie erhalten hat.

Eiderstedt vor der Kommunalwahl: Die Bürgermeister erläutern, was gut oder nicht gelungen ist und wo die Zukunftsthemen liegen.

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06. März 2018, 12:00 Uhr

Am 6. Mai sind alle Bürger dazu aufgerufen, bei der Kommunalwahl für die neue Gemeinde- oder Stadtvertretung in ihrer Kommune zu stimmen. Auch im Amt Eiderstedt wird über die Zusammensetzung der Selbstverwaltung entschieden. Was hat sich in den vergangenen Jahren getan? Was können die Dorfchefs vorweisen? Stellen sie sich ein weiteres Mal zur Wahl? Und wo liegen die Schwerpunkte für die Zukunft ihrer Gemeinde? Wir haben die Bürgermeister gefragt. Hier Teil 1.


Viele neue Einwohner in Oldenswort

Für die Gemeinde Oldenswort stellte sich die Landesplanung als negativ heraus, wie Bürgermeister Frank-Michael Tranzer betont. Durch die Weigerung, eine Förderung für das Gewerbegebiet zu übernehmen, musste die Gemeinde selbst viel Geld zahlen, um es einzurichten. Der Landesentwicklungsplan sei veraltet und verhindere die gesamte Entwicklung des ländlichen Raumes. Weiterhin sind die Folgen der Verwaltungsstruktur-Reform von 2008 für die Gemeinde ein riesiger Kostenfaktor. Dagegen hat sich für Oldenswort die Bevölkerungszahl mehr als positiv entwickelt. Dafür sorgen steigende Geburtenzahlen mit dem gleichzeitigen Zuzug junger Familien, so Tranzer.

Das Hauptthema wird auch in der Zukunft die mediale Entwicklung im ländlichen Raum sein. Weiter wird der Ausbau der Infrastruktur einen breiten Raum einnehmen, wie die Daseinsvorsorge im Nahbereich – umfassend vom Kaufmann, Ärzten, Kinder-Tagesstätte, Schule bis zur Seniorenbetreuung

Tranzer, der seit zehn Jahren Bürgermeister von Oldenswort ist, will auch weiter an der Zukunft des Dorfes mitwirken und tritt wieder für die Gemeindevertretung an. Über Probleme der Kandidatenfindung ist ihm nichts bekannt. Im Ort sind drei Gruppierungen – CDU, WVO, SPD – vertreten. „Von meiner Partei, der SPD, kann ich sagen, dass wir absolut keine Probleme hatten, eine Liste mit 17 Bewerberinnen und Bewerber zu erstellen. Wir haben auch von Nicht-Mitglieder Anfragen, die mitarbeiten wollen. Auch diese Bürger versuchen wir einzubinden.“


Lebendiges Tating

Zufrieden blickt Tatings Bürgermeister Hans Jacob Peters auf die vergangenen fünf Jahre zurück. „Wir haben gemeinsam mit den Bewohnern vieles erreicht. Ich denke an den Erhalt der Mehrzweckhalle. Dort treffen sich heute viele zum Sport, zum Schauturnen, zum Kinderfasching, zu den Theateraufführungen, zu den Landjugend-Veranstaltungen und vielem mehr. Die Aktivitäten der Vereine machen unser Dorf sehr lebenswert.“ Höhepunkte seien die Parkfeste, die Vereinsfeste und die Weihnachtstreffs. Der Anbau an das Feuerwehr-Gerätehaus mache den Einsatz für die Aktiven sicherer und leichter. Darüber hinaus freut sich Peters über viele private Investitionen, die das Dorf bereichern, wie Eggis Backschop, den Eiderstedter Krog, den Campingplatz, den Wellenreiter (Kirchspielkrug Abraham), den Golfplatz, die Renovierung der Meierei, den Tennisplatz und die neuen Wohneinheiten.

Der 70-jährige Hans Jacob Peters will auch nach 23 Jahren in der Gemeindevertretung weitermachen. Er ist seit 15 Jahren Bürgermeister und würde, wenn gewünscht, dieses Amt wieder übernehmen.

Ziele für die kommende Wahlperiode sind für ihn der Bau der Umgehungsstraße und dadurch die Aufwertung der Dorfstraße, der flächendeckende Ausbau des Glasfasernetzes über den Zweckverband und die Errichtung eines Funkmastes für Mobilfunk sowie die Ausweisung eines Baugebietes. Bürgersteige, Wander- und Feldwege sollen möglichst ohne Bürgerbeteiligung ausgebaut werden.


Aktive Bürger in Poppenbüll

Für Poppenbülls Bürgermeister Kurt Eichert war in seiner ersten Wahlperiode sowohl als Gemeindevertreter als auch als Dorf-Chef die aktive und konstruktive, aber auch kontroverse Zusammenarbeit der Gemeindevertreter ein besonders positiver Aspekt. Er stellt außerdem die aktive Mithilfe der Bürger bei der Verschönerung der Gemeinde sowie die eng zusammengewachsene Dorfgemeinschaft heraus. Auch bei der Mitgründung des Kooperationsraums Mittleres Eiderstedt und dem daraus entwickelten Rufbus-Pilotprojekt hätten sich die Bürger eingebracht. Er lobt außerdem die sehr gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Amtes Eiderstedt.

Negativ bewertet Kurt Eichert dagegen den äußerst schleppenden bis fragwürdigen Ausbau des Internet-Netzes, aber auch des Handynetzes. Zudem belastet die Gemeinde finanziell stark die Instandhaltung der Wege, die unter der Nutzung durch große und schwere Fahrzeuge sowie unter den Bisamratten leiden. Kritik übt er auch am Naturschutz insofern, dass es wenig, keine oder nachträgliche Informationen über Maßnahmen in der Gemeinde gab. Verärgert ist Eichert ferner über mehreren Fälle von Umweltverschmutzung: Unbekannte hatten Fensterscheiben, Möbel und Hausmüll wild entsorgt. Sein Hauptaugenmerk für die Zukunft liegt auf dem Erhalt kleinerer Gemeinden, dem Ausbau und der Festigung der Infrastruktur im Rahmen der geringen Möglichkeiten der Kommunen, einem intensiverem Schutz der Küsten sowie dem Erhalt aller Schulen, auch bei geringer werdender Schülerzahl. „Das sehe ich auch als eine verstärkte Aufgabe von Kreis, Land und Bund – ohne die lästigen Wege der Bürokratie.“

Um die neue Gemeindevertretung ist ihm nicht bange, der er auch wieder angehören will: „Es hat keine Probleme gegeben, Kandidaten für den Gemeinderat zu finden, und es haben sich auch junge Einwohner bereit erklärt.“


Mehr Bauplätze für Kotzenbüll

Wieder antreten will auch Kotzenbülls Bürgermeister Andreas Jacobs. Der 48-Jährige ist seit acht Jahren Gemeindevertreter und seit fünf Jahren Bürgermeister. Es sei schwierig, Kandidaten für das Gremium zu finden, man müsse viel Überzeugungsarbeit leisten. Aber: „Fast die gesamten bisherigen Mitglieder stehen wieder zur Verfügung.“

Als ein Hauptthema für die nächsten fünf Jahre sieht er die bauliche Entwicklung des Dorfes. Diese stagniere, weil es zurzeit keine freien Grundstücke gebe und die Verhandlungen für den Bauland-Erwerb zeitintensiv und momentan nicht zielführend seien. Wichtig sei auch die Digitalisierung voranzutreiben, die sei in der Vergangenheit langsam und immer wieder mit Problemen behaftet gewesen. Wert legt Andreas Jacobs für die Zukunft auch auf die Wahrung und Sicherung der dörflichen Identität verbunden mit der kommunalen Eigenständigkeit.

Als ausgesprochen positiv bewertet er die konstruktive und harmonische Zusammenarbeit in der Gemeindevertretung in den zurückliegenden fünf Jahre und die Anerkennung durch die Bürger. Ferner die Beteiligung der Kotzenbüller an den gemeindlichen Veranstaltungen und dass die Sanierung des Gemeindehauses überwiegend in ehrenamtlicher Zusammenarbeit gelungen sei. Ein Wermutstropfen dabei: die zurzeit schwierigen Bemühungen für einen behindertengerechten WC-Bereich.

Jacobs freut es auch, dass es gelungen ist, für ein gepflegtes Aussehen des Dorfes und für eine Pflasterung an der Bushaltestelle sowie einen Parkplatz an der Festwiese zu sorgen. Unzufrieden ist er mit der finanziellen Entwicklung und der Anhebung von Grund- und Gewerbesteuer.


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