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Strukturdebatte : ÖPNV: Nordfriesland sucht Partner

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Es ist eine Option, die ernsthaft geprüft wird: ein gemeinsames ÖPNV-Konzept für Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und Flensburg. Auch Elektromobilität ist ein kreisübergreifendes Thema.

Eine Reise zum Thema „Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)“ hat den Fraktionen von CDU, FDP und Grünen laut Mitteilung „wichtige Erkenntnisse“ gebracht, die sie jetzt in die Debatte um die Neuorganisation der öffentlichen Mobilität in Nordfriesland einbringen werden. Die Info-Tour führte über Uetersen nach Ostfriesland und Hessen, weiter bis in den Schwarzwald und über Sachsen-Anhalt zurück in den Norden. Dabei standen Angebote und deren Finanzierung im Mittelpunkt: wie ein Elektrobus im Linienbetrieb, bedarfsorientierte Bürgerbusse und Anruf-Sammel-Taxis, private Mitnahme-Angebote als Fahrplan-Ergänzung sowie ein ÖPNV-Modell mit drei Netzebenen.

Ein Teilaspekt, der für einen klimafreundlichen Kreis von Bedeutung ist, konnte aufgrund der knappen Zeit nicht ausreichend beleuchtet werden: Ist Elektromobilität im Busverkehr in einem ländlich strukturierten Kreis schon sinnvoll einsetzbar? „Die Erfahrungen mit dem E-Bus aus tschechischer Produktion im Klützer Winkel in Mecklenburg-Vorpommern sprechen dagegen“, sieht Jörg Tessin, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Kreistag, die Sache eher kritisch, und ergänzt: „Deswegen ist es wichtig, als weitere Entscheidungsgrundlage den hochgelobten E-Bus aus China im Kreis Pinneberg in Augenschein zu nehmen, und zwar am besten im Winter, wenn die Batterien zeigen müssen, was sie wirklich können.“
Tim Hanke, Vorsitzender der CDU-Fraktion, stellt einen anderen Aspekt in den Vordergrund: „Die Vorbereitungsphase der Organisationsumstellung im ÖPNV sollte genutzt werden, um zu prüfen, ob es Synergien durch verstärkte Zusammenarbeit mit Kreisen und Städten der Nachbarschaft geben könnte.“

Inzwischen hat es bereits ein Treffen mit politischen Vertretern aus dem Kreis Schleswig-Flensburg in Goldelund gegeben. Alle waren sich einig, dass aufgrund ähnlicher Problemlagen in beiden Kreisen eine verstärkte Zusammenarbeit dringend geboten ist. Deshalb soll sogar überlegt werden, ob eine gemeinsame Gesamtorganisation des ÖPNV beider Kreise sinnvoll sein könnte. Inwiefern es auch angebracht ist, die Stadtverkehre Flensburgs in ein solches System einzubeziehen, soll beim nächsten Treffen im Januar 2015 in Flensburg mit Vertretern der dortigen Politik vertieft werden. Als ein Beitrag zu einer möglichst auskömmlichen Finanzierung des künftigen ÖPNV wurde herausgestellt, dass sich die Förde-Stadt und die beiden Kreise „intensiv und hartnäckig“ um eine Staffelung der Schulanfangszeiten und um einen im gesamten Einzugsgebiet gemeinsamen beweglichen Ferientag aller Schulen bemühen sollten. Darüber hinaus wurde vereinbart, ähnlich lautende Beschlüsse zum Thema herbeizuführen, um eine strukturierte Debatte – zunächst auf Ebene von Politik und Verwaltung – anzustoßen, um zügig zu Ergebnissen zu kommen.

Die Mehrheits-Kooperation im nordfriesischen Kreistag hat deshalb für die morgige Sitzung einen entsprechenden Antrag eingereicht. Danach soll die Kreisverwaltung unter anderem eine Tagesinformationsreise für eine Delegation mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Verkehrsbetrieben zur Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg organisieren: Dort wird über die Anschaffung und den Betrieb eines Elektrobusses informiert. Weiter geht es darum, Kontakt mit den zuständigen Stellen im Kreis Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg aufzunehmen, um Chancen und Gefahren einer kreisübergreifenden Organisation der öffentlichen Mobilität auszuloten.

Als nächsten Schritt schlägt die Jamaika-Kooperation eine gemeinsame Sitzung der zuständigen Ausschüsse der drei potenziellen ÖPNV-Partner vor, um Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit auszuloten. „Danach sollten im Frühjahr die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse in einer größeren Veranstaltung mit Vertretern aller handelnden Akteure zusammengeführt werden“, wünscht sich Uwe Schwalm, Vorsitzender der Grünen-Fraktion. „Dann können weitere Fachleute interessante Ansätze aus dem Bundesgebiet vorstellen.“

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erstellt am 06.Nov.2014 | 10:00 Uhr

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