zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

18. Dezember 2017 | 06:42 Uhr

Rattengift : Odins Leben hing am seidenen Faden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Odin, der vierjährige Golden Retriever von Olaf Friedrichsen, hat viel Glück gehabt. Der Rüde hat Rattengift gefressen und geriet in Lebensgefahr. Dass Hundehasser am Werk sind, glaubt der Bredstedter Polizist nicht.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2014 | 19:00 Uhr

Breitenfelde | Sorgenvolle Stunden und Tage hat Olaf Friedrichsen hinter sich. Das Leben seines treuen Begleiters hing noch vor kurzem am seidenen Faden. „Doch jetzt ist er überm Berg“, freut sich der Bredstedter Polizist und streichelt seinem vierjährigen Golden Retriever über die Stirn – ein starkes Team, dessen Zukunft beinahe ein abruptes Ende genommen hätte: Retriever-Rüde Odin wurde nämlich vergiftet.

Rattengift. Olaf Friedrichsen weiß nicht, wie Odin damit in Kontakt kommen konnte. Das Grundstück verlässt der Hund nicht allein, steht immer unter Beobachtung. Auch die Nachbarn sind ahnungslos. Giftköder hat dort niemand ausgelegt, hat sich Friedrichsen in der Umgebung erkundigt. Der Polizist vermutet, dass sein treuer Freund bei einem Spaziergang in der nahen Geest damit in Kontakt gekommen sein könnte. „Odin läuft manchmal ein paar Meter voraus“, sagt Friedrichsen. „Wenn er am Wegesrand etwas frisst, bekommt man das auf die Schnelle gar nicht mit.“

Doch so oder ähnlich muss es gewesen sein. Irgendwo muss Odin das Gift aufgenommen haben. Bemerkt hat es Olaf Friedrichsen jedenfalls nicht. Abends spürte aber er eine Veränderung seines tierischen Begleiters. „Als ich nach Hause kam, hat er mich gar nicht freundlich begrüßt“, erinnert sich Friedrichsen. Odin war schlapp, kurzatmig. Er lag in seinem Korb und rührte sich nicht. Am nächsten Morgen war ein Bein des Rüden stark angeschwollen und ein dickes Hämatom hatte sich unterhalb des Brustkorbs gebildet. Außerdem hatte der Hund Blut gespuckt.

Was folgte, waren bange Stunden. Olaf Friedrichsen bugsierte Odin ins Auto und fuhr mit ihm zum Tierarzt. Dort wurde der Hund eingehend untersucht und anschließend geröntgt. Ein Zeckenbiss? Der Schock erfolgte beim Betrachten der Bilder: Sämtliche Organe Odins waren nicht zu erkennen. „Zunächst vermutete der Tierarzt Wasser. Es war jedoch Blut“, sagt der Hundebesitzer und steuerte auf Anraten des Arztes die Flensburger Tierklinik an.

Das Gift in Odins Körper sorgte dafür, dass sich die roten Blutkörperchen auflösten und das Blut gerann. Es bestand akute Lebensgefahr. Die Ärzte der Tierklinik verabreichten dem Golden Retriever ein Mittel, das normalerweise in der Humanmedizin Anwendung findet und mit Vitamin K die Wirkung des Giftes eindämmen sollte. Mit Erfolg, denn Odin geht es zwischenzeitlich wieder besser.

„Wir müssen alle drei Stunden mit ihm raus“, erzählt Olaf Friedrichsen. „Er muss viel trinken, denn das Gift wird mit dem Urin ausgeschieden.“ Ein anstrengender Job für die gesamte Familie – eine Belastung aber, die jeder gerne auf sich nimmt, damit es dem vierbeinigen Familienmitglied bald wieder besser geht. „Odin wiegt 42 Kilogramm und hat eine gute Kondition. Ein kleiner Hund wäre sicherlich gestorben“, ist sich Friedrichsen sicher. Vor einigen Jahren hat der Hund einer Nachbarin eine Vergiftung mit Rattengift nicht überlebt.

Dass es einen Hundehasser in Bredstedt gibt, daran will Olaf Friedrichsen nicht so recht glauben. Dennoch herrscht eine gewisse Unsicherheit unter den Tierhaltern in der Nachbarschaft. „Die Frage ist, ob jemand die Giftköder absichtlich oder grob fahrlässig falsch ausgelegt hat“, so der Bredstedter Polizist. „Vielleicht ist sich derjenige gar nicht bewusst, was er getan hat“, glaubt Friedrichsen eher an das Gute im Menschen.

Dass es jedoch Leute gibt, die Haustiere nicht mögen, kann Olaf Friedrichsen nachvollziehen. Tierische Tretminen auf Bürgersteigen und frisch gemähten Flächen, in Parks und Sandkisten kennt er auch – und auch er ärgert sich darüber. „Es gibt leider Hundebesitzer ohne Schmerzgrenze“, weiß der Bredstedter. Dennoch sei dies kein Grund, Giftköder auszulegen.

Olaf Friedrichsen und sein Odin sehen jedenfalls wieder Licht am Ende des Tunnels. Was bleibt, sind ein großer Schreck – und glücklicherweise noch viele gemeinsame Ausflüge durch die Geest und in den Koog.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen